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theater und medien
Theater, UA: 13.1.2016, Schaubühne am Lehniner Platz, Regie: Milo Rau
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Synopsis

In den vergangenen Monaten übermannte das Schicksal der Flüchtlinge ganz Europa, und es gab wohl keinen Intellektuellen oder Politiker, der sich nicht mit dem Elend der Menschen aus dem Nahen Osten und Afrika solidarisierte. Seien es die Bilder der Ertrunkenen am Mittelmeerstrand, die Bürgerkriegs- und Krankheitsopfer in Zentralafrika: Die Krisen und Unglücksfälle unserer Zeit sind allgegenwärtig in unserer Facebook-Timeline, im Fernsehen und in den Zeitungen.

Der Autor und Regisseur Milo Rau unternahm zuletzt mit seinen international gefeierten Produktionen THE CIVIL WARS (Koproduktion der Schaubühne, zu sehen bei F.I.N.D. 15) und THE DARK AGES eine »politische Psychoanalyse« Europas und inszenierte mit »Das Kongo Tribunal« einen Volksprozess im ostkongolesischen Bürgerkriegsgebiet gegen internationale Minenfirmen.

In »Mitleid. Die Geschichte des Maschinengewehrs« begibt sich Rau gemeinsam mit der Schaubühnen-Darstellerin Ursina Lardi in die politischen Brennpunkte der heutigen Zeit: auf die Mittelmeerroute der Flüchtlinge aus dem Nahen Osten und ins kongolesische Bürgerkriegsgebiet. Der halbbiographische, aus Interviews mit NGO-Mitarbeitern, Geistlichen und Kriegsopfern in Afrika und Europa gespeiste Monolog betritt dabei bewusst widersprüchliches Gelände: Wie ertragen wir das Elend der Anderen, warum schauen wir es uns an? Warum wiegt ein Toter an den Toren Europas mehr als 1000 Tote in den kongolesischen Bürgerkriegsgebieten? So ist „Mitleid. Die Geschichte des Maschinengewehrs“ nicht nur ein Nachdenken über die Grenzen unseres Mitleids – sondern auch über die Grenzen des europäischen Humanismus.

Im Rahmen des europäischen Theaternetzwerks Prospero (Schaubühne Berlin, Théâtre National de Bretagne/Rennes, Théâtre de Liège, Emilia Romagna Teatro Fondazione, Göteborgs Stadstheater, World Theatre Festival Zagreb, Athens & Epidaurus Festival)

ZEIGENMilo Rau
Milo Rau gründete 2007 die Theater- und Filmproduktionsgesellschaft IIPM. Seine Produktionen wurden zu den wichtigsten nationalen und internationalen Festivals eingeladen, u. a. zum »Berliner Theatertreffen«, zu den »Wiener Festwochen«, zum »Kunstenfestival« und zum Festival »Radikal Jung«. Seine Inszenierungen, Aktionen und Filme wurden u. a. ans Festival d’Avignon eingeladen, zum Prix de Soleure nominiert und touren durch die ganze Welt. Der Schweizer Tagesanzeiger nannte ihn den »meistbegehrten Regisseur dieser Tage«, das deutsche Wochenmagazin ›Der Freitag‹ den »umstrittensten Theaterregisseur seiner Generation«. Nach THE CIVIL WARS und THE DARK AGES folgte im Sommer 2016 mit EMPIRE der letzte Teil der gefeierten Europa-Trilogie. Mit FIVE EASY PIECES reiste Rau erneut zum Berliner Theatertreffen. Ab der Spielzeit 2018/19 wird Rau Künstlerischer Direktor des NT Gent. Zuvor entstehen mit LENIN und JEANNE D'ARC zwei neue Produktionen.
Neuigkeiten
Presse
Süddeutsche Zeitung

»Raus neuester Abend ist nicht nur eine beeindruckende Reflexion über den Umgang mit dem Leid der Anderen. Es ist zugleich eine kritische Selbstbefragung des Theaters. Im Dienste der Aufklärung wiederholt Raus Abend die von ihm kritisierten Muster, um sie offenzulegen: Den Rassismus weißer Theatermacher, bei denen schwarze Darsteller oft als Zeugen ihrer eigenen Geschichte vorkommen und nicht als vollwertige Schauspieler.«

Frankfurter Allgemeine Zeitung

»Als Autor und Regisseur bringt Rau seinen harten Stoff präzise und bewegend auf die Bühne. Wie diese kühle theatralische Lektion in Sachen Politik und Geschäft erteilt wird, ist eine unbequeme und dabei elektrisierende Herausforderung.«

Deutschlandfunk

»Ein verstörender Abend. Und hochaktueller Beitrag zu den aktuellen Debatten. Die Dinge sind nicht, was sie scheinen sollen, hinter jeder Bildebene steckt eine andere, Verborgene.«

Tagesspiegel

»MITLEID« ist ein verstörender Abend, der mit einfachen Gewissheiten aufräumt. Aufwühlend auch dank der großartigen Darstellerinnen. Das Stück ist nicht nur Anklage. Gerade wenn es die moralischen Ambivalenzen der hilflosen Helfer ausleuchtet, wird es zum Appell für Menschlichkeit.«

Berliner Zeitung

»Schrecklich ist dieser Abend und erschütternd und mit allem Vor und Danach ein erstaunliches Reflexionsspiel. Es ist der selektive Blick, das Sehen des einen und Übersehen des anderen Leids, das Rau uns in Gestalt der zynischen, sanft-rassistischen Ursina-Lardi vor Augen hält: ein wohldosierter Zynismus, den wir im Gefolge der Mainstreammedien täglich vollziehen.«

Aufführungen

Premiere Frankreich:

7.12.2015, Théâtre National de Bretagne/Rennes

Uraufführung: 16.1.2016, Schaubühne am Lehniner Platz, Berlin