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theater und medien
Theater/Performance nach dem Film »Wir Wunderkinder« von Kurt Hoffmann, UA: 12.3.2011, Deutsches Theater Göttingen
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Synopsis

STIMMUNG! Daß man die Feste feiern soll wie sie fallen ist eine alte deutsche Weisheit, die für die Vor- wie für die Nachkriegszeit gilt: ›Jetzt wird auf die Pauke gehau’n!‹ sang Wolfgang Neuss und haute drauf: ›Neuss paukt deutsch‹. Kongenial kommentierte er mit Wolfgang Müller vierzig Jahre deutsche Geschichte im Film »Wir Wunderkinder« (1958). Es war einer der ersten Nachkriegsfilme, die sich mit den Mitteln der Satire der deutschen Misere widmeten und einer der letzten Produktionen der Göttinger Filmaufbau. Dabei werden wir Zeugen der Lebensläufe zweier Männer, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten: Der eine, ein Stehaufmännchen, schwimmt, dank seines opportunistischen Anpassungsvermögens allen Widrigkeiten und politischen Verhältnissen zum Trotz, immer auf der Welle des Erfolgs. Ob im Kaiserreich, den Zwischenkriegsjahren, in der Nazidiktatur oder der Wirtschaftswunderzeit, Bruno Tiches weiß, wie man um jeden Preis nach oben gelangt und dort bleibt. Der Andere, Hans Boeckel, bleibt lieber anständig und geht dabei oft leer aus. Während man der Verfilmung dieser ›dennoch heiteren Geschichte unseres Lebens‹ von Hugo Hartung hierzulande vorwarf, Geschichte zu verharmlosen, verkannte man dabei, dass sich der eigentliche Fokus der Kritik des Films auf die Gegenwart bezog, nämlich das bruchlose ›Weiter so‹ vieler Kriegsprofiteure unter falschem Namen: ›Wir schaffen es. Ohne Waffen-SS.‹ (Neuss) Im Ausland sah man dies ganz anders. Und das sowohl in Ost und West. Bei den Filmfestspielen in Moskau wurde er 1959 mit dem »Großen Preis« und einer Goldmedaille prämiert und Hollywood verlieh ihm 1960 den Golden Globe als bester ausländischer Film. Ferner durfte »Wir Wunderkinder« als erster westdeutscher Film in Israel gezeigt werden.

andcompany&Co. denken den Film inhaltlich ins Heute weiter und bringen zugleich die Umstände seiner Entstehung und die kontroverse Rezeption des Films in Form eines außergewöhnlichen Theaterabends auf die Bühne.

ZEIGENandcompany&Co.
Das internationale Theater- und Performancekollektiv andcompany&Co., 2003 in Frankfurt/M. gegründet, versteht sich als offenes, aber verbindliches Netzwerk. Den Kern bilden Alexander Karschnia, Autor und Theaterwissenschaftler, Nicola Nord, Sängerin und Performerin, sowie Sascha Sulimma, Musiker und DJ. Ihre Performances sind ein humorvolles Spiel mit Fakten und Fiktionen, das Bruchstücke ästhetischer und philosophischer Entwürfe des 20. und 21. Jahrhunderts musikalisch verdichtet und zu einem eigenen politischen Statement neu abmischt. Nach zu Beginn v.a. freien Produktionen erweitert das Kollektiv seinen Wirkungskreis zunehmend in Richtung Stadttheater.
Neuigkeiten
Presse
ZEIGENDeutschlandfunk

»Es gehört zu den echten Überraschungen der Produktion, daß sich andCompany&Co. über weite Strecken eng an die Geschichte gehalten haben, wie der Film sie erzählt nach dem prächtigen Roman des Nachkriegssatirikers Hugo Hartung. Es wird erzählt vom ewigen Deutschen. Bruno Tiches heißt der und ein Durchmauschler ist er, ein Fähnchen-nach-dem-Wind-Stratege. Dem ewigen deutschen Gangster steht als ewiger Freund ein deutscher Gutmensch gegenüber, Hans Boeckel, der nie mitbekommt, welche Desaster sich politisch gerade ankündigen. Dieses deutsche Doppelwesen nun verlängern andCompany herüber in mancherlei Gegenwarten, basteln Bilder vom "deutschen Herbst" der terroristischen 70er-Jahre mit ins Spiel und den Mauerfall ein lächerliches kurzes Jahrzehnt später. Kinder, wie schnell doch die Zeit verging. Und die jüngste Version des ewigen deutschen ist für andCompany natürlich der akademische Fälscher aus den fränkischen Wäldern von und zu Guttenberg. Wie Hoffmanns Film mit Neuss und Müller die Spitzen des Kabaretts jener Jahre mit Spitzen zur deutschen Nachkriegsaktualität ausstattete, so mausern sich die Göttinger "Wunderkinder" zur klug dosierten Kabarett-Revue. Natürlich bleibt die "andcompany" bei aller Nähe zum Material ein freies Ensemble und polemisiert gegen die beamtenhafte Sicherheit des deutschen Stadttheaterbetriebs, besonders wenn es um die allgegenwärtige Hitler-Präsenz geht in der "Wunderkinder"-Story. Aber nie bricht der freche schnelle Abend unter Theorie zusammen und erobert stattdessen ein feines, kleines Stadttheater mit der Geschichte eines großen deutschen Films.«

Aufführungen

Uraufführung

12.3.2010

Deutsches Theater Göttingen