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theater und medien
Theater, UA: 14.1.2012, Theater Tuchlaube Aarau (CH), Regie: Anina La Roche
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Synopsis

Eine Ich-Erzählerin begibt sich in die Erinnerung an ihre Kindheit auf dem elterlichen Bauernhof. Sie läßt Situationen wieder aufleben, die sich in ihr Gedächtnis eingebrannt haben: Die Stallarbeit an der Seite des autoritären Vaters, die schweigende Mutter, die Gerüche und die stillen Stunden im Versteck, wo sie sich unsichtbar machen kann. Diese Kindheitserinnerungen werden von den Bildern einer Theateraufführung überlagert, in der die Erzählerin als Regisseurin und Zuschauerin ein Corps de Ballet voller Anmut, Grazie und Schönheit heraufbeschwört. Die Erzählung mäandert zwischen Miststock und Kronleuchter, die beiden so gegensätzlichen Ebenen beginnen ineinander zu fließen, bis Phantasiewelt und Realität nicht mehr voneinander zu trennen sind. MEIN TÖRICHTER BEWEIS VON LEIDENSCHAFT ist der Versuch einer jungen Frau, aus den Strukturen, in denen sie aufgewachsen ist und die sie geprägt haben, auszubrechen. Sie imaginiert sich in eine andere Welt hinein und kämpft dafür, sich neu zu erfinden. Ihr wichtigstes Hilfsmittel ist dabei die Sprache. Reden ist hier Handlung, sie darf damit nicht aufhören, denn sobald sie dies tut, bricht das fragile Gebilde der Imagination ein und stürzt sie noch weiter hinein ins Güllenloch, aus dem sie versucht, herauszukommen.

Auszug

»alles was die mutter tut ist ein beweis. Die mutter ist nicht einfach da. sie ist da, hier sie kann es beweisen. hier die brüste haben viele kinder gross gemacht. hier der rücken kann tragen. schau wie schwer er tragen kann. hier hände schau. hier brombeeren. himbeeren. jäten. windeln. schau und hier. blutwurst. hier hühner. hier socken. mist. hier bügeln. hier kartoffeln. kartoffeln. hier schrubben. hier.«

ZEIGENBeatrice Fleischlin
Beatrice Fleischlin ist freischaffende Performerin und Autorin. Ihre Text- und Bühnenarbeiten verfolgen konsequent die Suche nach einer zeitgenössischen Theatersprache. Mit ihren Arbeiten bewegt sie sich auf dem Grat zwischen Realität und Fiktion und irritiert damit - auf ihre ganz direkte und intime Weise - den Wahrheitsbegriff. Neben ihren Performancearbeiten schreibt Fleischlin auch Theatertexte. In der Spielzeit 2011/12 war Beatrice Fleischlin Hausautorin am Theater Basel. Ihr aktuelles Stück mit dem Titel »einem tier gibt man den gnadenstoss« steht zur Uraufführung frei. 2016 entstand die Produktion »I just wanna fucking dance. Begegnung und Protest« (Konzept & Performance, Beatrice Fleischlin), mit der sie in der Schweiz und in Deutschland tourniert.
Neuigkeiten
Presse
Aargauer Kultur

»Zwischen Stall und Tieren aufgewachsen, hat Fleischlin einen Text geschaffen, der ihre eigene Bauernhofjugend mit einer geplanten Ballettaufführung verknüpft. Das Stück changiert zwischen sublimer Poesie und drastischen, surrealistischen Bildern. Dieses Kopfkino, bestehend aus schmutzigen Witzen, Schlachtbeschreibungen, Sodomie- und Vergewaltigungsfantasien, verwandelt Güllelöcher in Körperöffnungen, erschafft eine Mischwelt aus Porno und Bauernhofidylle. Die metaphorische Kraft von Fleischlins Sprache schafft dabei subtile Übergänge zwischen den Bühnenwelten. Welche der beiden Sichtweisen der Realität schließlich näher kommt, vermag diese Produktion auf wunderbare Weise in der Schwebe zu halten.«

Tagblatt

»Das ist Ichfindung mittels Vorstellungskraft, der aufkeimende Anspruch auf ein eigenes Leben. Fleischlins Text ist grotesk, abgründig, ein Traum für poetische veranlagte Psychoanalytiker. Und ein Albtraum für das Publikum, würde die Geschichte in die falschen Hände geraten. Das war Regisseurin Anina La Roche bewusst: Sie lässt den starken Worten Raum. Diese Uraufführug ist verführerisch wie das Glitzern einer Paillette. Oder kostbar wie ein besonders schönes Schaf.«

Aufführungen

Uraufführung: 14.1.12, Theater Tuchlaube, Aarau (CH)

Gastspiel: 26.-28.4.12, Theater Winkelwiese, Zürich (CH)