KontaktImpressum
theater und medien

5 out of 10 - Bämm!!!

Die Hälfte aller Einladungen zum diesjährigen Theatertreffen geht an von schaefersphilippen™ vertretene Künstler.

Beschwingt und hoch erfreut gratulieren wir an dieser Stelle den tt-Debütanten Kay Voges und Ulrich Rasche sowie Ersan Mondtag, Thom Luz und Milo Rau, die jeweils zum zweiten Mal nach Berlin reisen!

Thom Luz, 2015 mit seiner Bühnenbearbeitung von Judith Schalanskys ATLAS DER ABGELEGENEN INSELN nach Berlin geladen, ist mit der poetisch betörenden und anrührenden Inszenierung seines eigenen Textes TRAURIGE ZAUBERER mit von der Partie. »Selten Schöneres gesehen« hieß es bei nachtkritik zur Produktion des Staatstheaters Mainz. Thom Luz, Nachwuchsregisseur des Jahres 2014, hat soeben am Theater Basel mit seiner jüngsten Produktion INFERNO Premiere gefeiert.

Ersan Mondtag gehörte bereits 2016 mit seinem Stück TYRANNIS zu den 10 bermerkenswertesten Produktionen des Jahres, wie es beim Theatertreffen heißt. In der Zwischenzeit kürte ihn das Magazin Theater Heute zum Nachwuchskünstler des Jahres in den Kategorien Regie, Bühnen- und Kostümbild. In diesen drei Bereichen glänzte Mondtag auch bei seiner Produktion DIE VERNICHTUNG (Theater Bern) nach einem Stück von Olga Bach, die nun in Berlin gezeigt wird.

Ulrich Rasche ist mit seiner Inszenierung DIE RÄUBER (Residenztheater München) eingeladen, über die Christine Dössel in der SZ schrieb: »Rasches ›Räuber‹-Unternehmung ragt steil und gesamtkunstwerklich kühn aus dem Normalspielbetrieb heraus«. Die nachtkritik staunt: »Kurz: Groß.«

Milo Rau ist nach der 2012er Einladung mit HATE RADIO in diesem Jahr mit seinem Stück FIVE EASY PIECES in Berlin vertreten. Das bereits in über 10 Ländern aufgeführte sowie an zahlreichen Spielorten zensierte Stück, in dem Kinder die Verbrechen des Pädophilen Marc Dutroux nachspielen, regte eine internationale Debatte über die Grenzen der Kunst und die Kraft des Theaters an. Die SZ kommentierte zur Uraufführung: »Gleichzeitig atemberaubend, analytisch klar und grauenvoll. Die Inszenierung ist der seltene Fall eines Theaterabends, der auf angenehme Weise wehtut und dabei etwas leistet, was man früher Katharsis nannte.«

Kay Voges, der in Dortmund seit Beginn seiner dortigen Intendanz an der ästhetischen und medialen Modernisierung des Stadttheaters arbeitet, reist mit der »philosophischen Welt-Installation« (nachtkritik) DIE BORDERLINE PROZESSION an. Die SZ jubelte: »Größenwahnsinnig und grandios, inspirierend und erschlagend zugleich. Als eine Reflexion über eine Theaterästhetik des Internetzeitalters setzt der Abend definitiv einen Standard.«

Die aktuellen und nächsten Produktionen der Eingeladenen: INFERNO von Thom Luz, Theater Basel // PARADISO von Thom Luz, Mai 2017, Theater Basel // SIEBEN GEGEN THEBEN/ANTIGONE von Ulrich Rasche, Schauspiel Frankfurt // 120 TAGE VON SODOM von Milo Rau, 10.2.2017, Schauspielhaus Zürich // HELL. EIN AUGENBLICK von Kay Voges, 11.2.2017, Theater Dortmund // ANTIGONE von Ersan Mondtag, 17.2.2017, Maxim Gorki Theater, Berlin

Auswahl für das nachtkritik-Theatertreffen 2017

Ein tolles Jahr: Von 50 nominierten Produktionen sind 10 unter Beteiligung von uns vertretener Künstler*innen entstanden: Nora Abdel-Maksoud, Marie Roth, Jan-Christoph Gockel, Thom Luz, Ersan Mondtag, Ulrich Rasche, Milo Rau und Kay Voges wurden ausgewählt. Zu den letztendlich 10 ausgewählten Inszenierungen zählen weiterhin vier Produktionen mit schaefersphilippen-Beteiligung. Wir gratulieren Ulrich Rasche (DIE RÄUBER, Residenztheater München) zum zweiten Platz, dicht gefolgt von Kay Voges, dessen BORDERLINE PROZESSION den dritten Platz belegt. Die Plätze 4 und 7 gehen beide an Milo Rau für dessen Produktionen FIVE EASY PIECES und EMPIRE. Herzlichen Glückwunsch everybody! Nachtkritik äußert sich zu den Entscheidungen für Rasche, Rau und Voges wie folgt: »Als "elektrisierend, kirremachend und reinigend. Kurz: Groß!", hat Nachtkritikerin Sabine Leucht den Münchner »Räuber«-Abend von Ullrich Rasche beschrieben. Als ausgesprochen nah an den verwickelten, typisch zeitgenössischen Konflikten zwishcen Ethik und Politik, Ästhetik und moralischem Anspruch wurden vielfach die beiden Milo-Rau-Abende EMPIRE und FIVE EASY PIECES gelobt. Überhaupt finden gerade auch Abende Zustimmung, die sich den großen gegenwärtigen Fragen stellen, etwa nach den Geisteszuständen der Bewohner des digitalen Zeitalters wie in Kay Voges' Dortmunder Inszenierung DIE BORDERLINE PROZESSION.

»Meisterwerk über Rechtsradikalismus«

In seinem rasant erzählten Roman NATIONALSTRASSE bringt der 1972 geborene Jaroslav Rudiš das Kunststück zuwege, einen Schläger und Säufer fast 150 Seiten lang schwadronieren zu lassen und trotzdem echtes Mitgefühl für ihn zu wecken. »Wie Rudiš das zuwege bringt, im Monster den Menschen zu entdecken«, schreibt die NZZ, »das macht die Lektüre seines Romans, der sich in einer dramatisierten Fassung wohl auch bestens auf der Bühne bewähren würde, so aufregend.« Als Autor, Dramatiker, Publizist und Musiker hat Jaroslav Rudiš zahlreiche tschechische und deutschsprachige Romane, Hörspiele, Theaterstücke und Drehbücher verfasst. Die Geschichte Mitteleuropas und die Geister der Vergangenheit sind immer wieder Gegenstand von Rudiš' Werken. Zusammen mit dem Grafiker Jaromír 99 schuf er die erfolgreiche Comictrilogie »Alois Nebel«. Die gleichnamige Filmadaptation feierte große internationale Erfolge, gewann 2012 den Europäischen Filmpreis (Kategorie: Bester Animationsfilm) und lief 2013 in den deutschen Kinos an. Sein bei Luchterhand auf deutsch erschienener Roman NATIONALSTRASSE eignet sich tatsächlich hervorragend für eine bühnenmäßige Umsetzung. Rudiš erzählt von einem brutalen Kneipenschläger, der nur allzu gern mit dem »römischen Gruß« provoziert und sich als letzter Europäer begreift. Ein meisterhafter Einblick in die Untiefen des Rechtsradikalismus' ist Rudiš da gelungen. Das Theater Bremen bringt die Deutschsprachige Erstaufführung am 29. Januar 2017 auf die Bühne.

Weise: politisches Korrektiv durch Komik

Christian Weise ist ein genialistischer Komödienspezialist; zuletzt hat er der Komik eher unverdächtige Stoffe - Shakespeares OTHELLO am Maxim Gorki Theater - auf ihr verborgenes komödiantisches Potential abgeklopft. Mit seiner aktuellen Arbeit am Theater Augsburg ist er nun einen Schritt weitergegangen, in dem er mit Goethes FAUST das deutsche Bildungsbürger-Kanon-Werk par excellence zum Reenactment freigibt. Ausgehend von der legendären Theater-Verfilmung mit Gustaf Gründgens ist in Augsburg eine erstaunliche Inszenierung entstanden. Der Bayerische Rundfunk kommentiert: »Christian Weise inszeniert Goethes ›Faust‹ mit Video-Loops der legendären Theater-Verfilmung mit Gustaf Gründgens als Mephisto. Die Schauspieler des Augsburger Ensembles imitieren all dies, die Bewegungen, die Blicke, das Sprechen. Sie wiederholen Vorgegebenes. die Bühne wird zu Echoraum, in dem das Ich ins Bodenlose stürzt. Weise inszeniert nicht die Gelehrten-Tragödie, sondern treibt ein zersetzendes Spiel mit den Medien. Eine filmisch theatrale Bildermaschine ist da am Werk. Daß nun diese lustvollen aber auch zwanghaft ausagierten Wiederholungen, Loops und Verschiebungen nicht einfach im ironischen Spiel steckenbleiben, macht den Abend so vielschichtig und klug. Zum einen hat ja in jeder Wiederholung auch die Störung eine Chance. Zum anderen stellt Weise auch immer wieder die Frage nach Politik, Engagement und Verantwortung, etwa,wenn er ein Interview mit Gründgens nachspielen lässt, in dem dessen Opportunismus in der NS-Zeit Thema wird. Die Lust politisch zu werden, zu handeln, statt im ironischen Relativismus hängenzubleiben, also die Suche nach dem Grund hinter den Bildern sind bei Weise Motor der Auseinandersetzung mit dem Stoff.« 

Neuigkeiten
Die nächsten Premieren

23.2., THE COCKA HOLA COMPANY von Matias Faldbakken, Werk X, Wien // 1.3., EMPIRE, Milo Rau, Théatre Nanterre // 3.3., NO FUTURE FOREVER, Marco Štorman, Theater Luzern // 3.3., DER AUFTRAG: DANTONS TOD, Jan-Christoph Gockel, Schauspielhaus Graz // 14.3., PETERLICHT, lit.Cologne // 17.3., GEHEN UND BLEIBEN, Maxi Obexer, Hans Otto Theater Potsdam

ZEIGENPortrait zu Mondtag

Die Frankfurter Rundschau hat Ersan Mondtag portraitiert.

Milo Raus 120 Tage in Zürich

Kann man mit behinderten Schauspielern den wohl umstrittensten Film der Filmgeschichte auf die Bühne bringen? Gemeinsam mit dem Theater HORA, das in weltweit gefeierten Inszenierungen die Behinderung seiner Schauspieler zum Thema macht, schließen Milo Rau und das Schauspielhaus Zürich mit »Die 120 Tage von Sodom« an Raus Produktion FIVE EASY PIECES an. Das in bisher 10 Ländern aufgeführte und an zahlreichen Spielorten zensierte Stück, in dem Kinder die Verbrechen des Pädophilen Marc Dutroux nachspielen, regte eine internationale Debatte über die Grenzen der Kunst und die Kraft des Theaters an. Nun führt Milo Rau seine Untersuchung nach den Grenzen des auf der Bühne Ertrag- und Darstellbaren weiter, ausgehend von Pasolinis Skandalfilm »Salò oder die 120 Tage von Sodom«. Dabei stellen sich grundsätzliche gesellschaftliche und künstlerische Fragen: Was heißt Macht, was Voyeurismus? Wie ist es um die Würde des Lebens bestellt? Was ist normal, was abartig? Wo endet der Schmerz – und wo beginnt die Erlösung? Zu den Schauspielern des HORA-Ensembles stoßen Darsteller des Schauspielhauses Zürich: Robert Hunger-Bühler, Michael Neuenschwander, Dagna Litzenberger Vinet und Matthias Neukirch. Die Uraufführung findet am 10. Februar am Schauspielhaus Zürich (Schiffbau) statt.

Klang- und Bildmagier Thom Luz

Als Hausregisseur hat Thom Luz seine Arbeit am Theater Basel mit der Uraufführung INFERNO fortgesetzt. Im Untertitel präzisiert er den Abend zu einer »Jenseitswanderung auf den Spuren von Dantes ›Göttlicher Komödie‹. Die NZZ bezeichnet Thom Luz als »Klang- und Bildmagier« und sieht ein »berückendes Live-Orchester in weissen Smokings, das wie zum Trotz phasenweise aus der Unterhölle hochgefahren werde. Bezwingend und richtig beklemmend wird der Abend im Finale. Wenn die vierte Wand sich mit einer hermetischen Plastikfolie schließt, wenn die Figuren - einsamer nie - im Nebel waten.« Nachtkritik schreibt: »In Thom Luz' Hölle muss man nicht wie bei Dante alle Hoffnung fahren lassen. Alles hüllt er zum Ende in dichten Nebel. Dante umarmt eine schlammbedeckte Gestalt, die ihm dann den Weg nach draußen weist. Lächelnd winken die Verdammten als Schemen durch einen Plastikvorhang dem weiterziehenden Dante zu.« Weiter heißt es: »Luz bietet seine humanistische Melancholie-Hölle zur Meditation über Selbstbilder, Vereinzelung und Kreisformen dar.« Mit seiner ersten Basler Arbeit unter der neuen Intendanz von Andreas Beck, LSD - MEIN SORGENKIND, wurde Thom Luz sowohl zum Heidelberger Stückemarkt als auch zu den Autorentheatertagen nach Berlin eingeladen. Im Frühjahr 2017 folgt, in Fortsetzung von INFERNO, der Anschlußabend PARADISO - und weil das auf Erden nicht zu haben ist, betitelt Luz dies zulgeich als »ewige Bauprobe«.

 

 

SZ-Kolume von PeterLicht

PeterLicht befasst sich in seiner aktuellen Kolumne in der Süddeutschen Zeitung mit der »Anranzungs-Geneigtheit unter Ehepaaren, regional geordnet«. Besondere Betrachtung finden das Rhein, -Sieger- sowie das Schwabenland.

Die NZZ interviewt Milo Rau

Anläßlich der Premiere mit »Salo - die 120 Tage von Sodom« am Schauspielhaus Zürich interviewt die NZZ Milo Rau.

Sofi Oksanen am Burgtheater

Im Auftrag des Burgtheaters Wien hat Sofi Oksanen das Kurzdrama ICH LIEBE DICH SCHON JETZT geschrieben, in dem sie die Problematik von Leihmutterschaften thematisiert. Der Text wurde nun im Rahmen des Abends EIN EUROPÄISCHES ABENDMAHL (Regie: Barbara Frey) uraufgeführt, für den auch Jenny Erpenbeck, Nino Haratischwili, Elfriede Jelinek und Terezia Mora Beiträge liefern. Die nachtkritik kommentiert Oksanens Beitrag: »Sofi Oksanen nimmt sich heraus von zwei Frauen zu schreiben. Mit viel Tiefgang erzählt sie in wenigen Zeilen von einer ukrainischen Eizellen und der englischen Eizellenkäuferin. Oksanen liefert ein starkes Bild für die Ausbeutung des weiblichen Körpers, ohne dabei das Verständnis für die Motive der Protagonistinnen aus den Augen zu verlieren.«