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theater und medien
Theater, Aktionskunst
Zitate

»Anne Tismer weiß immer, ihre Eigenart zu behaupten. Und ihre Unabhängigkeit.«

(Dirk Pilz)

Person

Anne Tismer ist Performancekünstlerin, Autorin und bildende Künstlerin und wurde in Versailles geboren. Seit 2004 arbeitet sie als Performerin immer wieder mit John Bock und entwickelt eigene Kunstaktionen und Performances. 2005 gründete sie mit der Performerin Rahel Savoldelli das Kollektiv gutestun und war 2006 Mitbegründerin des Kunstortes Ballhaus Ost in Berlin. Ihre Aktionen wurden u.a in Taiwan, Korea, Togo und den USA gezeigt.

Zuletzt entwickelte Tismer die Produktionen HITLERINE und WOYZICKINE, denen weitere Projekte wie »Schweinsteigerine« folgen werden. Seit 2010 verbindet sie eine enge Zusammenarbeit mit den Togoer Künstlern Joel Ajavon und Jean-Frederic Batassé. Ihre jüngste Performance in Togo »Lomé in Leuchtfarben und paniert und als Marschmellow« wurde in den Goethe-Instituten in Togo, Brüssel und Paris sowie beim Festival No Limits in Berlin im Flutgraben gezeigt. Mit der Bühnenbildnerin Silvia Albarella entwickelte sie 2012 die Performance ›Non Tutta‹ (Sophiensaele Berlin, FFT Düsseldorf).

Ihre erste Einzelausstellung »Körperzentralhaltestelle« fand 2010 im NAK Aachen statt. Es folgte das Happening »quantensprünge von flumpis« (Galerie Gartenstudio, Berlin 2012).

Anne Tismer lebt in Lomé und in Berlin. 

ZEIGENWebsite der Künstlerin

Besuchen Sie auch Anne Tismers eigene Homepage: www.annetismer.de

Werke
ZEIGENbongani

Bongani ist ein kleiner Junge in Durban, der gefangen wurde, als er fünf Jahre alt war. Er hat bei einem Mann gewohnt, den er Meister nennen mußte. Er hat den Ort das verrückte Haus genannt. Als er 18 Jahre alt war, haben ihn die Nachbarn schreien gehört und die Polizei ist gekommen. Jetzt ist er seelisch wie ein siebenjähriges Kind, und er spricht nur im Dunkeln. Bongani ist manchmal Bongani und manchmal Miriam und manchmal ein anderes Wesen. Er erlebt verschiedene Traumata wieder und wieder im Kopf. Er sucht sein Mensch und was davon übrig ist und baut alles mit Ersatzteilen zusammen. Am Ende ist er eine halbe Maschine und ein halber Mensch, aber er funktioniert. (Anne Tismer)

ZEIGENdarf man töten

Es ist der Erde vollkommen scheißegal, ob der Mensch tötet, weil »die erde denkt nich«. Welche Auswirkungen das auf das Verhältnis zwischen Mensch und Tier oder zwischen dem Richter, dem zur Todesstrafe Verurteilten in den USA und seinen Henkern hat, fragen sich die Stimmen in Tismers Text ganz ernsthaft kalauernd. Der Text ist eine kurze Abhandlung über das Töten, die im philophischen Diskurs, nah am Nonsens, souveräne phänomenologische Beobachtungen macht.

gutes tun 1.3

Zwei Menschen auf engstem Raum, beseelt davon, Gutes zu tun. Sei es mit Brötchen, die sie verteilen, Liedichen, die sie singen oder dem Stück, das sie spielen. Doch das ist alles gar nicht so einfach. Sie können den hohen Ansprüchen nicht immer gerecht werden, denn sie verzetteln sich: Streitereien, Drogenexzesse, Trennung, Strandurlaub und das Rumkriechen in einem Wäldchen lassen sie immer wieder von ihrem eigentlichen Anliegen abkommen.

ZEIGENhitlerine

Hitlerine ist eine radikalmilitante, eitle Egoistin, ausgestattet mit einem beinahe postmodernen Bewußtsein. Irgendwo in Afrika steckt sie fest in einer parallelen Geschichte, in der Adolf nicht vorkommt, aber anderes Schlimmes schon, etwa die Völkermorde zu Beginn des letzten Jahrhunderts auf dem schwarzen Kontinent. Ihre Anhänger sind die kakka-produzierende Ameise Angelika, der sexy Schwarzafrikaner Marcel, das Bonobo Felix.

Ziel der Gruppe ist es, die Zeit anzuhalten, 1913, als Deutschland noch im Besitz seiner überseeischen Kolonien ist. Gemeinsam will man die Wüstenanholzung Farmville aufbauen und aus den gigantischen Kakka-Fäden der Ameise eine unerschöpfliche Düngerressource erschließen. Aber wie ist es zu schaffen auf derart karrierefeindlichem und entwicklungsunwilligem Terrain?

TE fällt auf die welt

Der Außerirdische TE will beweisen, dass der Saturn rund ist, stürzt dabei in den Weltraum, landet letztlich mitten in Afrika und wird gleich mit Essbarem verwechselt. Seine Irrfahrt verschlägt ihn nach Jamaika, Paris, Österreich und schließlich nach Grönland. Aber in Grönland ist alles geschmolzen, und überhaupt ist die Erde viel zu warm für TE und er will wieder nach Hause... Anne Tismer hat dieses Stück zusammen mit Mülheimer Schülerinnen erarbeitet, sie proben den Perspektivwechsel und lassen uns die Welt, in der wir leben, mit dem ungetrübten Blick eines arglosen Außerirdischen sehen.

ZEIGENwoyzickine

»es gibt kein liebe – es gibt nur die begierde und den hunger und die abhängigkeit und den haß – und die leidenschaft – und sexsucht und die sucht und die eifersucht und die macht – und die machtgier«, sagt der Wildhund, der den Einrufer macht bei dem Technounglück im Duisburger Tunnel. Es ist das Umfeld, in dem woyzickine / franzi sich bewegen. In dem ein Animateur von der Liebe des Spießbürgers spricht. Und Franzi untersucht die Liebesformen, pragma, mania, eros. Am Ende ist sie durcheinander und kann nicht mehr schlafen. Deshalb könnte sie ein Überlebensprogramm starten, mit einem Buch von der US-Army. Und während Franzi überlebt, steigt Marcel vielleicht als riesiger Schmetterling in die Luft. WOYZICKINE ist ein Monolog mit vielen Stimmen, entstanden im Kopf von Büchner und Anne Tismer.