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theater und medien
Theater, UA: April 2012, Münchner Kammerspiele, Regie: Philip Decker
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Synopsis

In einem weit entfernten Hafen findet ein Gespräch statt zwischen einem Touristen und dem einheimischen Fischer. Gewinnmaximierung versus Demut und Bescheidenheit. Schwenk auf ein groteskes Kreuzfahrtschiff namens Jiggy3000, das eine illustre Gemeinschaft verwirrter Wohlstandsbürger an Deck versammelt. Und dann ist da noch eine vom Vater verlassene Familie, und ich, ich bin das Kind einer überforderten Mutter. Ich bin das Kind, natürlich überlebe ich. Das ganze Leben liegt noch vor mir, so sagt das die Mutter, das ganze Leben liegt noch vor dir, mein Schatz, und dann seufzt sie und zupft an ihrer Nase.

Auszug

(der brief des bruders an den vater)

 

ich schreibe dir und weiß nicht, ob dich das erreicht

ein brief, das macht ja heute keiner mehr. trotzdem

ich schicke ihn an deine arbeit

wie du so lange lügen konntest

 

seit du weg bist, ist alles anstrengend. oma ulrich ist jetzt immer da. sie und mama streiten unsachlich, mit schimpfwörtern und allem. ich glaube, mama wünscht sich, die oma ulrich würde sterben. der kleine ist still geworden, murmelt vor sich hin, aber sagt nichts

hat freunde, die keiner sieht

gesa ist fort. es geht ihr gut, glaube ich. sie macht geheime projekte

ich will das auch. einfach weg sein. aber ich weiß nicht, wo ich hin kann, ich kann mir nichts vorstellen für später. deshalb bleib ich

ich bin mittlerweile größer als du, und manchmal habe ich gute ideen über die welt. aber philosophieren ist kein beruf. warum eigentlich nicht

 

du fehlst hier

falls du zurückkommst, hau ich dich tot

 

ulrich junior

ZEIGENOlivia Wenzel
Olivia Wenzel wurde 1985 in Weimar geboren und lebt in Berlin. 2004-2010 Studium der Kulturwissenschaften und ästhetischen Praxis in Hildesheim. Wenzel schreibt Theatertexte und Prosa und ist Sängerin & Songwriterin. Für ihr Theaterstück JIGGY PORSCHE TAUCHT AB erhielt Olivia Wenzel den Münchner Förderpreis für deutschsprachige Dramatik 2011. JIGGY PORSCHE wurde an den Münchner Kammerspielen uraufgeführt. Ihr Stück EXZESS, MEIN LIEBLING wurde 2013 zur »Langen Nacht der Autoren« am Deutschen Theater eingeladen. Es folgten Arbeiten u.a. für den steirischen herbst, das Ballhaus Ost in Berlin und das Hamburger Thalia Theater.
Neuigkeiten
Presse
ZEIGENnachtkritik

»Tatsächlich läßt das Stück von Olivia Wenzel aufhorchen: Hier kann eine schreiben und hat Stoff und Schwung für mindestens eine Handvoll Stücke.«

 

Süddeutsche Zeitung

»Wofür Olivia Wenzel bei der Nacht der neuen Dramatik 2011 den Förderpreis für deutschsprachige Dramatik erhielt, das trägt schon so viel Witz und überlegenen Humor in sich. Schon die Lesung bei der Dramatikernacht war ein phantastisches Vergnügen. Am Anfang steht ein Gleichnis, das sich Wenzel bei Heinrich Böll borgte. Ein Tourist steht am Meer, ein Fischer sitzt entspannt in seinem Boot. Der Tourist fragt den Fischer, ob der nicht noch einmal hinausfahre. Der Fischer meint, er habe schon einen guten Fang gemacht. Der Tourist meint daraufhin, führe der Fischer noch mal hinaus, könnte er noch mehr fangen, noch mal und noch mal, bis er übernimmt – und da übernimmt wieder der Fischer – mehrere Sushi-Restaurants besitze und dieses Zwicken in der Brust hätte. Dann blicken beide auf das Kreuzfahrtschiff Jiggy 3000, auf dem lauter Menschen sitzen, die eben diesem Zwicken auf einer sterbenslangweiligen Kreuzfahrt entfliehen wollen, was sie natürlich nicht schaffen, weil sie ihre Verhaltensweisen nicht ablegen oder nur abändern können, das Zu-Markte-Tragen der eigenen Haut und das Empfinden, daß alles Arbeit sei, selbst die Liebe oder ihr letzter Rest. Das Schiff sinkt. Wenzel erzählt dies und viel mehr in Szenenanweisungen und kleinen, harten Dialogpartikeln, die gegen Ende zerfasern, davor aber in einer Matrix kulminieren: Vier Möglichkeiten, in einem Bewerbungsgespräch zu scheitern, werden als letztlich gleichbedeutende Variationen des gleichen Desasters nebeneinandergestellt – selbst wer den Job kriegt, wird unglücklich sein, weil er sich einem System unterwirft, das alle kaputt macht.«

Bayerische Staatszeitung

»Mit klarem Blick erkennt Olivia Wenzel die Heimtücke der Sprache. Und spießt sie gnadenlos auf, die Reiseprospekt-Floskel vom ›Seele baumeln lassen‹ zum Beispiel. Aber auch, daß die willigen Konsumenten, die in Fair-Trade-Bettwäsche schlafen, diese ganze Werbeprosa so brav verinnerlicht haben wie Fernsehzuschauer die Talkshow-Phrasen, ist ihr nicht entgangen: ›Jetzt mache ich Urlaub auf einem Kreuzfahrtschiff, ich entspanne mich, optional lerne ich einen gutaussehenden Mann kennen, aber das ist kein Muss‹ sagt eine der Figuren in Olivia Wenzels Freizeit-Farce JIGGY PORSCHE TAUCHT AB.«

Donaukurier

»Kraftvoll, kurzweilig und am Puls der Zeit ist dieses ›Stück Arbeit‹.

Aufführungen