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theater und medien

WENN WIR ALLE ANDERS SIND

Neues Album von PeterLicht

Unter dem Titel WENN WIR ALLE ANDERS SIND (Tapete Records) erscheint am 19. Oktober sowie nach biblischen 7 Dürrejahren endlich ein neues Studioalbum des Universalkünstlers PeterLicht, denn: eine Gesellschaft ohne ›Licht‹ kann überleben, aber nicht lange. Tatsächlich wird seine Stimme mehr denn je gebraucht in diesen Zeiten der globalen Hyperperformance. Beinahe sehnsüchtig erinnern wir uns daran, als der Kapitalismus noch ein Schlawiner war und man sein iPhone an der Biegung des Flusses begrub. Die Zeit hat Gas gegeben, PeterLicht hat sie in alten Schuhen überholt. Es ist an der Zeit, neue Hymnen zu singen!

PeterLicht stellt sein neues Album live vor, u.a. am 20.10. // Frankfurt (Mousonturm), 21.10. // München (Feierwerk), 22.10. // Köln (Gloria), 24.10. // (Hamburg (kampnagel), 24.11. // Essen (Zeche Karl), 13.12. // Konstanz (Kulturladen), 14.12. // Schorndorf (Club Manufaktur), ...

Nach DER GEIZIGE und DER MENSCHEN FEIND hat PeterLicht mit TARTUFFE ODER DAS SCHWEIN DER WEISEN zu Beginn der neuen Theatersaion einen dritten Molière überschrieben. Sein Tartuffe ist schenkelklopfende Komödie und feingliedrige Gesellschaftsanalyse gleichermaßen geworden. Er macht genauso schwindelig wie das moderne Leben selbst. Immerhin darf man noch laut lachen, bevor es den Bach runtergeht.

Claudia Bauer brachte das Stück im September am Theater Basel zur Uraufführung. Deutschlandfunk sieht in Licht und Bauer »ein starkes Duo, deren Gesellschaftskritik sitzt«, der BR nannte PeterLicht anlässlich der Premiere seines »Menschenfeindes« im Vorjahr einen »Lichtblick am Deutschen Stadttheater«.

Tatsächlich bedient sich PeterLicht Molières Tableau, um in meisterhaften, sprachirren Kaskaden eine Gesellschaft zu portraitieren, die sich in wahnwitzigem Oberflächentempo keinen Millimeter voranbewegt. Nichts, das nicht problematisiert, in Frage gestellt, in sein Gegenteil verkehrt, verschleiert, behauptet und wieder behauptet würde. Aber ein Verstehen gibt es nicht. Das Reden ist zu einem Gott geworden, und in ihm wohnt nichts als Leere. Seine Religion ist der Fake, der sich amüsiert selbst die Maske vom Gesicht reißt – denn er ist längst kein Geheimnis mehr und keine Sensation. 

Christopher Rüping im antiken Rausch

An den Münchner Kammerspielen ist Christopher Rüping mit einer zehnstündige Inszenierung tief in die griechische Antike abgetaucht und hat »Dionysos Stadt« zu einem großen Theatererlebnis werden lassen. Maximillian Sippenauer schreibt für nachtkritik: »... Es geht um den Verfall des Menschengeschlechts, vor allem aber um das Motiv des Schicksalhaften. Dieses Ausgeliefertsein an einen höheren Plan inszeniert Rüping am cleversten. Etwa wenn Kahnwald in seinem Prolog, der ja nur Organisatorisches und ein paar Eckpunkte ankündigen will, prophezeit, daß es irgendwann stage diving geben werde, man aber dann doch völlig überrascht ist, wenn er und Wiebke Mollenhauer nach einer Goethe-Ballade in die Menge hüpfen. Das kommt der originär griechischen Erfahrung eines Orakelspruchs, der sich erfüllt, schon sehr nahe. Solche Momente sucht Rüpings Projekt: spezifisch antike Theatererfahrungen, die nur dann einsetzen, wenn man sich diesem Ort über eine gewisse Zeit und in einer gewissen Art ausliefert. Dionysos Stadt forciert das, was Nietzsche als Rausch bezeichnete und wonach Wagner seinen Opernbegriff konzipierte, nur ohne alle Intellektualismen und schwülstiges Pathos.«

Jessica Glause entwickelt Stück am Volkstheater Wien

Jessica Glause arbeitet derzeit unter dem Titel »Werte Familie« an einem neuen Stück, das sie für das Wiener Volkstheater vor Ort entwickelt und mit dem sie am 24. Oktober Premiere und Uraufführung feiern wird. Ausgehend von Gesprächen mit den beteiligten Schauspielern über ihre eigenen privaten Konstellationen soll auf der Bühne das Portrait einer unheiligen Familie als Abbild eines vielfältigen Sozialkosmos entstehen, der Familie heute ist. Im bu?rgerlichen Zeitalter das herrschende Ideal zur Ordnung der Geschlechterverhältnisse und als Hort des erbaulichen Privatlebens verklärt, nach 1968 kritisiert, dekonstruiert, aufgelöst und variiert, feiert sie zur Zeit ein fröhliches Comeback. Die heilige Familie spukt durch die politischen Diskurse und untermauert jedes Argument, das in ihrem Namen vorgetragen wird, ihre Nennung beschert jeder Talkrunde eine besinnliche Sekunde, sie spannt den Sinnhorizont einer Gesellschaft auf, die mangels anderer Ideen in Begeisterung fu?r die Abstammungsgemeinschaft ausbricht. Nach dem Auftakt in Wien wird Jessica Glause am Schauspiel Frankfurt David Grossmanns Roman »Eine Frau flieht vor einer Nachricht« in einer gemeinsamen Dramaturgie mit Alexander Leiffheidt auf die Bühne bringen. Im Frühjahr 2019 kehrt sie nach den musikalischen Stückentwicklungen MOSES und NOAH ein drittes mal an die Bayerische Staatsoper zurück, um dort wieder mit einem jungen und internationalen Ensemble zu arbeiten.

Teresa Präauers »Oh Schimmi« auf der Bühne

»Teresa Präauer hat einen formvollendet freien Roman geschrieben, verrückt, verstörend, sehr komisch und auch tragisch«, schrieb die Zeit über den 2016 im Wallstein Verlag (Göttingen) erschienenen Roman OH SCHIMMI. Teresa Präauer ist nach den Romanen »Für den Herrscher aus Übersee«, »Johnny und Jean« und »Oh Schimmi« in der Literatur keine Unbekannte mehr. Nun hat auch das Theater das große Talent der in Wien lebenden Autorin und bildenden Künstlerin für sich entdeckt. Im vergangenen Frühjahr kam mit EIN HUND NAMENS DOLLAR Präauers erster Bühnentext am Schauspiel Frankfurt zur Uraufführung. Dort wird man die Zusammenarbeit in der Spielzeit 2019/20 mit einer weiteren Uraufführung fortsetzen. In der Zwischenzeit wird der eingangs erwähnte Roman OH SCHIMMI mit Premiere am 20. September am Theater Kosmos in Bregenz uraufgeführt, bevor die Inszenierung im Rahmen einer Koproduktion weiter ans Schauspielhaus Wien zieht. OH SCHIMMI ist ein Liebesreigen, eine Taugenichts-Geschichte, gemacht aus den Elementen, Bildern und Codes des 21. Jahrhunderts und wurde bereits bei Bachmann-Festival 2015 frenetisch von Publikum und Jury abgefeiert. »Voran getrieben wird Teresa Präauer dabei von einem ähnlichen Wortsog wie der frühe Peter Handke der Sechziger oder einem Rainald Goetz der Achtziger Jahre. Was bleibt ist ein energiereicher, auf Performance angelegter Text, der mehr noch für das Theater als zur Lektüre geeignet wäre.« (Marcus Böhm auf KulturErnten)

Neuigkeiten
PeterLicht: Video-Premiere

Die Single »Menschen« ist erster Vorbote zum neuen Studio-Album von PeterLicht. WENN WIR ALLE ANDERS SIND erscheint am 19. Oktober (Tapete Records). Ab heute kann man auf den Seiten der Fachzeitschrift Musikexpress das dazugehörige Video sehen. Aufwändig produziert wandelt PeterLicht durch eine Virtual-Reality-Animationswelt. Viel Spaß damit!

Aspekte-Literaturpreis für Bettina Wilperts »Nichts, was uns passiert«

Bettina Wilpert erhält für ihr Romandebüt »Nichts, was uns passiert« (Verbrecher Verlag, Berlin, 2018) den Aspekte-Literaturpreis 2018. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis ist die bedeutendste Auszeichnung für deutschsprachige Erstlingsprosa. Wir gratulieren sehr herzlich! schaefersphilippen vertritt im Namen des Verbrecher Verlages die Bühnenaufführungsrechte an »Nichts, was uns passiert«. In der Begründung der Jury heißt es: »Bettina Wilpert hat für ihr Romandebüt ein äußerst schwieriges Sujet gewählt: Sie begibt sich auf die Spurensuche einer Vergewaltigung. Was hat sich in jener Partynacht zwischen den Studenten Anna und Jonas ereignet? War es richtig, daß Anna sich irgendwann entscheidet, Jonas anzuzeigen? Oder ist Jonas doch unschuldig? In einer Art Vernehmungsprotokoll lässt Bettina Wilpert nicht nur Anna und Jonas sprechen, sondern auch Freunde, Kollegen, Familienangehörige, die in der Beschreibung des Geschehens immer auch etwas über sich selbst verraten. Bei all dem ist Bettina Wilpert eine beeindruckend souveräne Erzählerin, die in knapper, manchmal lakonischer, aber immer zielsicherer Sprache ihren Stoff konzentriert zu arrangieren weiß. Die Handlung ist mit langem Spannungsbogen erzählt. Alle Figuren dürfen der Geschichte angemessen ambivalent und widersprüchlich sein. Die Autorin gibt einem nicht zuletzt durch #MeToo drängend gewordenen Thema unserer Zeit eine literarische Stimme. Dabei gelingt ihr das Kunststück, sich auf keine Seite zu schlagen, und das tut sie in einer stilistisch einzigartigen und konsequenten Weise, die preiswürdig ist.«

Nominierung für Arnarsson

Thorleifur Örn Arnarsson ist mit seiner Inszenierung DIE EDDA (Staatsschauspiel Hannover) in der Kategorie »Regie Schauspiel« für den Theaterpreis »Der Faust« nominiert. Wir drücken die Daumen!

Milo Rau: Großer Auftakt in Gent

Mit seiner Inszenierung LAM GODS hat Milo Rau seine Intendant am NT Gent  eröffnet. Dorothea Marcus kommentiert auf nachtkritik: »Es ist ein großer Aufschlag, der Milo Rau an diesem Abend in Gent gelingt, eine grandiose Idee: Stadtbürger, aufs Perfekteste multi-coloured, in einem Abend um ein kulturelles, identitätsstiftendes Herzstück ihrer Stadt zusammenzubringen – und dann noch als Künstler darüber nachzudenken, was alles darstellbar ist, wo die Grenzen verlaufen, und ob Darstellung an sich überhaupt noch reicht, um die Welt zu verändern.«<

Europäischer Theaterpreis für Rau

Milo Rau erhält im November in St. Petersburg den Europe Prize Theatrical Realities. Das gab die Trägerinstitution der von der EU-Kommission verliehenen Preise, Premio Europa per il Teatro, via Twitter bekannt. Ob Rau jedoch nach Russland reisen kann, ist fraglich: seit den "Moskauer Prozessen" verfügt Rau über keine Einreisegenehmigung nach Russland mehr. Einladungen u. a. ans "Golden Mask" Festival und an die "Manifesta X" waren an Visa-Problemen gescheitert; für ein Gastspiel der Produktion "Mitleid" im Jahr 2017 konnte Rau ebenfalls nicht nach St. Petersburg reisen.

Falk Richter ist Regisseur des Jahres

Das von Falk Richter am Deutschen Schauspielhaus Hamburg uraufgeführte Jelinek-Stück "Am Königsweg" begeisterte nicht nur Presse und Publikum, es überzeugte auch die über 40 Kritiker*innen bei der Kritikerumfrage von Theater heute in gleich vier Kategorien: Stück des Jahres, Inszenierung des Jahres, Kostümbildner des Jahres (Andy Besuch) und Schauspieler des Jahres (Benny Claessens). Damit ist Falk Richter auch Regisseur des Jahres. Das habe es laut Chefredaktuer Franz Wille so noch nie geben: keine Inszenierung hat jemals in vier Kategorien die höchste Anzahl an Nennungen bekommen. Wir gratulieren herzlich! Derweil begeistert Richters Inszenierung SAFE Kritiker und Publikum am Royal Dramaten gleichermaßen. Die Aufführung eröffnete das Bergman Festival im Jubiläumsjahr: "Ein Drama, das besser geeignet ist, das Festival zu eröffnen, ist schwer zu finden." (Kulturmagasinet Kulturbloggen). Auch andere Kritiker zeigten sich begeistert und sprachen von einem "spannenden, dystopischen Start" des Festivals gar von einer Katharsis für unsere Zeit (Svenska Dagbladet). SAFE beschreibt die conditio humana der westlichen Gesellschaft, die sich im Angesicht der aktuellen Ereignisse im permanenten Ausnahemzustand befindet. In seiner choreografischen Uraufführung verschiebt Falk Richter< mit internationalen Tänzer*innen und Schauspieler*innen aus dem Ensemble Dramaten die Grenzen des Theaters, in einem massiven Fluss, der Video, Text, Tanz und Musik integriert.