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Theater
Zitate

»Kaum eine andere junge deutschsprachige Dramatikerin hat einen Debüttext von solch emotionaler Eindringlichkeit und schnörkelloser Sprachkraft vorgelegt.«

(Theater Heute)

Person

Azar Mortazavi, geboren in Wittlich/Rheinland-Pfalz, studierte Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus in Hildesheim. Für ihr Stück Todesnachricht (Uraufführung 2011 am Pfalztheater Kaiserslautern) wurde sie 2010 mit dem Else-Lasker-Schüler-Dramatikerpreis ausgezeichnet. 2012 wurde ihr der exil-Dramatikerinnenpreis der wiener wortstaetten zugesprochen.

Mit ihrem zweiten Stück ICH WÜNSCH MIR EINS (Uraufführung 2012, Theater Osnabrück, Regie: Annette Pullen) wurde Azar Mortazavi zu den Mülheimer Theatertagen und zu den Autorentheatertagen Berlin 2013 eingeladen. 2014 hatte URTEILE, ein dokumentarisches Theaterprojekt über die Opfer des NSU in München, das in Zusammenarbeit mit Regisseurin Christine Umpfenbach entstand, am Residenztheater München Premiere.

Ihr Stück ZWISCHENZEIT, das aus einem Werkauftrag der Wiener Wortstätten entstand, wurde am Theater Nestroyhof Hamakom in Wien gezeigt (UA: 17.11.2014). Mit dem Auftragswerk SAMMY UND DIE NACHT setzte das Theater Osnabrück die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Mortazavi und der Regisseurin Annette Pullen fort (UA: 24. Januar 2015).

Seit 2015 arbeitet Azar Mortazavi mit dem Ballhaus Naunynstraße zusammen, für das sie u.a. die Bühnenfassung von Der klügste Mensch im Facebook von Aboud Saeed schrieb.

Mit UNTER DEUTSCHEN liegt aktuell ein neues und zur Uraufführung freies Stück der Autorin vor.

ZEIGENEin neues Stück: Unter Deutschen

In ihrem neuen, noch zur UA freien Stück UNTER DEUTSCHEN führt uns Azar Mortazavi eindrucksvoll vor Augen, wie schnell wir einander fremd werden, wie wir verstummen, wenn das Wesentliche ungesagt bleibt und Worte in unseren Köpfen metastasieren, wie aus Nachbarn Verdächtige und Menschen zu Kategorien werden. In Mortazavis Text löst sich jedes noch so zarte Band der Nähe, das seine Figuren unbeholfen zu knüpfen versuchen, in Unverständnis auf. Eine kluge und konzentrierte Beobachtung auf der Höhe ihrer Zeit.

Werke
ZEIGENIch wünsch mir eins

Leila lebt als Fremde in diesem Land. Sie lebt alleine, ein junges Mädchen, das eines Tages einen Mann kennen lernt. George, der in der Kneipe vor seinem Bierglas sitzt und in Leila die Prinzessin seines Lebens erkennt. Leila ist für George, der in seiner Wohnung versauert, seine Miete nicht mehr zahlt und nur noch für Bier das Haus verläßt, das Rückfahrtticket in die Jugend. Und George ist für Leila das, was sie zu kennen scheint. Die ewige Enttäuschung. Sie schlafen miteinander und irgendwann schickt George Leila weg. Bis eines Tages Leilas Vater vor der Tür steht.

ZEIGENSammy und die Nacht

Omid kommt als Student nach Deutschland. Er lernt Maria kennen, die eine Ausbildung zur Krankenschwester macht, und zieht mit ihr zusammen. Als in Omids Herkunftsland Krieg ausbricht, verschließt er sich vor seinem Leben in Deutschland, er verlässt nur noch nachts das Haus, er hört kein Radio, sieht kein Fernsehen mehr und spricht aus Angst vor schlechten Nachrichten nicht mehr mit seiner Mutter. Der einzige Mensch, den Omid an sich heranlässt, ist der aus dem Krieg geflohene Sammy.

ZEIGENUnter Deutschen

Ein fremder bärtiger Mann. Eine junge dunkelhaarige Frau mit deutschem Pass. Eine einsame Nachbarin, die es nur gut meint. Eine traurige alte Frau, die ihre Lebensangst noch ein letztes Mal in Wut verwandelt. Azar Mortazavi trifft mit »Unter Deutschen« das Jetzt einer Gesellschaft ins populistische Herz, die sich überfordert von der Komplexität des Weltgeschehens wegduckt und mit Hilfe vorgefundener Kategorien zu bestimmen versucht, was ihr fremd ist.

ZEIGENUrteile!

Die Regisseurin Christine Umpfenbach, bekannt für ihre dokumentarischen Theaterprojekte, hat mit Journalisten, Rechtsanwälten und Politikern gesprochen, vor allem aber mit den Verwandten, Freunden und den Arbeitskollegen der Münchner Opfer des NSU. Sie sucht nach Leerstellen und Strukturen, die das Versagen der Sicherheitsbehörden und Medien möglich gemacht haben. Die Autorin Azar Mortazavi hat in poetischen Skizzen über die Ver- und Beurteilung im persönlichen Erleben einer Postmigrantin geschrieben, über die alltäglichen kleinen "Morde" in Schule, Studium und Arbeit.

ZEIGENZwischenzeit

Azar Mortazavi beschreibt die Geschichte zweier Schwestern und deren Entfremdung. Während die eine, Maria, ihr Leben lang in Deutschland geblieben ist und nun versucht, sich eine gesicherte bürgerliche Existenz samt Ehemann und Baby aufzubauen, reiste die jüngere Mina ins Land ihres Vaters und kehrt nun nach dessen Tod wieder aus dem Iran zurück. Innerhalb einer Nacht entspinnt sich ein dichtes Kammerspiel, das mit seiner poetischen Sprache an Bernard Marie Koltès erinnert und dessen Szenen an Bilder von Edward Hopper denken lassen.