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theater und medien
Theaterstück, nach Franz Kafka, Bearbeitung von Marcel Luxinger und Tomas Schweigen, UA dieser Fassung: 6.3.2008, schauspielfrankfurt
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Synopsis

Der Landvermesser K. wird in ein Schloß bestellt, wo er seine Dienste verrichten soll. Allerdings muß er bei seiner Ankunft feststellen, daß man im Schloß nichts von diesem Auftrag weiß. Er muß damit vorlieb nehmen, sich in dem Gasthof des nahe gelegenen Dorfes einzumieten. Ab und an erscheinen Beamte des Schlosses im Gasthof, sind jedoch – ebenso wie die Dorfbewohner – in ihrem Gebaren K. gegenüber undurchschaubar. Das Schloß als ein Mysterium scheint für alle anziehend wie gleichermaßen angsteinflößend zu sein. Obwohl man nur wenig über das Schloß weiß – oder vielleicht eben deswegen –, ist es scheinbar die Schaltzentrale der Macht, eine Geheimgesellschaft, die das gesellschaftliche Leben beherrscht: die einflußreiche Bürokratie anonymer Apparatschiks – beinahe unmenschlich. Nicht die Macht durchschauen zu können, aber von ihr beherrscht zu sein, schafft ein Klima lähmender Angst. Die Menschen in Kafkas Parabel sind von der Macht ausgeschlossen, können sie aber auch nicht an bestimmten Personen festmachen.

Kafka nähert sich in seinem Roman geradezu visionär Phänomenen der heutigen Globalisierung, die Folgen für jeden Einzelnen hat, ohne daß dieser deren Ursache wirklich erkennen könnte.

 

ZEIGENMarcel Luxinger
Marcel Luxinger arbeitet als Autor, Regisseur, Bearbeiter und Dramaturg in der freien Szene und an Staatstheatern u.a. in Frankfurt, Stuttgart, Dresden, Hamburg und Berlin. Neben eigenen Stücken schreibt er Bearbeitungen moderner Klassiker und inszeniert brisante politische Projekte. Sein Stück KRIECH ODER: ORIENTIERUNGSHILFE FÜR DEN WERTEKOMPASS (UA: Schauspiel Frankfurt, 2005) wurde u.a. am Theater Erlangen nachgespielt. 2016 entstand in Zusammenarbeit mit PNAC (Companie für präemptive und nachhaltige Auseinandersetzung) und dem collective yemina (yemina gharbi & mehdi younes) das aktuelle Stück GUTMENSCHENDÄMMERUNG.
Neuigkeiten
Presse
Frankfurter Allgemeine Zeitung

»Für die Außenstelle des Frankfurter Schauspiels haben Dramaturg Marcel Luxinger und Regisseur Tomas Schweigen Franz Kafkas Romanfragment ›Das Schloss‹ zu einem Theaterabend verarbeitet. Dem Publikum wird ein Experiment angekündigt: 100 Minuten Zeit, um dem Geheimnis des Schlosses und K.s Hiersein auf die Spur zu kommen. Bemerkenswert, dass die offensichtliche Versuchsanordnung nicht impertinent, sondern leichthändig wirkt. Allein den Landvermesser K. bekommen wir dabei nicht zu Gesicht. Selbstverständlich läßt sich das Geheimnis nicht lösen. Als 64 Minuten übrig sind, wissen wir noch nichts, als 4,13 Minuten übrig sind, ebenso wenig. Und die Sekunde der Erkenntnis - ja, Luxinger und Schweigen tun so, als gäbe es eine - dürfte nicht nur dem Sprechenden, sondern uns allen entgehen. In seiner mit Dramaturg Marcel Luxinger entworfenen Theaterfassung von Kafkas ›Schloss‹ nimmt sich der junge Regisseur Tomas Schweigen die Pluralität der Lesarten zum Gegenstand. Sie setzen den Hebel an die von Kafka selbst eingefügten Bruchstellen. Es interessiert vor allem das Verhältnis von Leser, Erzähler und Perspektivfigur. 100 Minuten haben sie, Kafkas vielschichtigen Text auf die Bühne zu bringen. Max Landgrebe mahnt mit Stoppuhr nicht nur zur Eile sondern geriert sich auch als Kafka-Exeget, so daß in der knappen Zeit sogar des Autors Kampf um Beruf und Berufung, seine Amouren und Blessuren und Kierkegaardsche Zweifel erwähnt werden. Die Rollen wandern im punktgenau präsentierten sechsköpfigen Spielerkollektiv. Ein lebendiger Abend, den Tomas Schweigen aus einem reduktionistischen Arrangement entwickelt hat. Kafka kommt diese Truppe durchaus nahe.  Ist das ein Trost oder ein Fluch? Ist es vielleicht so, das Leben?«

Aufführungen

Uraufführung dieser Fassung

6.3.2008

schauspielfrankfurt, Frankfurt/M.