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theater und medien
Theaterperformance, UA: 2007, steirischerherbst, Graz
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Synopsis

Wir schreiben das Jahr 50 nach der Zeitrechnung kosmischer Komsomolzen: 1957 gelang es der Sowjetunion, einen kleinen „Begleiter" in den Orbit zu schießen und so den Startschuß für die Raumfahrt zu geben. Ein Sputnik-Schock für die westliche Welt – schließlich war nun auch klar, daß es der Sowjetunion ebenso möglich wäre, mit Raketen Amerika zu erreichen. Von diesem Nullpunkt geht „Time Republic" aus, um eine andere Geschichte des 20. Jahrhunderts zu erzählen, die von den vergessenen Versprechen einer vergangenen Zukunft handelt, von Juri Gagarin, der Kuba-Krise, der Mondlandung und dem Mord an John Lennon. Und von jenem letzten Kosmonauten, der 1991 einsam im All kreiste, während sich tief unter ihm auf der Erde die Sowjetunion auflöste. 

andcompany&Co sucht in TIME REPUBLIC nach der Gegenwart der Zukunft in der Gegenwart und greift dafür auf die Vergangenheit zurück, um einen Staat zu gründen, der nicht auf einem Territorium, sondern in der Zeit existiert. So wird die Bühne zum retro-futuristischen Cockpit von dem aus das Zeitschiff gesteuert wird. TIME REPUBLIC ist ein humorvolles Spiel mit Fakten und Fiktionen, das Bruchstücke ästhetischer und philosophischer Entwürfe des 20. Jahrhunderts musikalisch verdichtet und zu einem eigenen politischen Statement neu abmischt – historisch-politische Kontexte werden so in eine lebendige, zeitgemäße Sprache übersetzt. Der Kalte Krieg wird als Sieg über die Sonne inszeniert und Ronald Reagans Angst vor einer Alien-Invasion von Juri Gagarin mit einem  Lächeln quittiert, das der Himmel geschenkt hat: „Der Weltraum ist dunkel, Genossen, sehr dunkel."

ZEIGENandcompany&Co.
Das internationale Theater- und Performancekollektiv andcompany&Co., 2003 in Frankfurt/M. gegründet, versteht sich als offenes, aber verbindliches Netzwerk. Den Kern bilden Alexander Karschnia, Autor und Theaterwissenschaftler, Nicola Nord, Sängerin und Performerin, sowie Sascha Sulimma, Musiker und DJ. Ihre Performances sind ein humorvolles Spiel mit Fakten und Fiktionen, das Bruchstücke ästhetischer und philosophischer Entwürfe des 20. und 21. Jahrhunderts musikalisch verdichtet und zu einem eigenen politischen Statement neu abmischt. Nach zu Beginn v.a. freien Produktionen erweitert das Kollektiv seinen Wirkungskreis zunehmend in Richtung Stadttheater.
Neuigkeiten
Presse
taz

»Sie erzählen die Geschichte des Wettrüstens und des Kalten Krieges als ein sprachakrobatisches Musiktheater. In langen zungenbrecherischen Sätzen türmen sie die Szenarien des Gleichgewichts des Schreckens übereinander, bis diese Sprachkaskaden unaussprechbar werden. Dazwischen gibt es Reden an die Männer auf dem Mond und Training für die Schwerelosigkeit. Es hat Charme, wie hier die ganz große Geschichte mit Mitteln, die oft nach Instrumenten der kindlichen Früherziehung aussehen, erzählt wird.«

Frankfurter Neue Presse

»Ein Pappkreis mit rotierendem Schnurrbart und Augen aus blinkenden Glühlampen – mehr braucht es nicht, um dem amerikanischen Präsidenten ein menschliches Antlitz zu verleihen. Reden halten kann der imaginäre Würdenträger auch. Eine sonore Stimme aus dem Off spricht Worthülsen, die Anteilnahme am Leben des Durchschnittsbürgers bekundet oder den Verlust der Columbia-Fähre beklagt, untermalt von hektischem Stroboskoplicht und einer Endlosschleife von ›Give Peace A Chance‹ der ›Plastic Ono Band‹". Der Auftakt zur Performance ›Time Republic‹ der multinationalen ›andcompany&Co.‹ könnte amüsanter und kurioser nicht sein. In selbstgestalteter Kulisse aus surrealen Installationen und flackernden Lichtobjekten, die ein futuristisches Raumschiff simulieren, agieren sieben zeitreisende Temponauten. In endlosen Monologen montieren die Männer und Frauen in uniformer Kostümierung, die an Jane Fondas Outfit im Aerobic-Video erinnert, legendäre Zitate vergangener Dekaden. Mal akribisch wortgetreu, mal dadaistisch zerlegt. Ein verwirrendes Stimmengewirr, das aus Gesprächsfetzen und Gedankengängen der fiktiven Enkelin Little Blue das Leben des kommunistischen Revolutionärs Lenin mit seiner dreibeinigen, stets über ihm schwebenden Hündin Laika filtert. Doch rezitieren die Akteure nicht einfach wahllos Texte von John F. Kennedy, Richard Nixon, Chruschtschow, Ronald Reagan, George W. Bush und Lennon-Mörder Mark Chapman. Unterhaltende Aktionen erfolgen auch durch körperliche Ertüchtigung, den schräg interpretierten Oldie ›Will You Love Me Tomorrow‹, einen gleich mehrmals simulierten Nuklearkrieg sowie – als immer wiederkehrende Zäsur – Licht, das an- und ausgeschaltet wird. Im zweiten Teil einer Trilogie, die mit ›Little Red (Play): 'Herstory'‹ 2006 begann, mischen sich in faszinierender Sample-Technik Tatsachen und ironische Fiktionen zu einem Diskurs über das 20. Jahrhundert, dessen Fazit so nebulös bleibt, wie die Feststellung des russischen Kosmonauten Juri Gagarin: ›Der Weltraum ist dunkel, Genossen, sehr dunkel.‹«

Aufführungen

Uraufführung

2007

steirischerherbst, Graz