KontaktImpressum
theater und medien
Theater, Performances
Zitate

»Auftrag : Lorey legen die Brüche in unserer Welt offen, die wir im Alltag aus pragmatischen Gründen übersehen und überhören müssen.«

(Gerald Siegmund)

»Alle Parameter eines Theaterabends sind von diesem Regieteam grundlegend auf den Prüfstand gebracht, und vieles von dem, was eine Aufführung definiert, wird hier in Frage, wenn nicht auf den Kopf gestellt.«

(Heiner Goebbels über WMF)

Person

Stefanie Lorey und Bjoern Auftrag trafen sich am Institut für Angewandte Theaterwissenschaft in Giessen. Seit 2001 realisieren sie - neben anderen Arbeiten in unterschiedlichen Gruppierungen - Projekte, die sich an der Grenze zwischen Performance und installativer Kunst bewegen. Ausgangspunkt bildet ein jeweils vor Ort vorgefundenes bzw. recherchiertes Material, das sich während der Arbeit an der Präsentation ständig verändert und zunehmend komplex erscheint. Die Arbeiten zeichnen sich durch eine übersichtlich gestaltete formale Struktur aus, die dem Unvorhergesehenen, dem Unberechenbaren, den jeweils gegenwärtigen regionalen und individuellen Idiosynkrasien als Spielraum dient.

Für Peter Michalzik (Frankfurter Rundschau) hat das Regie-Duo Björn Auftrag und Stephanie Lorey mit HORROR VACUI eindrucksvoll bewiesen, "daß sie Spezialisten für den anderen Zustand sind". Ihr Abend über das Sterben steuere "direkt und schnörkellos auf die Essenz des Dramatischen zu".


Stefanie Lorey (geboren 1974 in Bingen am Rhein) studierte zunächst in Köln, dann in Giessen, wo sie ihr Studium 2005 als Diplom-Theaterwissenschaftlerin abschloß.
Neben der Realisation von eigenen Arbeiten im Bereich Hörspiel, Theater und Performance, assistierte sie bei diversen Hörspielproduktionen sowie bei Heiner Goebbels Uraufführung der Oper »Landschaft mit entfernten Verwandten« am Grand Théâtre de Génève.


Bjoern Auftrag (geboren 1973 in Ruit auf den Fildern) studierte zunächst in Göttingen und Berlin, bevor er in Giessen das Studium der Angewandten Theaterwissenschaft aufnahm und 2005 als Diplomtheaterwissenschaftler abschloß. Neben seiner Regietätigkeit arbeitete und arbeitet er im Bereich Sounddesign und Tonregie für diverse Tanz- und Theaterproduktionen, unter anderem für Stefan Kaegi und Saburo Teshigawara.

 

ZEIGENFortsetzung am DT Berlin

Nach der 2015er-Arbeit BACK TO BLACK, die im Auftrag des Deutschen Theaters Berlin entstand, setzen Auftrag:Lorey die Zusammenarbeit mit dem Haus unter der Leitung von Ulrich Khuon fort. Gemeinsam mit der Filmemacherin Kolja Kunt und ausgehend von ihrer Biographie begeben sich Auftrag:Lorey mit HIER UND DORT auf eine westafrikanische Spurensuche.

Werke
ZEIGENBack to Black

"Der Tod ist das Einfache. Sterben kann ein Idiot", so Heiner Müller. Ausgehend von dieser Behauptung entwickeln Stefanie Lorey und Bjoern Auftrag unter dem Titel Back to Black zusammen mit drei Ensemblemitgliedern eine Inszenierung, die sich den Konstruktionen von Todes- und Sterbedarstellungen in Literatur, auf der Bühne und Leinwand widmet.

ZEIGENBouncing in Bavaria

Erinnern stellt einen Riss im Informationskontinuum einer Welt der rasenden Bild- und Sensationswechsel dar. Erinnern bedeutet Anhalten, Absondern, Aufmerken, Sammeln und Verweilen. In ihrem neuen Projekt, das Auftrag : Lorey zusammen mit den Ensemblemitgliedern Traute Hoess und Felix von Manteuffel entwickeln, geht es um kollektive und persönliche Erinnerung, um Erlebtes, Erfundenes und den vagen Raum, der dazwischen liegt.

Goethes Wunderkammer

Stadtraumintervention

schauspielfrankfurt 2008

ZEIGEN[li`Ku`la]: Hier und Dort

Deutsches Theater, Berlin, 2017

ZEIGENHorror Vacui

Es ist kaum hundert Jahre her, da war die Wahrnehmung körperloser Stimmen sicheres Zeichen, den eigenen Wahnvorstellungen erlegen zu sein. Inzwischen sind wir umstellt von einem Arsenal körperloser Stimmen, die uns kaum mehr verunsichern oder gar erschrecken. Ausgehend von »wahnhaften« Niederschriften, welche das irritierende Auseinanderdriften von Körper und Stimme artikulieren, verwandelt das Regieduo Auftrag : Lorey das Theater in einen Wahrnehmungsapparat, der damit spielt, wovon diese Stimmen sprechen: mit der Sehnsucht nach einem Standpunkt, der weniger festlegt als auslöst; einem Körper, der weit mehr ist als das Bild, als welches er sich zeigt; einer Identität, die sich nicht in der Reduktion auf das Wesentliche erschöpft.

Standbild mit Randexistenzen

35 Minuten Fade in. 35 Menschen, die normalerweise nicht gefragt werden, kommen zu Wort. Jedem wird jeweils eine Minute Bühnenpräsenz geschenkt, die er nutzen kann, wie er will: Ideen entwickeln, (Lügen-) Geschichten erzählen, Klagelieder anstimmen, körperliche Ertüchtigung betreiben, Revolutionen anzetteln, Beichten ablegen. Als Gegenleistung bringt jeder Teilnehmer eine Lampe aus seinem Besitz mit und trägt so mit einem Stück seiner persönlichen Habe zur wachsenden Kulisse bei. Eine Möglichkeit zum Abtreten wird nicht gewährt. Nach und nach entsteht aus Worten, Lampen und Menschen ein Gruppenbild.

WMF. Wiedersehen macht Freude

Wo ist man, wenn man nicht ganz bei sich ist? Was bleibt, wenn man sich verloren glaubt? Und was empfindet man, wenn man sich wieder findet? Ist es ein Wiedersehen mit Freude oder eines mit Schrecken? Eine schamvolle Begegnung oder eine Selbstbestätigung? Zwölf Schauspieler sprechen vor zwölf Zuschauern von jenen alltäglichen Momenten, in denen beispielsweise ein Tick oder eine Marotte überhand nimmt. Nach kurzen Zeitintervallen wechselt der Schauspieler seinen Gesprächspartner und schlüpft in die Haut einer anderen Figur. Diese intime Aufführungssituation spielt zugleich mit der Essenz des Theaters: der Verwandlung eines Menschen in einen anderen und der Beobachtung dieses Vorgangs durch einen Betrachter. WMF rückt diesen Vorgang auf eine hautnah erlebbare Schwelle – ein Spiel zwischen Wiederholbarkeit und Einmaligkeit, zwischen dem Darsteller, seiner Rolle und der Wahrhaftigkeit der recherchierten Texte. Eine Sammlung selbstvergessener Orte in einem Theater von Angesicht zu Angesicht.