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theater und medien
UA: 28.9.2018, NT Gent, Regie: Milo Rau
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Synopsis

In der Eröffnungsinszenierung seiner Intendanz am NTGent nimmt sich Milo Rau des berühmtesten Gemäldes Belgiens an und rekonstruiert den Genter Altar der Brüder Hubert und Jan von Eyck aus dem 15. Jahrhundert mit Genter Bürger*innen. In Form einer Theater- und Video­installation verbindet er im "Genter Altar" wie einst die Brüder Eyck das Alltägliche mit dem Spirituellen: So wie der Altar aus verschiedenen Schichten besteht, die über­einander lagern, so wie sich das Reale mit dem Symbo­lischen mischt, werden Menschen aus Gent aus ihrem Leben erzählen.

Wann immer Deutsche oder Franzosen in Belgien ein­marschiert sind, haben sie ihn entführt, »The Monuments Men« mussten ihn suchen. Heute lockt er als Touristen­attraktion Menschen aus der ganzen Welt nach Gent, in die Kathedrale direkt neben dem Theater. Adam und Eva, Kain und Abel, Märtyer und Engel: die Motive sind christlich und spirituell. Die Gesichter der Figuren aber sind realistisch, zeigen Gesichter aus Gent.

Die Brüder van Eyck ver­ewigten ihre Mäzene und Förderer, aber auch ihre Nachbarn und Kollegen. So war eines der ersten Werke der modernen realis­ti­schen Kunst zugleich beides: dokumentarisch und mythisch, gewöhnlich und universell. In den persönlichen Geschichten der Beteiligten spiegelt sich die Gegenwart von Gent, aber auch die bewegte europäische Geschichte.

In der Rekonstruktion des Genter Altars auf der Bühne, zwischen Theater- und Videoinstallation, entsteht gleichsam ein Panorama unserer heutigen Welt zwischen Tradition und ungewisser Zukunft – und zugleich ein an das „Genter Manifest“ angelehntes Kunstwerk über die Bedeutung von Kunst und Spiritualität für das menschliche Leben.

ZEIGENMilo Rau
Milo Rau gründete 2007 die Theater- und Filmproduktionsgesellschaft IIPM. Seine Produktionen wurden zu den wichtigsten nationalen und internationalen Festivals eingeladen, u. a. Berliner Theatertreffen, Wiener Festwochen, Kunstenfestivaldesartes, Festival d’Avignon und wurden für den Prix de Soleure nominiert. Der Schweizer Tagesanzeiger nannte ihn den »meistbegehrten Regisseur dieser Tage«, das deutsche Wochenmagazin Der Freitag den »umstrittensten Theaterregisseur seiner Generation«. Nach THE CIVIL WARS und THE DARK AGES folgte im Sommer 2016 mit EMPIRE der letzte Teil der gefeierten Europa-Trilogie. Mit FIVE EASY PIECES reiste Rau erneut zum Berliner Theatertreffen. Ab der Spielzeit 2018/19 wird Rau Künstlerischer Direktor des NT Gent. Mit den Inszenierungen LAM GODS und ORESTEIA entstehen dort neue Stücke von Milo Rau, die nach ihren Genter Premieren europaweit gezeigt werden.
Neuigkeiten
Presse
nachtkritik

»Es ist ein großer Aufschlag, der Milo Rau an diesem Abend in Gent gelingt, eine grandiose Idee: Stadtbürger, aufs Perfekteste multi-coloured, in einem Abend um ein kulturelles, identitätsstiftendes Herzstück ihrer Stadt zusammenzubringen – und dann noch als Künstler darüber nachzudenken, was alles darstellbar ist, wo die Grenzen verlaufen, und ob Darstellung an sich überhaupt noch reicht, um die Welt zu verändern.«

Deutschlandfunk

»Eine behutsame, sofort auf den menschlich-emotionalen Kern abzielende Inszenierung, die sich zwar an den Bruchlinien gesellschaftlicher Konflikte bewegt, aber nichts Polemisches an sich hat. Milo Raus Spiel mit der Repräsentation, mit dem Schauen des Publikums, mit Erwartungshaltungen und Bilderklischees ist auch hier wieder zu erleben. Dieser Eröffnungsabend ist im Kern der Versuch, die von Konflikten und Spaltungen zerrissene Genter Gesellschaft mithilfe des größten Kunstwerkes der Stadt zu versöhnen. Auf dem Vorbild strömen von allen Bildrändern Menschengruppen zur Anbetung des Lammes zusammen. Pilger, Märtyrer, Apostel, himmlische und irdische Heerscharen. Und heute sollen alle Gruppen der belgischen Gesellschaft in Anschauung von Milo Raus ›Lamm Gottes‹ am NTGent zusammenfinden. Das ist natürlich größenwahnsinnig, aber Heilsbringer Milo Rau ist nun einmal beseelt von der Arbeit an den großen Menschheitsaufgaben. Vielleicht sind wir im Kosmos ganz allein, heißt es mahnend in der Einführung. Und dann geht es jetzt natürlich um alles oder nichts.«

Aufführungen

UA: 28.9.2018, NT Gent