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theater und medien
Theater, UA: 22.6.2017, Münchner Kammerspiele, Regie: Ersan Mondtag
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Synopsis

»Sei gerecht« (Franz Kafka, In der Strafkolonie) – Seit nunmehr vier Jahren werden am Oberlandesgericht München die Morde der rechtsextremen Terrorgruppe »Nationalsozialistischer Untergrund« verhandelt. Noch ohne einen Abschluß. Doch auch wenn dieser tatsächlich einmal erfolgen sollte: Könnte die Verurteilung der Schuldigen eine Art kathartische Reinigung der Gesellschaft herbeiführen? Weisen die zahllosen, ihre Deutung erwartenden Indizien nicht vielmehr darauf hin, daß der Prozess selbst nur ein Detail in den wild wuchernden Verstrickungen einer eben nicht abschließend zuzuordnenden Schuld ist?

DAS ERBE assoziiert ausgehend von diesem Thema der Schuld eine Gemeinschaft, die der Gegenwart entfremdet ist und die alle Antworten immer in der Vergangenheit sucht. In Olga Bachs Text verständigt sich diese Gemeinschaft ausschließlich über ihr gemeinsames kulturelles Erbe, über das Archiv der deutschen Kulturgeschichte. Muß dieses Erbe gewaltsam geopfert werden für die Möglichkeit eines neuen Anfangs? Der Regisseur Ersan Mondtag, mit den Inszenierungen TYRANNIS und DIE VERNICHTUNG (ebenfalls ein Text von Olga Bach) zweimal in Folge zum Berliner Theatertreffen eingeladen, läßt in DAS ERBE mit düster-romantischer Bildgewalt die Vergangenheit zur Zukunft werden. »Die Schuld ist immer zweifellos«.

ZEIGENOlga Bach
Geboren 1990 in Berlin. Ab 2009 Hospitanzen bei Jan Pappelbaum und Andreas Kriegenburg. Von 2010 bis 2014 Studium der Philosophie und Deutschen Philologie an der Freien Universität Berlin und der Istanbul Üniversitesi, Türkei. Seit 2014 Studium der Rechtswissenschaft an der Humboldt Universität Berlin. Mit ihrem Stück DIE VERNICHTUNG wurde sie für den Mülheimer Dramatikerpreis 2017 nominiert. In der Umfrage des Magazins Theater Heute wählten die Kritiker sie zur Nachwuchsautorin 2017. Nach DAS ERBE entsteht 2019 mit DR. ALICI ein zweites Auftragswerk für die Münchner Kammerspiele. Für die Regie wird erneut Ersan Mondtag verantwortlich zeichnen.
Neuigkeiten
Presse
Abendzeitung

»Die Radikalität, mit der Mondtag hier in erstaunlichen Bildern und Tönen die eigene Verantwortung für ein Scheitern der Kunst an der Realität übernimmt, ist beeindruckend und macht ihn zu einer der interessanteren Figuren in der gegenwärtigen Theaterlandschaft.«

Deutschlandfunk

»Mondtag und Olga Bach interessierten nicht die Wiederholung der offiziellen Lesart - NSU gleich rechtsextreme Einzeltäter - , sondern die ganze Komplexität des Schuldthemas, das seit Urzeiten durch die Geschichte wabert und nicht mit einem Richterspruch getilgt wird.«

Süddeutsche Zeitung

»Im Grunde ist dieser Bühnenrausch reine Philosophie, spekulativ und sehr klug. Das Erbe, das Mondtag meint, das Erbe der Menschheit, betrachtet aus weitem Abstand zur Erde, ist immer nur eines des Bösen.«

Frankfurter Rundschau

»In der anderthalbstündigen Inszenierung verschmelzen Text, Bühne, Video und Schauspiel zu einer faszinierenden bildnerischen Decodierung unseres historisch-kulturellen Gepäcks.«

NZZ

»Rechtsradikalismus im Weltraum, muss das sein? Doch im Luftleeren agiert in Mondtags klugen Settings keiner. Mondtag will seinem Publikum eine Haltung abringen. Er ist ein wilder Hund. Ein junger wilder Hund im zarten Alter von dreissig Jahren.«

Deutschlandfunk

»Zombies, wummernde Sounds, eine nackte Beate Zschäpe als personifizierte Schuld. Mit diesem gewaltigen Bühnenkunstwerk macht Mondtag seinem Regieruf als eigenwilliger Shooting-Star alle Ehre.«

Aufführungen

Uraufführung

22.6.2017

Münchner Kammerspiele