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theater und medien
Theater, UA: 14.09.2018, Theater Basel, Regie: Claudia Bauer
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Synopsis

Tartuffe ist ein Schwein – irgendwie sogar ein sehr tatsächliches. Er grunzt und sabbert und stößt rätoromanische Gutturallaute aus. Und wenn er sich verständlich macht, dann im Jargon des geschmeidigen Verkäufers, dessen Ware die uneigentlich-esoterische Persönlichkeitsoptimierung ist. Er will Geld machen, er will manipulieren, und er gibt sich keinerlei Mühe, diesen Umstand zu vertuschen. Das muß er nicht. Denn in Orgons kleinem Hofstaat trifft er auf eine Sozialskulptur der Geschwätzigkeit, einen vielköpfigen Gelee-Organismus mit perfekter Anpassungsfähigkeit. Man redet ohne Punkt und Komma. Man hat das Reden und Immer-Weiter-Reden zum Eigentlichen gemacht, zum Substitut für ein nicht vorhandenes Leben. Die Welt teilt sich für diese Wortkanonen in geil und ungeil, aber die Grenzen zwischen diesen Hemisphären bleiben unbestimmt, die Vorzeichen können sich beliebig verdrehen. Selbst als sich Tartuffe als der Betrüger herausstellt, der er ist, gibt es für diese Gesellschaft von rhetorischen Endlosschleifenwesen nur eine Priorität: daß es kein Problem geben soll. Alles in Ordnung.

PeterLicht bedient sich Molières Tableau, um in meisterhaften, sprachirren Kaskaden eine Gesellschaft zu portraitieren, die sich in wahnwitzigem Oberflächentempo keinen Millimeter voranbewegt. Nichts, das nicht problematisiert, in Frage gestellt, in sein Gegenteil verkehrt, verschleiert, behauptet und wieder behauptet würde. Aber ein Verstehen gibt es nicht. Das Reden ist zu einem Gott geworden, und in ihm wohnt nichts als Leere. Seine Religion ist der Fake, der sich amüsiert selbst die Maske vom Gesicht reißt – denn er ist längst kein Geheimnis mehr und keine Sensation.

Dieser Tartuffe ist schenkelklopfende Komödie und feingliedrige Gesellschaftsanalyse gleichermaßen. Er macht genauso schwindelig wie das moderne Leben selbst. Immerhin darf man noch laut lachen, bevor es den Bach runtergeht.

ZEIGENPeterLicht
Der Musiker, Liedermacher und Poet beeindruckt in unterschiedlichen Genres. Mit dem vielfach nachgespielten Text DIE GESCHICHTE MEINER EINSCHÄTZUNG AM ANFANG DES DRITTEN JAHRTAUSENDS war Licht viele Spielzeiten am Theater präsent. Für das Düsseldorfer Schauspielhaus schrieb er das Kinderstück WUNDER DES ALLTAGS, mit dem er zu den Mülheimer Theatertagen 2013 eingeladen wurde. Gemeinsam mit dem Regie-Kollektiv SEE! entstand für das Schauspiel Köln DAS SAUSEN DER WELT. Nach der Überschreibung von Molières DER GEIZIGE folgte 2016 die Adaption vom MENSCHEN FEIND in Basel. Mit TARTUFFE ODER DAS SCHWEIN DER WEISEN vollendet er seine Molière-Trilogie. Der BR bezeichnet den Autor als »Lichtblick für das deutsche Stadttheater«. Mit WENN WIR ALLE ANDERS SIND erscheint 2019 sein sechstes Studio-Album.
Neuigkeiten
Presse
Deutschlandfunk

»Claudia Bauer und PeterLicht sind ein starkes Duo, deren Gesellschaftskritik sitzt. Licht kondensiert aus all dem Seminargefasel und Campus-Gewäsch wunderschöne Neologismen und Sprach-Loops, die manchmal nerven, meistens aber lustig sind – und oft auch der pure Nonsens. Philosophie-Parodie. Dieser "Tartuffe", ist trotz diverser Leerstellen so super, daß er das Zeug zum Kultstück hat.«

Südkurier

»Peter Licht hat die betuliche Sprache des Altmeisters nicht nur zerstäubt, er hat sie komplett entsorgt und durch ein Dada-Deutsch ersetzt. Ganz großes Theater! Was noch? Hingehen!«

Aufführungen

Uraufführung

14.09.2018

Theater Basel