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theater und medien
Theaterstück, UA: 19.3.2010, Theater Freiburg, Regie: Christoph Frick
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Synopsis

Sveta die Weißrussin braucht eine Aufenthaltsgenehmigung. Ihr Freund Tilman erklärt sich bereit sie zu heiraten, will die Hochzeit aber nicht feiern. So sitzen sie gemeinsam mit seiner Mutter Erika und Svetas bester Freundin Luisa in der Wohnung. Dann kommt Svetas Bruder vorbei, betrunkener Jungspediteur auf Durchreise. Alle haben sich das ganz anders vorgestellt. Lüg mir in mein Gesicht, sag mir, was ich hören will, auch wenn es nicht die Wahrheit ist.

Paul Brodowsky schreibt im Auftrag des Theater Freiburg ein Stück, das um das Phänomen »Double Bind« kreist. Mit diesem Begriff wird die lähmende, weil doppelte Bindung eines Menschen an paradoxe Botschaften oder Signale und deren Auswirkungen beschrieben. Dabei geraten explizite Aussagen mit impliziten Anweisungen oder Werten in einen für den Einzelnen unlösbaren Konflikt.

ZEIGENPaul Brodowsky
Bereits mit 22 Jahren konnte Paul Brodowsky auf die erste Veröffentlichung bei Suhrkamp zurückblicken. 2008 schrieb er für Luk Perceval eine Neubearbeitung von TROILUS UND CRESSIDA (Münchner Kammerspiele/Wiener Festwochen). Sein vielfach ausgezeichnetes Stück REGEN IN NEUKÖLLN wurde 2011 an der Schaubühne in Berlin uraufgeführt. Für das Staatstheater Stuttgart entstand im gleichen Jahr eine Neuübersetzung von Shakespeares »Maß für Maß«, die Christian Weise inszenierte. Nach LÜG MIR IN MEIN GESICHT (UA: März 2010, Theater Freiburg) war Brodowsky 2012/13 Hausautor des Theaters Freiburg. Im Februar 2014 wurde dort sein Stück INTENSIVTÄTER uraufgeführt. Paul Brodowsky ist Dozent des Studiengangs Szenisches Schreiben an der Universität der Künste in Berlin.
Neuigkeiten
Presse
Basler Zeitung

»Brodowskys Tragikomödie erzählt von Menschen, die zwischen dem Traum von Freiheit und dem Streben nach Sicherheit schwanken. Für Brodowsky ist das Lavieren zwischen Freiheitswille und Sicherheitsdenken das prägende Paradox seiner Generation. Die Szenerie: die Feier einer Scheinhochzeit. Der Prosecco ist wärmer als die Stimmung. Tilman hat mitten in der Krise seinen ersten Job hingeschmissen - und das, obwohl er in seiner Jugend brav auf Helmut Kohl und den Segen der Informatik gesetzt hat. An der Festtafel klaffen Lücken. Da sind Tilmans Mutter, seine zynische Exfreundin und der Vater. Der ist zwar tot, drängt sich aber ständig in den Mittelpunkt, als Tilmans Alter Ego: ein fast schon schizophrenes Rollenspiel, mit dem der ausgezeichnete Mathias Lodd den Hochzeitsgästen und dem Publikum gleichermaßen den Nerv tötet. Gut an Christoph Fricks Inszenierung ist, daß niemand ein kulturpolitisches Lamento anstimmt. Die Auflösung der sozialen Werte ist da, die festen Jobs sind weg, die Orientierung auch. Alle Personen haben Mühe damit, den Zerfall ihrer Lebensentwürfe zu vertuschen. Schnelle Dialoge wechseln mit langen Selbstgesprächen. Das Erzähltempo variiert geschickt, hinter jeder Pointe lauern Ehekrach und Kindheitshölle, die große Aggression und die universlae Traurigkeit. Vor allem Tilman ist ein moderner Jedermann, ein Modell für den schleichenden Abstieg einer ganzen Generation.«

Südkurier

»Paul Brodowsky liefert in seinem Auftragswerk die verschärfte Version des Hochzeitdramas: Weißrussin heiratet Deutschen wegen Aufenthaltsgenehmigung; seine Mutter macht eine perfid gute Miene zum bösen Spiel. Der Bruder der Russin ist in Gedanken noch im Afghanistan-Krieg und die Ex-Freundin des Deutschen mit von der Partie. Allerhand Sprengstoff, könnte man meinen. Allerdings hat der Knall schon längst stattgefunden: die Globalisierung hat Traditionen zerfetzt und Psychen zersetzt. Das Radikale an diesem Theaterstück: Es gibt keine Einheit der Person mehr.«

Aufführungen

Uraufführung

19.3.2010, Theater Freiburg