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theater und medien
Theater, UA: Theaterhaus Jena, 30.10.2010, Regie Franz von Strolchen
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Synopsis

Karl-der-Haifisch-Haiberger verbringt mehr als dreißig Jahre in verschiedenen Gefängnissen Europas, er ist ein Edelgauner und nahezu perfekter Einbrecher, sein Leben ist ein ständiges Rein-und-Raus. Länger als sechs Monate ist er selten auf freiem Fuß: Nach mehreren Kinderheim-Ausbrüchen und Autodiebstählen landet er bereits mit vierzehn das erste Mal im Gefängnis und verläßt es wieder als ausgebildeter Ganove – der Beginn einer skurrilen und gleichzeitig tragischen Karriere. Als Karl mit zweiundfünfzig Jahren, aufgrund eines Gehirntumors, frühzeitig aus einer Haftstrafe entlassen wird, entschließt er sich, seine Geschichte aufzuschreiben – die Ärzte geben ihm dafür noch ungefähr ein Jahr an Lebenszeit.

Durch einen Zufall kontaktiert er den österreichischen Autor und Dramatiker Christian Winkler, der aus seiner Lebensgeschichte Literatur machen soll. Aus unzähligen Interviews entsteht gemeinsam mit dem Regisseur Franz von Strolchen das Theaterprojekt RÄUBERZELLE. Als ein dokufiktionales Drama erzählt RÄUBERZELLE von Karls verschiedenen Leben und Lebensabschnitten, von seinem einzigen normalen Beruf als Beate-Uhse-Vertreter, von wahnwitzigen Einbrüchen und Verfolgungsjagden über den Dächern der Stadt, vom Tramperdasein in Frankreich und der Begegnung mit dem Teufel, vom Alltag im Knast und illegalen Geschäftsmodellen, von Träumereien und Utopien, von seiner unheilbaren Krankheit und vor allem immer wieder von Strafe und Sühne.

Die radikale Andersartigkeit seines Lebensmodells fasziniert dabei genauso wie es erschüttert, es amüsiert und verstört. In einem Moment befindet sich der Zuschauer in einem Workshop für Kleinkriminelle, im anderen offenbart sich eine brutale Welt alttestamentarischen Zuschnitts. Die Klischees vom Gauner und Knastbruder treffen in den Schilderungen der vier Darsteller ständig auf das Bizarre einer Wirklichkeit zwischen existentiellem Überlebenskampf und lustvoller Grenzüberschreitung, auf eine Biografie voller Risse und Selbstverklärung - handelt es sich im Endeffekt tatsächlich um unglaubliche, aber wahre Erlebnisse, oder sind es Räubergeschichten, die man seinem Knastbruder auf der Zelle erzählt, oder ist es doch nur die Fantasie eines Autors?

Nach der Premiere am Theaterhaus Jena, im Oktober 2010 war RÄUBERZELLE bereits am Schauspielhaus Wien und im Rahmen der Autorenwochen von uniT Graz als Gastspiel zu sehen, wodurch die Produktion für den bestOff-Theaterpreis 2011 in Österreich nominiert wurde.

ZEIGENChristian Winkler
Geboren 1981 in Graz, studierte Winkler Germanistik in Graz und Regie und Kulturmanagement in London. 2007 erhielt er den Retzhofer Literaturpreis, 2008 das Dramatikerstipendium der Republik Österreich und das Stipendium der Literar Mechana. Er arbeitet als freier Regisseur und Autor in Österreich, Deutschland und England und war Teilnehmer des Szenischen Schreiben Lehrganges bei uniT. Mit seinem Stück IN DEN ARKADEN gewann er 2010 den Stückwettbewerb der Schaubühne Berlin. Es folgte das dokufiktionale Stück RÄUBERZELLE, 2010 in Jena uraufgeführt und zu zahlreichen Gastspielen eingeladen. Für den ORF entstand das gleichnamige Hörspiel.
Neuigkeiten
ZEIGENUrsendung des Hörspiels RÄUBERZELLE

Christian Winklers Stück RÄUBERZELLE, im Oktober 2010 in der Regie von Franz von Strolchen am Theaterhaus Jena uraufgeführt, ist nun vom ORF als Hörspiel produziert worden. Die Ursendung erfolgt am 27. März 2012 um 21:00 Uhr auf Ö1. Die Regie führt Peter Kaizar, es spricht Wolfram Berger.

Presse
Kronenzeitung

»Winkler bringt das Leben in einer Parallelwelt auf die Bühne. Ein Leben, das ausschließlich begrenzte Momente der Freiheit kennt und mit dieser nur durch exzessive Grenzüberschreitungen umzugehen weiß. Die in Interviews gesammelte Erzählung des mittlerweile verstorbenen Gauners hat Winkler auf vier Akteure verteilt, die mitten im Publikum vor einer verspiegelten Bühne sitzen. So gibt er dem Text eine dialogische Qualität, wirft das Erzählte gleichzeitig aber auch immer auf das Publikum zurück.«

Kleine Zeitung

»Es spielt sich mittendrin ab, wenn einer der Sitznachbarn erzählt, wie man Autos knackt, Maulhelden und Betuchte aussackt und wie es ist, wenn einem sieben Jahre der Jugend gestohlen wurden. Szenisch genial aufgebaut, wechselt Winkler ohne Fingerzeig von anfänglicher Diebeskomödie über brutale Schattenseiten zum tragischen Trauerspiel. Eine unvergessliche, intime Sternstunde am Theater. «

Ostthüringer Zeitung

Daß die Welt eines Berufseinbrechers eine ist, in der es andere Umgangsformen, aber harte und klare Regeln gibt, machen die vier Profis an diesem Abend täuschend echt bewußt. Fast schon ein bißchen zu echt, denkt man. Und muß anschließend kurz nachschauen, ob Handy und Geldbeutel noch sicher in der Tasche liegen.

Aufführungen

UA: 30.9.2010, Theaterhaus Jena

Ursendung des Hörspiels: 27.3.12, ORF