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theater und medien
Theaterstück, Übersetzung und Bearbeitung, UA: 9.5.2008, Wiener Festwochen und 30.5.2008, Münchner Kammerspiele, Regie: Luk Perceval
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Synopsis

Der Trojanische Krieg hat seinen Ursprung in einer der größten Liebesgeschichten der Welt: Der Zank um eine Hure. Der Trojaner Paris raubt die schöne Helena. Sie sind die Glamourstars der Antike. Wild, ungezügelt und unberechenbar fliehen sie besoffen vor Geilheit in die Stadt Troja, ihnen auf den Fersen die kampfbereiten Griechen, die für den gehörnten Menelaos, Helenas Gatte, in einen der schmutzigsten Kriege der Antike ziehen. Wenn der Grieche Ulysses sich an den Ursprung des Trojanischen Krieges erinnert, weiß er kaum noch, warum alles begann. Shakespeare beginnt seine Erzählung im siebten Jahr der Kampfhandlungen. Der Krieg hat sich verhakt. Trojas Türen sind verrammelt. Die Griechen liegen kampfmüde in ihren Feldbetten. Und hinter den Mauern Trojas verliebt sich der junge Troilus in die reizende Cressida. Die erste Liebesnacht der beiden ist gleichzeitig die letzte, denn Cressida, deren Vater der zu den Griechen übergelaufene trojanische Priester Kalchas ist, wird gegen einen Gefangenen ausgetauscht. Da hilft kein Zürnen. Man kann die Liebe aus dem Krieg nicht heraushalten. Troilus und Cressida werden aneinander zu Verrätern in einem Krieg, der zu lange dauert und deshalb zur Lebensform wird. Bittere Zeiten für Liebende, wenn sie nicht Paris und Helena heißen, deren Liebe mittlerweile allerdings so abgestanden ist, daß kein Krieg diesen Paarungsakt noch rechtfertigt. So debattieren die Kriegsräte über die weitere Strategie und beschließen einen Zweikampf der großen mythischen Helden Achilles und Hektor. Shakespeares bittere Abrechnung erzählt von Koitus und Totschlag zwischen den Kulturen.

Paul Brodowsky hat die schlanke und schnelle Fassung von Luk Perceval virtuos und erfrischend neu übersetzt und bearbeitet. Gekonnt hat er dabei die überbordende Shakespeare-Sprache entschlackt und reduziert; die zeitlos-poetische Sprachkraft ist dezent aktualisiert und mit gegenwärtigen Diskursen verknüpft. Heraus gekommen ist dabei eine glänzend spielbare, poetisch-heutige Fassung, die das Publikum bei den Wiener Festwochen sowie wie an den Münchner Kammerspielen gleichermaßen begeisterte.

 

Übersetzung und Bearbeitung: Paul Brodowsky

Fassung: Luk Perceval

Ein Auftrag der Münchner Kammerspiele in Koproduktion mit den Wiener Festwochen

ZEIGENPaul Brodowsky
Bereits mit 22 Jahren konnte Paul Brodowsky auf die erste Veröffentlichung bei Suhrkamp zurückblicken. 2008 schrieb er für Luk Perceval eine Neubearbeitung von TROILUS UND CRESSIDA (Münchner Kammerspiele/Wiener Festwochen). Sein vielfach ausgezeichnetes Stück REGEN IN NEUKÖLLN wurde 2011 an der Schaubühne in Berlin uraufgeführt. Für das Staatstheater Stuttgart entstand im gleichen Jahr eine Neuübersetzung von Shakespeares »Maß für Maß«, die Christian Weise inszenierte. Nach LÜG MIR IN MEIN GESICHT (UA: März 2010, Theater Freiburg) war Brodowsky 2012/13 Hausautor des Theaters Freiburg. Im Februar 2014 wurde dort sein Stück INTENSIVTÄTER uraufgeführt. Paul Brodowsky ist Dozent des Studiengangs Szenisches Schreiben an der Universität der Künste in Berlin.
Neuigkeiten
Presse
Wiener Zeitung

»Ein wunderbar flapsiges Textgerüst in der Bearbeitung von Paul Brodowsky verwebt gekonnt die Homer´sche Vorlage mit Shakespeare-Passagen und historisch-kritischen Kommentaren zum Mythos -Wort-Verbindungen, die sehr heutig klingen und eine angenehm ironische Distanz zum Treiben der Sandalenhelden erzeugen.«

Süddeutsche Zeitung

»Luk Perceval schafft in seiner Variation von "Troilus und Cressida", die vor gut zwei Wochen bei den Wiener Festwochen in Koproduktion mit den Kammerspielen herauskam, ein wunderbares Bild für die Sinnlosigkeit des Krieges, dafür, daß man gern was tun wollen würde, aber völlig vergessen hat, was man genau vorhatte zu tun. Also auch ein treffliches Bild für unsere Gesellschaft. Oder den Irakkrieg. Oder, oder, oder.«

Münchner Merkur

»So einfach kann Theater sein, wenn es derart virtuos und raffiniert inszeniert ist. Dann gelingt die Gleichzeitigkeit der komischen und der ernsthaften, der heutigen und der archaischen Momente. Dann kann man lachen über das Pferd, das zum Ende herein geschoben wird, auf dem Paris sitzt, während gegenüber Achilles zum Kampf antritt gegen Hektor - hinter der Bühne - und er wenig später mit gereckter Blutfaust seinen Sieg signalisiert.«

 

Deutschlandradio Kultur

»Brillant trifft Julia Jentsch als Cressida den Ton zwischen dem ungebändigtem Wildfang und dem zarten Mädchen, zwischen einer, die aufbegehren will gegen den Mechanismus die Unterworfene zu sein, wenn sie sich hingibt und die sich letztlich diesem Mechanismus doch ausliefert. Und Luc Perceval hat für seine Cressida und ihren Troilus einige zarte Liebesmomente geschaffen, etwa, wenn sich die beiden für den ersten Kuss gemeinsam Cressidas kindergelben langen Pullover über die Köpfe ziehen. Das sind die Kontrastszenen zu den bewußt penetrant und enervierenden Szenen von Troja und Griechenlager, auf deren grotesken Slapstick sich aber das Ensemble der Münchner Kammerspiele ohne Ausnahme spielfreudig einläßt.«

Aufführungen

Uraufführung

9.5.2008

Wiener Festwochen,

 

30.5.2008

Münchner Kammerspiele