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theater und medien
Theater, UA: 10.5.2012, Schauspielhaus Graz, Regie: Boris Nikitin
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Synopsis

„Ich möchte lieber nicht“, sagt Bartleby der Schreiber aus Herman Melvilles gleichnamiger Erzählung, wenn er zu Tätigkeiten aufgefordert wird. Der rätselhafte junge Mann ist Kopist in einer Anwaltskanzlei. Zunächst fällt er noch durch stillen schweigsamen Fleiß und höfliche Zurückhaltung auf, beginnt dann, kompromißlos seiner innersten Überzeugung folgend, sich weder für noch gegen einen angebotenen Lebensentwurf zu entscheiden. Er entscheidet sich für überhaupt nichts, nicht einmal fürs Essen, mit der Folge, daß er verhungert. Damit wird er zum Bild der größtmöglichen Erfüllung von Freiheit und ihrer Perversion zugleich. „I would prefer not to“, heißt die Formel, mit der er freundlich und sanft sich das Weltbild aller erschüttert, die ihm begegnen. Regisseur Boris Nikitin kehrt mit seinem zweiten Grazer Projekt auf der Probebühne zurück, diesmal arbeitet er zum Thema Freiheit und Sicherheit.

ZEIGENBoris Nikitin
Boris Nikitins Arbeiten bewegen sich an der Schnittstelle von Theater und Wissenschaft. Zentrale Themen sind dabei die Auseinandersetzung mit den Grenzen zwischen Dokumentarischem, Biographie und Fiktion, sowie die Beziehung zwischen Kunst und Recht. Nikitin, Absolvent des Studiums Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen, erhielt zahlreiche Preise. Neben freien Produktionen, u.a. an der Kaserne in Basel, arbeitet Nikitin immer wieder am Stadttheater, z.B. am Schauspielhaus Graz oder am Theater Freiburg. 2013/14 entstanden zudem Produktionen für den steirischen herbst und die Ruhr-Triennale. Es folgten weitere freie Arbeiten, u.a. MARTIN LUTHER PROPAGANDASTÜCK (Eingeladen zu IMPULSE 2016) und das neue Stück HAMLET.
Neuigkeiten
Presse
Fazit

»Großes Theater auf der kleinen Bühne. ›Bartleby oder Sicherheit ist nur ein Gefühl‹ ist eines der besten Stücke der auslaufenden Spielzeit am Schauspielhaus. Harmloser als mit einer Gesangseinlage aus dem Musical ›Elisabeth‹ kann ein großes Theaterstück kaum beginnen. Und so ist es irgendwie lustig und irgendwie auch sehr rührend, wie Katharina Klar mit ihrer inbrünstigen Interpretation des Gassenhauers ›Ich gehör nur mir‹ den Abend eröffnet. Und irgendwie ist das auch noch sehr passend. Denn im chaotischen Kosmos unserer Zeit ist das permanente Beharren auf das eigene Selbstbewußtsein lebensnotwendig geworden. Und Regisseur Boris Nikitin schafft es, diese Autopoiesie virtuos zu inszenieren. Schauspiel, das sich selbst reflektiert, das sich selbst nicht immer ernst nimmt und noch weniger seine Zuschauer. Theater, das sich so die Freiheit erkämpft wieder zu spielen und nicht aufzuführen. Konsequent ist, daß Katharina Klar mit ihren 25 Jahren eben genau zu jener Generation gehört, die sich über nichts mehr sicher sein kann. Sie zeigt ihr ganzes Talent und schreit sich ein wildes Konglomerat von Zitaten, Ideen und Anarchismen von der Seele. Aus ihrem Gebrüll über die Unmöglichkeit eines richtigen Lebens im falschen, die Paradoxien der Selbstbestimmung und die Katastrophe des Protests, der inzwischen vollkommen unmöglich geworden ist, ergibt sich ein fesselnder Einblick in die Schizophrenie einer ganzen Generation.«

Kleine Zeitung

»Scharfsinnige Sprengsätze. […] Intensiver, präziser Bartleby auf der Probebühne. […] „Ich möchte lieber nicht“: Ausgehend von diesem Satz spannt Theaterdenker Boris Nikitin einen intensiv improvisierten Abend. Der scharfsinnige Abend bietet viele Lesarten. Verdienter Riesenapplaus für Katharina Klar und Lorenz Kabas.«

Falter

»Auf der Probebühne macht Regisseur Boris Nikitin mit ›Bartleby oder Sicherheit ist ein Gefühl‹ den Saisonabschluss. Inspiriert von Herman Melvilles Erzählung sucht er nach dem dramatischen Potenzial von Verweigerung. Der Abend […] hat etwas. Etwas, das im großen Haus fehlt – eine gute Portion Konsequenz.«

APA

»Uraufführung von Boris Nikitin rund um eine Figur von Herman Melville – Katharina Klar und Lorenz Kabas spielen mit Intensität und Präzision. Ein Abend rund um gebrochene Erwartungen, Unsicherheit und Möglichkeiten schuf Boris Nikitin auf der Probebühne des Grazer Schauspielhauses mit ›Bartleby oder Sicherheit ist ein Gefühl‹. Die Produktion, die weniger ein Drama als ein Sich-Annähern an verschiedene Verweigerungsmodelle ist, wurde von den äußerst ambitioniert agierenden Darstellern Katharina Klar und Lorenz Kabas mitgestaltet. Nikitin greift das Thema auf und lässt Lorenz Kabas und Katharina Klar damit spielen, darüber reden und auch singen. Klar tritt als Musical-Diva auf und singt – sehr gekonnt übrigens – „Ich gehör´ nur mir“, und ist mit dem Verweigerungs-Song der Kaiserin Elisabeth aus dem Musical gleich mitten im Thema. Dann wird immer wieder ein Anfang versucht, doch es kommt nie dazu, denn irgendetwas passiert immer. Die beiden Darsteller ernteten zu Recht viel Applaus, bewiesen sie doch bei ihrem punktgenauen Spiel Präzision und Durchhaltevermögen.«

Aufführungen

Uraufführung

10.5.2012, Schauspiel Graz