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theater und medien
Theater, Besetzung variabel, UA: 19.2.2010, Staatstheater Stuttgart, Regie: Annette Pullen
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Synopsis

Ein junger Autor hat den Auftrag, ein Stück über die Wende zu schreiben. Aber er war ein Kind, als die Mauer fiel, und wuchs fern von Berlin auf: auf der Nordseeinsel Föhr. Kein innerer Bezug verbindet ihn mit dem Thema, außer der an ihn gestellten Forderung von Dramaturgen, Intendanten und Lektoren, daß sein Stück »welthaltig« und »nachhaltig« zu sein habe.  Nun erhofft er sich Aufschluß von seinem Vater, den er auf der heimatlichen Insel aufsucht. Mit diesem begibt er sich in Gespräche über die damalige Zeit, die er als Material aufzeichnet, ohne recht davon überzeugt zu sein. Statt allerdings wie geplant leicht und schnell die Vergangenheit zu boulevardisieren, erntet das Graben in der Vergangenheit unerwartet dunkle Früchte. Seine Recherche führt in die Krise: Was an ihm ist noch echt und empfunden, was poetisiert und stilisiert? KEIN SCHIFF WIRD KOMMEN ist die Geschichte eines jungen Mannes, der ein politisches Drama sucht und eine Familientragödie findet.

 

Ein Werkauftrag des tt Stückemarktes 09

Eingeladen zu den Mülheimer Theatertagen 2010 und ins Rahmenprogramm des Berliner Theatertreffens 2010

ZEIGENNis-Momme Stockmann
1981 auf Föhr geboren, schreibt Nis-Momme Stockmann Theaterstücke, Hörspiele, Lyrik und Prosa. Für das Stück DER MANN DER DIE WELT ASS erhielt er beim Heidelberger Stückemarkt 2009 Haupt- und Publikumspreis. KEIN SCHIFF WIRD KOMMEN wurde 2010 für den Mülheimer Dramatikerpreis nominiert, »Theater Heute« wählte ihn zum Nachwuchsdramatiker des Jahres. 2011 erhielt er den Friedrich-Hebbel-Preis. 2012 inszenierte Lars-Ole Walburg die Uraufführung TOD UND WIEDERAUFERSTEHUNG DER WELT MEINER ELTERN IN MIR, die zu den Mülheimer Theatertagen eingeladen und mehrfach nachgespielt wurde. 2014 entstand PHOSPHOROS (Residenztheater München), 2016 erschien Stockmanns Debütroman DER FUCHS. Die Zeit nannte ihn »ein echtes Sprachgenie«.
Neuigkeiten
Presse
ZEIGENFAZ

»Die äußerst komischen Leiden eines jungen Theaterautors: Annette Pullen nimmt in Stuttgart Nis-Momme Stockmanns neues Stück ›Kein Schiff wird kommen‹ so leicht, daß es schwebt. Es sind ja die einfachsten Mittel, zu denen Stockmanns Stücke die Theater verführen können: Menschen darzustellen und menschlich zu sprechen. Das ist so unendlich schwer. Und kommt so selten vor. In Stuttgart ist es jetzt auf einmal wieder ganz leicht gefallen.« (Gerhard Stadelmaier)

Süddeutsche Zeitung

»Was der Markt von ihm verlangt, ist ein Wende-Stück. Da dem jungen Autor das historische Jahr 1989 ungefähr ›so fremd ist wie 1948‹, fährt er nach Hause, zu seinem Vater, um zu recherchieren, ›wie der Fall der Mauer in der Isoliertheit der Nordsee-Insel Föhr aufgenommen wurde‹. Die Komik, die in dieser Ausgangssituation für ein zeitgenössisches Künstlerdrama steckt, weiß Stockmann unglaublich gut auszureizen. Stockmann beschreibt auch sehr schön die Gereiztheit des erwachsenen Kindes auf Heimatbesuch in der Provinz, dieses sofortige Zurückfallen in alte Muster. Manche Szenen sind wirklich zum Schreien komisch. Stockmann hat einen so feinsinnigen, klugen Humor, er blickt mit so viel Ironie und Ehrlichkeit auf sich selbst und mit einem so (ver)zweifelnden, aber auch liebevollen Verständnis auf eine Welt, die er kennt, daß dieses Stück eine helle Freude ist - nicht nur als künstlerische Innenschau, sondern auch als Familiendrama, zu dem es sich entwickelt. 1889, das war das Jahr, in dem die Mutter anfing, ›Gespenster zu sehen‹, in dem sie im Bett lag und schrie - und in dem sie starb, woran der Vater nicht unschuldig war: Das ist das eigentliche Drama, das der junge Autor auf seiner Reise in die Vergangenheit schürft. Auf der Suche nach dem großen Geschichtsthema stößt er auf seine private Geschichte, auf das Gewöhnliche, Persönliche.« (Christine Dössel)

Stuttgarter Nachrichten

»Von diesem Autor wird in den nächsten Jahren auf deutschen Bühnen noch viel zu sehen und zu hören sein. Auch das neue Stück von Nis-Momme Stockmann besticht mit der Kraft und Genauigkeit einer unverwechselbar poetisch-nüchternen Sprache.«

Die Zeit

»Stockmann gilt als großes Dramatikertalent, nach KEIN SCHIFF WIRD KOMMEN denkt man: zu Recht, und in seinen Wunschfantasien steckt ein Kern von Selbstverhöhnung: Sein Stück spiegelt die Nöte von einem, der einem Ruf hinterherhetzt. Die große deutsche Geschichte, so zeigt sich, ist nur die Deckerinnerung, unter der ein familiäres Drama glüht. Im Herbst 1989 nämlich wurde die Mutter des Föhrer Jungen wahnsinnig, und womöglich hat sein eigener Vater sie damals aus Verzweiflung umgebracht. Stockmann entwickelt die vermeintliche Kolportage mit einer bemerkenswerten Kunstfertigkeit zur Liebesgeschichte zwischen Vater und Sohn.«

ZEIGENnachtkritik

»›Kein Schiff wird kommen‹ ist weniger ein Theaterstück als vielmehr ein Bericht über die Entstehung und finale Verwerfung eines solchen. Natürlich auch die Geschichte einer Vergangenheitsbewältigung, an deren Ende die Selbstbefreiung steht. Es ist ein pointenreiches, klug aufgebautes Stück, das Sprache phasenweise appetitlich zubereitet auf einem goldenen Tablett serviert und die Sinne erfreut. Dialogszenen werden geschickt implantiert in den übergeordneten Erzählbericht des Protagonisten, der jede Impression, jeden Gedankenfetzen, jedes Gespräch wie ein Journalist auf einem Diktiergerät aufzeichnet und auch das Abhören desselben virtuos in den Plot einarbeitet: Ein gekonntes Vexierspiel mit der Fiktion des Geschriebenen und der Realität des darin Erzählten.«

ZEIGENFrankfurter Rundschau

»Man kann Nis-Momme Stockmann dabei zuhören, in seinem dritten Stück, wie ihm die Worte im Mund faulig werden, so wie sie schon vielen jungen Autoren (wie etwa Hofmannsthal) faulig wurden, weil sie falsch klingen, die vorgekauten Worte. Aber Stockmann ist einer, der sich auf die Hinterbeine stellt, der nicht mitmacht und trotzdem weitermacht. Daraus entsteht ›Kein Schiff wird kommen‹ und so entsteht ein Schriftsteller. Dieses Stück nervt nicht, weil bei diesem Vater-Sohn-Kampf auf der Insel trotz viel Bier etwas geschieht: Erst kapiert der Vater nichts, denkt man mit dem Sohn, dann kapiert der Sohn nichts, denkt der Zuschauer, und dann kapiert der Vater was, und der Sohn kapiert was und der Zuschauer auch. Dieses Stück nervt nicht, weil es nicht bei Wende- und Medienkritik stehenbleibt, sondern eine Geschichte entdeckt, um die es geht, die Geschichte der Krankheit der Mutter, die zufällig 1989 war und mehr über Mauer und Fall sagt, als manchem lieb ist. Dieses Stück nervt nicht, weil es aus der Verweigerung ein Stückchen Wahrheit entsteht. Und es nervt nicht, weil die Auseinandersetzung des Autors mit sich selbst sich aufsplittert in die Stimmen der Familie und das einer Art innerer Notwendigkeit folgt. Intelligentes Erzählen ist eine Tugend, die am Theater oft zu kurz kommt. Hier nicht. Am Ende hat man nachgedacht, ist berührt worden und man hat sich vielleicht sogar selbst etwas in Frage gestellt.«

Theater Heute

»Da blitzt Stockmanns Credo auf, daß im Kapitalismus alle Lebensbereiche von merkantilem Denken (in diesem Fall der Sorge, dem Stückauftrag nicht gerecht zu werden) infiziert werden. Doch bald kreisen Vater und Sohn in bierseligen Gesprächen um eine blinde Stelle ihres Verhältnisses zueinander, bis ihr persönlicher Weltenumsturz im Jahr 1989 zu Tage tritt: die psychische Erkrankung der Mutter und die ungeklärte Rolle des Vaters bei deren Tod. Stockmanns Bekenntnis zu einer im Alltag wurzelnden Dramatik wird hier sowohl im Text als auch durch den Text thematisiert - die höchste Kunstfertigkeit zeigt sich in den scheinbar kunstlosen Vater-Sohn-Dialogen, die in knapp pointierten Sätzen eine ganze Beziehungs-Biografie aufreißen.«

Die Deutsche Bühne

»Ein großer kleiner Abend.«

Aufführungen

Uraufführung

19.2.2010

Staatstheater Stuttgart

Aufführung

19.10.2010

Deutsches Theater, Berlin

Aufführung

10.10.2010

Theater Augsburg

Aufführung

7.9.2010

Bad Hersfelder Festspiele