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Theater, Noch frei zur Uraufführung
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Synopsis

Zwischen Selbstbeherrschung und Selbstentfaltung paßt immer noch ein männlicher Blick, eine tastende Hand, ist die Wunschfigur nur eine fixe Kryolipolyse entfernt. Katja Brunner schreibt über ,Frauenkörper‘: über weiblich identifizierte Existenzen als Anschauungsmaterial und Ausstellungsobjekte, Wunschvorstellungen, Projektionsflächen und Kampfplätze. In zu enge Räume und Kleider gezwängt, drängen sich junge und alte, allzu zarte und überbordende, sich krümmende und ausdehnende Leiber, die es der Sprache nicht recht machen können und über die trotzdem alle reden.

Davon gibt es einige in Katja Brunners Text: Prinzessin Selda, pixelgewordene Phantasieoberfläche, rekelt sich willenlos auf dem Bildschirm. Das Hungermädchen wartet auf das Verschwinden und ein anderes auf seine Mutter, die entschieden hat, das Haus nie wieder zu verlassen. Eine selbsternannte Rebellin probiert die Masken der Weiblichkeit, während sich eine andere fragt, wem eigentlich diese Hand da gehört, die sich mit ihrem Bein befaßt. Dabei dröhnt der Chor der Bulimiker*innen durch die Textflächen.

Brunners Text bringt das Leben in phantasmatischen »Gefälligkeitsrobotern« und von einer auf makellose Oberflächen fixierten Gesellschaft ausrangierten Organanordnungen zur Sprache. Er legt Zeugnis ab von Unzulänglichkeiten und Verletzungen, vom Aufgeben und dem Rückzug in die Sprachlosigkeit. Gleichzeitig ist der Text ein drängender poetischer Appell für Solidarität jenseits typisierender Vereinheitlichungen, eine vielstimmige Kampfansage an Deutungshoheiten, Vermessungsstrategien und Weiblichkeitsideale. Die oft schmerzvolle Lebendigkeit weiblicher Verkörperungen ergreift das Wort.

ZEIGENKatja Brunner
Brunner studierte Literarisches Schreiben am Literaturinstitut Biel/Bienne und Szenisches Schreiben an der Universität der Künste Berlin. 2010 entstand ihr Stück »von den beinen zu kurz«. 2013 war sie mit »die hölle ist auch nur eine sauna« zum Heidelberger Stückemarkt eingeladen, gewann mit der Deutschen Erstaufführung von »von den beinen zu kurz« den Mülheimer Dramatikerpreis und wurde von »Theater heute« zur Nachwuchsautorin des Jahres gewählt. In der Spielzeit 2014/2015 war sie Hausautorin am Theater Luzern, im Sommer 2015 Stipendiatin am Literarischen Colloquium Berlin. 2016 erhielt sie ein Werkjahr der Stadt Zürich für einen Romanentwurf zugesprochen. 2018 erhielt sie den Förderpreis des Kulturpreises des Regierungsrates Zürich.
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