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theater und medien

Kay Voges inszeniert gleichzeitig »Die Parallelwelt« in Dortmund und Berlin

Kay Voges hat die Spielzeit mit einer parallelen Inszenierung in zwei Städten, am Schauspiel Dortmund und im Berliner Ensemble, begonnen. Dazwischen: 420 km Glasfaserkabel. Kay Voges und Alexander Kerlin positionieren sich mit DIE PARALLELWELT erneut als digitale Theaterpioniere. Sehen Sie hier einen Beitrag auf 3Sat-Kulturzeit.

»Hier ist ein Regisseur am Werk, der mit seinen Glasfaserkabeln und Kameras wirklich noch was wissen will. Vom Leben und der Kunst. Voges entfesselt den Overkill der Gleichzeitigkeiten.« (Ruhrnachrichten)

»Kay Voges und die Seinen entwickeln mit ihren Stücken inzwischen einen Rausch, dem man sich schlecht entziehen kann.« (Westdeutsche Allgemeine Zeitung)

»Der Abend entwirft eine surreale Mystery-Choreografie, die perfide genau auf das produktive Chaos zusteuert, in der quantisch korrekt Theater, Spiel und Welt aus allen Angeln fliegen.« (Berliner Zeitung)

»Quantenphysik auf dem Theater. In der Mikrowelt der kleinsten Teilchen gibt es Raum und Zeit nicht wie wir sie kennen, die Verhältnisse sind anarchisch, gehorchen keinen Regeln. Das haben die Autoren für die Makroebene durchgespielt. Ein zutiefst menschlicher, nachdenklicher und unterhaltender Abend. Das Höchstleistungsvideotheater hat die Grenzen des Theaterraumes erweitern wollen und sie dadurch erst sichtbar gemacht. Am Ende hat man das Gefühl, Voges und Co. halten ein Plädoyer für die analoge Bühne. Gleichzeitig.« (Deutschlandfunk)

»Und doch hat die ›Parallelwelt‹ etwas zutiefst Menschliches und Persönliches, rührt an gewaltigen letzten Fragen. Und ironisiert zugleich sehr witzig das menschliche Bedürfnis, sie sich immer wieder zu stellen.« (nachtkritik)

Björn Bicker: Das letzte Parlament in Mainz

Ist unsere parlamentarische Demokratie bereits ein hoffnungsloser Sanierungsfall? Björn Bicker hat über einen Zeitraum von anderthalb Jahren Politiker*innen und Mitarbeiter*innen des Landtags Rheinland-Pfalz bei ihrer Arbeit begleitet. Er hat Debatten beobachtet, Ausschusssitzungen besucht und Hintergrundgespräche geführt. Eine Reise, die ihn von der verunsicherten bürgerlichen Mitte bis an die rechten Ränder des Spektrums geführt hat. SPD, DIE GRÜNEN, CDU, FDP, AFD: mit allen hat er gesprochen und sie selbst nach ihren Vorstellungen von der Zukunft der Demokratie befragt. Eine blinde Stenografin fungiert als schwindendes Gedächtnis und Gewissen und erinnert an die ersten Schritte einer jungen Nachkriegsdemokratie, derweil sich im Parlament die Geister vergangener Legislaturperioden unauflösbar verstritten haben. Auf den Rängen johlt und feixt das Volk, und im Zuschauerraum wächst die Sehnsucht nach dem großen Schnitt. Ist das der Abgesang? Mit geradezu antiker Wucht und viel Humor malt das Stück ein Bild vom offenen Ende unserer Demokratie. Das Ende der Welt, wie wir sie kennen. DAS LETZTE PARLAMENT ist ein weiterer großer und radikaler Wurf. Es geht um Zustand und Zukunft unserer Demokratie und - wie immer bei Björn Bicker - auch um die Frage, wie wir in Zeiten von schwindender Empathie und viralem Populismus weiter miteinander reden wollen. Die Uraufführung des Stückes fand am 28. August am Staatstheater Mainz in der Regie von Brit Bartkowiak statt.

Die Perser: Ulrich Rasche überwältigt Salzburg

Ulrich Rasches vierstündige Theaterschlacht »Die Perser« begeistert bei den Salzburger Festspielen: »Seit Einar Schleef hat niemand mehr solch machtvolle, den Atem raubende Chöre auf die Bühne gebracht und damit der Masse ein Gesicht gegeben«, meint »Der Standard«. Schon das Bühnenbild, dieses »monströse Räderwerk des Krieges« (SZ) sei beeindruckend, die Verausgabungsbereitschaft der Schauspieler*innen respekteinflößend. Der Klang der Schritte, das Schlagen der Percussions - alles verbinde sich zu einer einzigen sinnlichen Überwältigung, der es nicht an Reflexionspotential mangle: »Gäbe es ein besseres Bild für das Leben des Menschen auf der Erde und in einer Gesellschaft?«, fragt Andrea Heinz auf nachtkritik, als das Aushalten-Müssen dieser Überwältigungsästhetik und Maschinenmartialität? Inmitten ihrer ohrenbetäubenden Lautstärke, dem Sog des Marschrhythmus, gibt die Inszenierung zu verstehen, »was für eine Wucht ein gesprochenes Wort haben kann […]. Aber eben auch, was für eine Gefahr« in ihm steckt. Die FAZ fasst zusammen: »[Rasche] ist das Gegenteil eines Vermittlers, denn er holt seine Zuschauer nicht dort ab, wo sie stehen, sondern zeigt ihnen, wie weit sie laufen müssen, um dort anzukommen, wo sein Stück spielt.« Im Februar kehrt Ulrich Rasche mit einer Inszenierung der »Elektra« ans Münchner Residenztheater zurück. Mit seiner vorangegangenen Münchner Arbeit »Die Räuber« wurde Rasche 2017 erstmals zum Theatertreffen Berlin eingeladen.

Teresa Präauers »Oh Schimmi« auf der Bühne

»Teresa Präauer hat einen formvollendet freien Roman geschrieben, verrückt, verstörend, sehr komisch und auch tragisch«, schrieb die Zeit über den 2016 im Wallstein Verlag (Göttingen) erschienenen Roman OH SCHIMMI. Teresa Präauer ist nach den Romanen »Für den Herrscher aus Übersee«, »Johnny und Jean« und »Oh Schimmi« in der Literatur keine Unbekannte mehr. Nun hat auch das Theater das große Talent der in Wien lebenden Autorin und bildenden Künstlerin für sich entdeckt. Im vergangenen Frühjahr kam mit EIN HUND NAMENS DOLLAR Präauers erster Bühnentext am Schauspiel Frankfurt zur Uraufführung. Dort wird man die Zusammenarbeit in der Spielzeit 2019/20 mit einer weiteren Uraufführung fortsetzen. In der Zwischenzeit wird der eingangs erwähnte Roman OH SCHIMMI mit Premiere am 20. September am Theater Kosmos in Bregenz uraufgeführt, bevor die Inszenierung im Rahmen einer Koproduktion weiter ans Schauspielhaus Wien zieht. OH SCHIMMI ist ein Liebesreigen, eine Taugenichts-Geschichte, gemacht aus den Elementen, Bildern und Codes des 21. Jahrhunderts und wurde bereits bei Bachmann-Festival 2015 frenetisch von Publikum und Jury abgefeiert. »Voran getrieben wird Teresa Präauer dabei von einem ähnlichen Wortsog wie der frühe Peter Handke der Sechziger oder einem Rainald Goetz der Achtziger Jahre. Was bleibt ist ein energiereicher, auf Performance angelegter Text, der mehr noch für das Theater als zur Lektüre geeignet wäre. Man könnte sich also darauf freuen, wenn der Roman hoffentlich bald auf die Bühne gebracht würde.« (Marcus Böhm auf KulturErnten)

Neuigkeiten
Nominierung für Arnarsson

Thorleifur Örn Arnarsson ist mit seiner Inszenierung DIE EDDA (Staatsschauspiel Hannover) in der Kategorie »Regie Schauspiel« für den Theaterpreis »Der Faust« nominiert. Wir drücken die Daumen!

Die nächsten Premieren

Jan-Christoph Gockel, der soeben mit »Der Untertan« am Staatstheater Dresden reüssierte, wartet in dieser Spielzeit mit drei Wiederaufnahmen auf: in Mainz werden seine Stücke RAMSTEIN AIRBASE und »Grimm« wiederaufgenommen. In Frankfurt wird seine Inszenierung »Die Verwandlung« weiterhin gezeigt, während in Dresden seine Stückentwicklung »Parole Kästner!» weiterhin auf dem Spielplan steht. In Berlin beginnt an diesem Wochenende sowohl für Thom Luz (»Alte Meister« am DT) als auch Kay Voges und seinen Co-Autor Alexander Kerlin (»Die Parallelwelt« am BE) die neue Saison, während am Theater Basel PeterLichts TARTUFFE ODER DAS SCHWEIN DER WEISEN uraufgeführt wird. Das Schauspiel Köln hat Olga Bachs Stück DIE VERNICHTUNG in der UA-Produktion des Theaters Bern und in der Regie von Ersan Mondtag übernommen, die Premiere findet am 22. September statt. Am 28. September wiederum feieren Milo Rau (»Lamb Gods« am BT Gent), Christian Weise (»Die Räuber« am Nationaltheater Mannheim) und Ulrich Rasche (Frankfurter Premiere von »Die Perser«) zeitgleich Premiere. Beschlossen wird der Premieren-September von Marco Štorman, der am 29.9. am Theater Bonn »Die Orestie« zeigt.

Europäischer Theaterpreis für Rau

Milo Rau erhält im November in St. Petersburg den Europe Prize Theatrical Realities. Das gab die Trägerinstitution der von der EU-Kommission verliehenen Preise, Premio Europa per il Teatro, via Twitter bekannt. Ob Rau jedoch nach Russland reisen kann, ist fraglich: seit den "Moskauer Prozessen" verfügt Rau über keine Einreisegenehmigung nach Russland mehr. Einladungen u. a. ans "Golden Mask" Festival und an die "Manifesta X" waren an Visa-Problemen gescheitert; für ein Gastspiel der Produktion "Mitleid" im Jahr 2017 konnte Rau ebenfalls nicht nach St. Petersburg reisen.

Falk Richter ist Regisseur des Jahres

Das von Falk Richter am Deutschen Schauspielhaus Hamburg uraufgeführte Jelinek-Stück "Am Königsweg" begeisterte nicht nur Presse und Publikum, es überzeugte auch die über 40 Kritiker*innen bei der Kritikerumfrage von Theater heute in gleich vier Kategorien: Stück des Jahres, Inszenierung des Jahres, Kostümbildner des Jahres (Andy Besuch) und Schauspieler des Jahres (Benny Claessens). Damit ist Falk Richter auch Regisseur des Jahres. Das habe es laut Chefredaktuer Franz Wille so noch nie geben: keine Inszenierung hat jemals in vier Kategorien die höchste Anzahl an Nennungen bekommen. Wir gratulieren herzlich! Derweil begeistert Richters Inszenierung SAFE Kritiker und Publikum am Royal Dramaten gleichermaßen. Die Aufführung eröffnete das Bergman Festival im Jubiläumsjahr: "Ein Drama, das besser geeignet ist, das Festival zu eröffnen, ist schwer zu finden." (Kulturmagasinet Kulturbloggen). Auch andere Kritiker zeigten sich begeistert und sprachen von einem "spannenden, dystopischen Start" des Festivals gar von einer Katharsis für unsere Zeit (Svenska Dagbladet). SAFE beschreibt die conditio humana der westlichen Gesellschaft, die sich im Angesicht der aktuellen Ereignisse im permanenten Ausnahemzustand befindet. In seiner choreografischen Uraufführung verschiebt Falk Richter< mit internationalen Tänzer*innen und Schauspieler*innen aus dem Ensemble Dramaten die Grenzen des Theaters, in einem massiven Fluss, der Video, Text, Tanz und Musik integriert.

Jan-Christoph Gockels furioser »Untertan« in Dresden

Mit einer Bühnenadaption von Heinrich Manns Roman »Der Untertan« startete Jan-Christoph Gockel gemeinsam mit seiner Bühnenbildnerin Julia Kurzweg am Staatstheater Dresden furios in die neue Spielzeit.  Die Dresdner Neuesten Nachrichten schreiben: »Gockel zeichnet eine Groteske. Verdienter langer Applaus und der Wunsch, daß diese Inszenierung einige Jahre als Dresdner Meilenstein überlebt«. Im Vorjahr hatte Gockel mit seinem Abend über das Leben Erich Kästners (»Parole Kästner!«) an gleicher Stelle für einen theatralen Blockbuster gesorgt. Im Anschluss reisen Gockel & Team nach Burkina Faso, um, inspiriert von »Dantons Tod« und unter dem Titel »Die Revolution frisst ihre Kinder!« ein neues Stück zu realisieren. Als Koproduzenten sind das Schauspiel Graz und das Africologne Festival mit von der Partie. 

The Year of the Licht

PeterLicht ist wieder da und diesmal so richtig, denn: Eine Gesellschaft ohne PeterLicht kann überleben, aber nicht lange. Nach biblischen 7 Dürrejahren erscheint endlich ein neues Studioalbum des Universalkünstlers, und seine Stimme wird mehr denn je gebraucht in diesen Zeiten der globalen Groteske. Beinahe sehnsüchtig erinnern wir uns daran, als der Kapitalismus noch ein Schlawiner war und man sein iPhone an der Biegung des Flusses begrub. Unter dem Titel WENN WIR ALLE ANDERS SIND erscheint in diesem Herbst das lang ersehnte neue Studio-Album des Musikers und Autors. Bevor es im Oktober auf eine erste Club-Tour geht, können wir PeterLichts großartige Kapriolen erneut auf dem Theater sehen. Für das letzte Basler Jahr unter Andreas Beck hat PeterLicht mit TARTUFFE ODER DAS SCHWEIN DER WEISEN seine inzwischen dritte Molière-Überschreibung vorgenommen, die - erneut in der Regie von Claudia Bauer - am 14. September uraufgeführt wird.