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theater und medien
Theater, UA: September 2016, Theaterspektakel Zürich, Regie: Milo Rau
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Synopsis

Was heißt Flucht? Was Heimat? Wie wird das Gesicht des Neuen Europa aussehen? Mit EMPIRE bringen Milo Rau und das IIPM – International Institute of Political Murder ihre gefeierte Europa-Trilogie zum Abschluß.

Der erste, mit dem Jurypreis von »Politik im Freien Theater« ausgezeichnete Teil der Trilogie THE CIVIL WARS (2014) konzentrierte sich ausgehend von der Frage, warum junge Menschen in den Djihad ziehen, auf sehr persönliche Geschichten von 4 Schauspielern aus Frankreich und Belgien – Erzählungen vom Verlust des Vaters, von existenzieller und ideologischer Unbehaustheit. Im 2. Teil, THE DARK AGES (2015), wurde der Blick auf Südosteuropa gerichtet: auf die Belagerung Sarajevos, die serbischen Massaker und Konzentrationslager in Bosnien, das NATO-Bombardement.

EMPIRE baut auf der erfolgreichen ästhetischen Grundanordnung dieser Inszenierungen auf: mit biographischen Erzählungen, die intim und doch von tragischer Größe sind. Als Schluß- und Höhepunkt einer dreijährigen intensiven Auseinandersetzung mit Mythos und Realität Europas präsentiert EMPIRE biographische Close-Ups von Menschen, die nach Europa kommen oder an dessen Rändern leben: Flüchtlinge, Migranten, Wanderer. Inwiefern definiert sich unser Kontinent seit der Antike von seinen Grenzen her? Liegt das »eigentliche« Europa nicht in Nordafrika und im Nahen Osten?

Sind die biographischen Geschichten der Schauspieler im 1. Teil in Beziehung zu den Verlustängsten bei Tschechow und im 2. Teil zum Verfall der Dynastien bei Shakespeare gesetzt worden, so dienen im 3. Teil die großen Dramen der griechischen Antike mit ihren tragischen Schicksalen rund um das Mittelmeer als theaterhistorische Folie. Die Deutsche Welle berichtete über THE CIVIL WARS: »Ein radikales Gesellschaftsporträt, ein Tableau Europas.« EMPIRE treibt dieses Porträt weiter und vollendet es: der Europäer als homo migrans.

ZEIGENMilo Rau
Milo Rau gründete 2007 die Theater- und Filmproduktionsgesellschaft IIPM. Seine Produktionen wurden zu den wichtigsten nationalen und internationalen Festivals eingeladen, u. a. zum »Berliner Theatertreffen«, zu den »Wiener Festwochen«, zum »Kunstenfestival« und zum Festival »Radikal Jung«. Seine Inszenierungen, Aktionen und Filme wurden u. a. ans Festival d’Avignon eingeladen, zum Prix de Soleure nominiert und touren durch die ganze Welt. Der Schweizer Tagesanzeiger nannte ihn den »meistbegehrten Regisseur dieser Tage«, das deutsche Wochenmagazin ›Der Freitag‹ den »umstrittensten Theaterregisseur seiner Generation«. Nach THE CIVIL WARS und THE DARK AGES folgte im Sommer 2016 mit EMPIRE der letzte Teil der gefeierten Europa-Trilogie. Mit FIVE EASY PIECES reiste Rau erneut zum Berliner Theatertreffen. Ab der Spielzeit 2018/19 wird Rau Künstlerischer Direktor des NT Gent. Zuvor entstehen mit LENIN und JEANNE D'ARC zwei neue Produktionen.
Neuigkeiten
Presse
Neue Züricher Zeitung

»EMPIRE ist der stärkste Part der europäischen Trilogie. Das Stück erzählt von Folter, Flucht, Trauer, Tod – und Rettung durch Kunst. Es kreiert einen Erinnerungsraum, sucht nach den kulturellen Wurzeln Europas, beschwört historische und aktuelle europäische Wenden und zeigt: Vergangene Schuld wirkt weiter als Gespenst in die Gegenwart hinein. EMPIRE ist das Theater von Euripides in die Gegenwart gedacht.«

Tagesanzeiger

»Das kann nur Milo Rau: so berühren, daß unsere Manipulationsantennen zu zittern beginnen und dann einknicken; so geschichtsprall und geschichtenprall, so singend und stumm, daß man sich geschlagen gibt. Erzählen, Zuhören, Mitschaudern: Darauf läuft Theater hinaus. In der Potenz von EMPIRE ist das schrecklich schön; und klassisch. Rau hat seine Ästhetik des kathartischen Nacherzählens zur Perfektion gebracht.«

Stuttgarter Nachrichten

»Eine dramatische, grandiose, bewegende, auf ihre Art sogar beglückende Produktion. Es zählt das gesprochene Wort, denn Milo Rau braucht keinen Schnickschnack, um das Publikum zu fesseln. Raus glorios beendete "Europa-Trilogie" besticht durch etwas anderes: Sie ist eine Schule der Empathie. Die mit Detailfülle ausgebreiteten Leben sind so aufregend und anrührend, so unerwartet in ihren Wendungen, so groß in ihrem Schmerz, so tief in ihrer Menschlichkeit, daß man ihnen als Zuschauer atemlos und gebannt folgt.«

Neues Deutschland

»Dank cleverer Dramaturgie kristallisiert sich aus dem Persönlichen so etwas wie eine innere Geschichte Europas heraus. Und die macht es – ohne die europäischen Bürger moralisch verurteilen zu müssen – dem Zuschauer unmöglich, die eigene Mitverantwortlichkeit für die global sich verheerend auswirkende Gestalt dieses so mächtigen Kontinents zu verdrängen. Indem sich intensiv fremde Leben präsentieren, fällt der Blick ebenso intensiv zurück – auf den Einzelnen und dessen Beziehung zur Welt. Was kann Theater mehr erreichen wollen als das?«

Tagesspiegel

Milo Rau hat mit EMPIRE die Messlatte für die neue Theatersaison gleich erfreulich hoch gelegt. Wie die Darsteller mit dem Verhältnis zwischen ihrer biografischen und ihrer Bühnenrollen-Identität spielen, das gelingt hier komplexer als an vielen vergleichbaren Theaterabenden.«

Aufführungen

Uraufführung: August 2016, Theaterspektakel Zürich