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theater und medien
Theater, 3D - 4H, UA dieser Fassung: 7.9.2011, Ballhaus Ost, Berlin, Regie: Christian Weise
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Synopsis

Emma Bovary hat vor allem eines: Sehnsucht. Sie träumt von erfüllten Leidenschaften, Luxus und dem, was sie für das »echte« Leben hält. Gelangweilt in ihrer Ehe mit dem mittelmäßig begabten Landarzt Charles, flüchtet sie sich in Liebschaften, die sich bald als nicht weniger banal entpuppen. Welche Rolle Emma auch annimmt, das Leben fühlt sich nicht wahrhaftig an. Ernüchtert und ruiniert weist ihr am Ende einzig die Selbsttötung einen Weg aus der Unzulänglichkeit ihrer Alltagsrealität.

Schonungslos und mit viel Raffinesse seziert Gustave Flaubert in seinem 1856 erstmals in der Revue de Paris erschienenen Roman die sentimentale Empfindungswelt seiner berühmten Protagonistin. Das Phänomen des Bovarismus jedoch, dieses fatale Mißverhältnis zwischen Wirklichkeit und Wunschbild, ist keinesfalls nur schwindsüchtigen Damen des 19. Jahrhunderts vorbehalten. Gerade die heutigen medialen Möglichkeiten der Reproduktion von Träumen und Fiktionen machen uns mehr denn je zu Teilhabern einer großen Glaubens- und Sehnsuchtsgemeinde. Es ist gut möglich, daß Emma Bovary heute in Detmold lebt, in Berlin-Mitte oder in Stuttgart Sindelfingen.

Daniela Dröscher und Christian Weise interessieren sich vor allem für die komödiantische Potenz des Stoffes, die sie zum Entwurf eines entlarvenden Sittenbildes unserer Zeit anstiftet. In ihrer Neubearbeitung haben Dröscher und Weise das französische Landleben in die deutsche Provinz verlegt und erzählen mit feinem Witz von Fadesse und Ennui. Das Leben der Bovarys gleicht einer Sitcom, und Emma wird zwischen Depression und Luxussucht zu einer Zeitgenössin ihrer Wiedergängerinnen zwischen Berlin Prenzlauerberg und Paderborn.

Auszug

EMMA BOVARY:

Ihr habt mich nie verstanden! Ihr kennt nicht das Ideal romantischer Naturen, zu dem mittelmäßige Herzen nie gelangen! 

ZEIGENDaniela Dröscher
Daniela Dröscher lebt in Berlin, schreibt Prosa, Essays und Theaterstücke. Sie belegte den Studiengang Szenisches Schreiben bei UniT Graz und war 2008 Stipendiatin der Autorenwerkstatt Prosa des LCB. Im August 2009 erschien ihr erster Roman »Die Lichter des George Psalmanazar« (Berlin Verlag). Im Herbst 2010 folgte der Erzählband »Gloria«, für den die Autorin den Bayern2-»Wortspiele«-Preis 2011 erhielt. Im Herbst 2012 erschien POLA, ihr zweiter Roman. Im Herbst 2013 wurde ihre Komödie EHELEUTE UND EHELOSE am Theater Koblenz uraufgeführt. Mit PARSIFAL und WER AUS MIR TRINKT, WIRD EIN REH folgten Libretti an der Schnittstelle zur Oper. Daniela Dröscher arbeitet an einem neuen Roman.
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Aufführungen

Uraufführung dieser Fassung

7.9.2011, Ballhaus Ost, Berlin

Aufführung

November 2011, Staatstheater Stuttgart