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theater und medien
Theater, Performance, UA 2009, Regie Boris Niktin / Text Nikitin, Scholz
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Synopsis

Orson Welles Doku-, Spiel- und Experimentalfilm »F for Fake« verhandelt mit den Geschichten über den Kunstfälscher Elmyr de Hory und dessen Biographen Clifford Irving die Themen Betrug, Täuschung und Magie. Sie durchziehen das gesamte Werk des Regisseurs. Boris Nikitins Inszenierung und Malte Scholz Performance fragen nach der Zuverlässigkeit dessen, was wir auf der Bühne sehen. Ist nicht die Lüge gerade im Theater immer schon Teil einer stetig ‚Wirklichkeit’ produzierenden Maschine? Gibt sich nicht jede Illusion auf der Bühne als Realität und ist nicht zugleich jede Form des Realen oder Authentischen immer nur die Repräsentation ihrer selbst? Im Theater wird immer gelogen und zugleich immer die Wahrheit gesagt. Ist das, was der Performer Malte Scholz sagt und tut, wahr? Das Publikum kann sich trotz seiner Kenntnisse um die Codes des Theaters und trotz seines Wissens um die Mechanismen und Techniken der Wahrnehmung nur auf seine Zweifel verlassen.

ZEIGENBoris Nikitin
Boris Nikitins Arbeiten bewegen sich an der Schnittstelle von Theater und Wissenschaft. Zentrale Themen sind dabei die Auseinandersetzung mit den Grenzen zwischen Dokumentarischem, Biographie und Fiktion, sowie die Beziehung zwischen Kunst und Recht. Nikitin, Absolvent des Studiums Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen, erhielt zahlreiche Preise. Neben freien Produktionen, u.a. an der Kaserne in Basel, arbeitet Nikitin immer wieder am Stadttheater, z.B. am Schauspielhaus Graz oder am Theater Freiburg. 2013/14 entstanden zudem Produktionen für den steirischen herbst und die Ruhr-Triennale. Es folgten weitere freie Arbeiten, u.a. MARTIN LUTHER PROPAGANDASTÜCK (Eingeladen zu IMPULSE 2016) und das neue Stück HAMLET.
Neuigkeiten
Presse
Tagesanzeiger

»Ein teuflisch-genialer Abend, den Regisseur Boris Nikitin zusammen mit seinem Performer Malte Scholz entwickelt hat und der die Kraft hat, ganze Zuschauerreichen in einen Rauschzustand zu versetzten. Malte Scholz ist etwas über dreißig Jahre alt, ein sympathischer, aber alles andere als ein charismatischer Mensch. Er ist unser Drogendealer, der uns zu Beginn einem metareflexiven Vortrag andeutungsweise vor der Wirkung des Abends warnt und uns dennoch schon bald mit einem atemlosen Monolog im Griff hat, in dem er uns Fragen und Forderungen an den Kopf schleudert, von denen man sich betroffen und eingenommen fühlt, an deren Inhalt man sich schon bald nicht mehr erinnern kann. Was ist es, das unser kritisches Denken ausser Kraft setzt und uns so gefügig macht? Wohl kaum das Batik-Shirt mit seinen psychedelischen Farben, das Scholz unter seinem schwarzen Sakko trägt, oder das Konfetti, das er verstreut. Vielleicht der über seinem Kopf rotierende Ventilator, der unser Denken mit seiner Monotonie umfängt? Die Easy-Listening-Musik, die unter Scholz` Rede im ewig gleichem Bassverlauf dahinschreitet? Oder genügen die Schlüsselbegriffe wie ›Krise‹, daß wir emotional durchlässig und für beliebige Forderungen und Fragen empfänglich werden? Mit aller Kraft stellt ›F wie Fälschung‹ also unser Selbstverständnis infrage. Wer bin ich, wenn ich mich mit relativ einfachen Mitteln manipulieren lasse? Keine Frage, Nikitins Produktion lässt einen so schnell nicht mehr los. Backflashes, bleibende Bewusstseinsveränderungen und eine Schärfung  der Wahrnehmung in Sachen Manipulation sind zu erwarten. So gehet hin und lasset euch manipulieren!«

Frankfurter Allgemeine Zeitung

»Eine krudere Mischung aus akademischer Inspiration und dem Gestus akademischen Vatermords, aus Banalitäten als Köder und falschen Spuren von äußerstem Raffinement, Offenlegen der Konstruktion und plump-sinnlichem Übertölpeln der gewarnten Zuschauer durch sinnliche Reize, Repräsentationskritik à la Derrida und ungebremstem Rücksturz in die Figur scheint unvorstellbar. Als szenisches Nachdenken über die uneinholbaren Versprechen der Illusions – und Lügenmaschine Theater ist das kaum zu überbieten.«

Theater heute

»Als absolut überzeugende Meta-Autonome polieren der Regisseur Boris Nikitin und sein begnadeter Performer Malte Scholz mit 'F wie Fälschung' das Image eines politischen Ladenhüter-Themas wie 'Medien und Manipulation' auf. Nikitin und Scholz jazzen sämtliche Versatzstücke von der eigenen Biographie bis zur aufgebrezelten Lichtshow derart zum Fake empor, dass zum einen spätestens von der Kopie der Kopie der Kopie plötzlich unschlagbare Authentizitätsanwehungen ausgehen und zum zweiten das biedere Filmnacherzählungs – und Romanbebilderungstheater, dass uns derzeit so massiv von den Stadt – und Staatstheaterbühnen entgegenschlägt, definitiv einpacken kann. Hier fragt zur Abwechslung tatsächlich mal wieder jemand nach dem strukturellen Punkt, der einen Inhalt und ein Medium fürs andere relevant macht.«

Aufführungen

Theater Neumarkt

10., 12. November 2010

 

Festival bestOFFStyria, Graz

7. September 2010

 

Mousonturm, Frankfurt

12., 13., 14. Februar 2010

 

Festival Impulse, Ringlokschuppen, Mülheim a. Ruhr

5. Dezember 2009

 

Festival Impulse, Bochum, Prinz-Regent

4. Dezember 2009

 

Festival Impulse, Düsseldorf, FFT

28. November 2009

 

i-camp, München

23. Mai 2009

 

Festival plateaux, Mousonturm, Frankfurt

24., 25., 26. April 2009