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theater und medien
Theater, UA: März 2011, Schauspiel Frankfurt, Regie: Auftrag:Lorey
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Synopsis

»Horror Vacui« ist eine Sammlung von allem, was unsere Sinne anspricht oder beansprucht. Die Symphonie eines ganz gewöhnlichen Tages, Mitteleuropa, Anfang des 21. Jahrhunderts - mit einer Schauspielerin, die über die erstaunliche Fähigkeit verfügt, willentlich die Frequenz ihres Herzschlags zu beeinflussen.

ZEIGENAuftrag:Lorey
Seit 2001 realisieren Auftrag : Lorey Projekte, die sich an der Grenze zwischen Performance und installativer Kunst bewegen. Ausgangspunkt bildet ein jeweils vor Ort recherchiertes Material. »Auftrag : Lorey legen die Brüche in unserer Welt offen, die wir im Alltag aus pragmatischen Gründen übersehen müssen«, so Gerald Siegmund über die beiden Künstler. Für das Schauspiel Frankfurt entstanden die Arbeiten HORROR VACUI und BOUNCING IN BAVARIA. Für das Deutsche Theater Berlin schrieben und inszenierten sie die Uraufführung BACK TO BLACK (2015). In der Spielzeit 2016/17 setzen Auftrag : Lorey ihre Arbeit am DT mit einer weiteren Arbeit unter dem Titel HIER UND DORT fort.
Neuigkeiten
Presse
ZEIGENFrankfurter Rundschau

»Der Tod ist und bleibt ein Ärgernis. Er ist ein im Kern unerträglicher Skandal: Nicht weil man stirbt, sondern weil man nicht weiß, was (oder wer) er ist. So ist alles Reden und Denken über den Tod am Ende immer nur ein Reden und Denken über das Leben. Und trotzdem bekommt dieses Reden eine eigene Qualität, wenn es gegen die stoische Blindheit des Todes anrennt. Das tut nun die außerordentliche Schauspielerin Kathleen Morgeneyer. Fast eineinhalb Stunden tut Morgeneyer nichts als Tode zu spielen, zu sagen, zu behaupten. Sie stürzt sich von einer Leiter auf den Boden eines Schwimmbeckens, das zauberisch auf den Bühnenboden projiziert wird. Damit beginnt das wiederholte Sterben an diesem Abend. Gefühlt folgen dann etwa 157 Tode, die Morgeneyer stirbt. Es ist eine hervorragende, befreiende Idee des Regieduos ›Auftrag:Lorey‹, Morgeneyer in dieses starre Korsett zu stecken. Jedes Spiel vom Tod spielt mit der Trennung von Körper und – ja was? Ich, Geist, Seele. Diese Trennung steckt von vornherein in den Anordnungen, die ›Auftrag:Lorey‹ für Morgeneyer erfunden haben. Sie haben die Aufführung sozusagen in diese Lücke hineinkonstruiert. Sonst hat das Regie-Duo Björn Auftrag und Stephanie Lorey mit ›Horror Vacui‹ eindrucksvoll bewiesen, daß sie Spezialisten für den anderen Zustand sind. Sie steuern direkt und schnörkellos auf die Essenz des Dramatischen zu. Es ist der Zustand oder der Punkt in der Geschichte, wo das Bewusstsein bricht. Um ihn herum wurde vor sehr langer Zeit eine bis heute gültige Dramaturgie gebaut, es ist die Tragik.«

ZEIGENtaz

»Das Stück des Regieduos "Auftrag: Lorey" am Schauspiel Frankfurt erprobt mit trockener Poesie und unheimlicher Schönheit die Beschreibung, die Analyse und das Ausspielen von Sterbemomenten. Morgeneyer agiert als Schauspielerin, Todesengel und Leiterin einer Expedition ins Reich der letzten Bilder. Changierend zwischen Naheliegendem und Unfasslichem schafft sie Momente ungeheurer Leichtigkeit im Angesicht des Todes.«

nachtkritik

»Mit der täuschend echten Videoansicht eines Sportschwimmbeckens auf der Spielfläche und Kathleen Morgeneyer mitten darin beginnt es. Fast meint man den Chlorgeruch wahrzunehmen und wähnt die schmächtige Darstellerin, in schwarzer Cargohose und Pulli, im Lichtspot auf dem bläulichen Wasser stehend. Den Ausklang des Abends achtzig Minuten später begleitet dann im Off ein choralartiger Frauenchor, in den Morgeneyer, streng nach Partitur, mit der Bewegung je eines Fingers ihres Datenhandschuhs Geräusche einfügt, die sie zuvor eingesampelt hat. Zuletzt, als Coda, spricht sie lateinische Liturgiefetzen von Auferstehung und Ewigkeit. So nüchtern und weihevoll, so physisch-metaphysisch sind die Extreme beschaffen, zwischen denen sich die neue Produktion von Stefanie Lorey und Bjoern Auftrag bewegt. Ihr Thema: das Nichts – als energieerfülltes Vakuum und als Dunkel des Todes.«


Aufführungen

Uraufführung

März 2011

Schauspiel Frankfurt