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theater und medien
Theaterstück, 1D - 4H, UA: 17.12.2009, Theater der Stadt Heidelberg
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Synopsis

Ein Mann, der immer nur gewonnen hat, findet in der Mitte seines Lebens mit aller Härte heraus, wie brutal sich das Dasein darstellen kann: 

Aus dem Job entlassen, der Rolle als Vater nicht gerecht werdend, sich in der Gesellschaft nicht mehr findend, seine Familie und Freunde verlierend, mit der Betreuung des dementen Vaters überfordert, kann er schließlich nicht mehr zwischen Eigenverantwortung und ihm widerfahrendem Unrecht unterscheiden, und das Chaos um ihn und in ihm wird zum Pulverfaß.  

Das Stück kreist um Themen wie »Altern in der Familie«, »Die Rolle des Vaters« und »Leben und Überleben im Kapitalstaat«, serviert uns dabei aber keine Thesenträger, sondern lebensstarke Charaktere. Es stellt weniger die Frage nach der Schuld als die Frage danach, welche Strukturen dafür verantwortlich sind, daß das Aufgeben im Job – aber auch im Leben (also Altern, Krankheit und Tod) – in unserer Gesellschaft als Schwäche verstanden und ausgeklammert werden. 

Ein Stück über das Tabu Kapitulation in einer gewinnorientierten Gesellschaft.

»Nis-Momme Stockmanns erschütternde, im Detail aber auch komische Studie eines Mannes, der den Kontakt zur Welt verliert, macht neugierig auf ein weiteres Stück von ihm.« (Kekke Schmidt, Laudatio zum tt Stückemarkt Werkauftrag)

 

Gewinner des Heidelberger Stückemarktes 2009

Ausgezeichnet mit dem Publikumspreis des Heidelberger Stückemarktes 2009

Ausgezeichnet mit dem Werkauftrag des tt Stückemarkts der Berliner Festspiele 2009

ZEIGENNis-Momme Stockmann
Nis-Momme Stockmann schreibt Theaterstücke, Hörspiele, Lyrik und Prosa. Für das Stück DER MANN DER DIE WELT ASS erhielt er beim Heidelberger Stückemarkt 2009 Haupt- und Publikumspreis. KEIN SCHIFF WIRD KOMMEN wurde 2010 für den Mülheimer Dramatikerpreis nominiert, »Theater Heute« wählte ihn zum Nachwuchsdramatiker des Jahres. 2011 erhielt er den Friedrich-Hebbel-Preis. 2012 inszenierte Lars-Ole Walburg die Uraufführung TOD UND WIEDERAUFERSTEHUNG DER WELT MEINER ELTERN IN MIR, die zu den Mülheimer Theatertagen eingeladen und mehrfach nachgespielt wurde. 2016 erschien Stockmanns Debütroman DER FUCHS (nominiert für den Leipziger Buchpreis). Die Zeit nennt ihn »ein echtes Sprachgenie«.
Neuigkeiten
Presse
Fyns Stiftstidende (DK)

»If you fear confrontation with your own inadequacy and impotence, if you dare not see reality mirrored on a stage then I would recommend that you stay away from DER MANN DER DIE WELT ASS. Because Nis-Momme Stockmann's play is gripping, dreadful, poetic, funny and at the same time frighteningly realistic.«

Der Spiegel

»Eine Studie über einen Egozentriker, dessen Ego ins Wanken gerät, einen Erfolgsmenschen, der plötzlich keinen Erfolg mehr hat. Doch ihn regiert ein Dogma des Durchhaltens. ›Kapitulation‹ sagt Stockmann ›ist keine Option im Kapitalismus‹. Diese Diagnose verpackt Stockmann in klassische Dialoge und eine effektfreie Sprache; die Figuren wirken ebenso gewöhnlich wie ihre Probleme. Es könnte ein Erfolgsrezept sein, über den Hype hinaus.«

ZEIGENnachtkritik

»Kapitalismuskritik, dialektisch verfeinert? Doch, ja. Aber mit Mut zum Unspektakulären. Stockmanns Sprache kommt beiläufig, alltäglich und ungekünstelt daher. Vieles in Stockmanns Stück, eigentlich alles, ist ebenso berührend tragisch wie brüllend komisch. Der Autor streift zeitlos relevante Themen wie Arbeitslosigkeit, Trennung, Verantwortungsflucht, Alterskrankheit, Pflegedesaster und mehr. Aber eher leise. Und dennoch trifft der Text immer wieder mitten rein ins Schmerzzentrum. Schon lange, bevor sein Erstling nun in Heidelberg uraufgeführt wurde, galt Stockmann als ›Nachwuchsdramatiker der Stunde‹. Jetzt lässt sich sagen: Bitte mehr. Der Vater schwankt zwischen hellen Momenten und fortschreitender Demenz, irrt nackt durch die Wohnung, gießt Linsensuppe im Kleiderschrank aus und verschanzt sich dort aus Angst vor dem Sohn – Ronald Funke zeigt diesen Mann, wie er sich verliert, zwischen Larmoyanz und Lebensstolz, in einer schnörkellos sachlichen, unpathetischen, anrührenden Zerfallsstudie. Pekuniäres Denken regiert deformierend bis in privateste Bereiche hinein. Als der Vater zur Feier des Tags einen 200-Euro-Cognac anschleppt, rastet der Sohn völlig aus: Für dieses Geld könne er ihn ›fast 'ne Woche pflegen lassen‹. Regisseur Schnizer wechselt klug zwischen stilisierten und naturalistischen Passagen. Das Ergebnis ist starkes Schauspielertheater – auch ein Passionsdrama in 12 Szenen. ›Jetzt kommen bessre Zeiten‹, heißt es am Schluss – aus dem Mund des bereits ziemlich verwirrten Vaters. Der letzte Anruf Lisas verhallt im Nichts: Gespeichert auf dem Anrufbeantworter des Sohns, der ihn wohl nie mehr abhören wird.«

ZEIGENFrankfurter Allgemeine Zeitung

»Ein Ego-Wichtel, der sich an allem Sozialen und Gebundenen über die Maßen wundgerieben hat, schmeißt seinen Job hin. Verlässt seine Familie. Tut sich furchtbar leid, kommt sich aber grandios vor als Aussteiger. Und ist doch nur stolz und dumm in sein Unglück verliebt. Gut möglich, daß hinter all dem Unglück die Schuldfratze des Kapitalismus lauert. Aber Stockmann beharrt ebenso stur wie seine Hauptfigur darauf, daß da einer es aushalten muß und daß da keine alles entschuldigende Fratze ist, sondern Gesichter sind: leidend, hochfahrend, höhnisch, hoffend, verzweifelnd, menschenwund. In Stockmanns Welt sind die Kinder verlassen, die Väter fallen aus, die Mütter sind gestorben. Es ist die Welt der Alleinlebenden. Nichts Ungewöhnliches. In Heidelberg zeigt sich das fabelhaft einfach, berührend. Das Theater dient dem Autor, indem es über seine Geschöpfe staunt, ihnen nahe kommt, ihnen aber Luft lässt für noch ganz andere Möglichkeiten. Der Sohn, zeigt der Schauspieler, könnte noch viel arroganter, aber auch noch viel armseliger sein. Stockmann kann etwas Ungewöhnliches. Weil er das Gewöhnliche will. So zeigt er den Schrecken und die Abgründe ganzer Welten als Beziehung, Spannung, Anziehung, Abstoßung, Vernichtung, Sehnsucht, Verzweiflung: zwischen Menschen. Sein Verfahren ist tapfer human. Es eignet ihm eine unzeitgemäße Bescheidenheit und Zurückgenommenheit selbst noch im asozialen Horror. Er ist nicht der Richter einer verkommenen Welt, nicht der Schuldsprecher und Ankläger der Theorien und Diskurse, mehr der beobachtende Verteidiger der Opfer, der Verständnis zu bieten hat. Sein Terrain: die Familie als Schlachtfeld; die Wohnsiedlung als Kriegsschauplatz. Und Stockmann ist der Sanitäter, der schöne, durchaus poetengesalbte, manchmal leicht kitschgetränkte, immer aber menschenfreundliche Wortwundverbände anlegt. Er ist der Mann, der die Welt schmeckt. Auch wenn nirgends Hoffnung ist – wo Stockmann hintritt, wächst Gras.«

SWR

»Stockmanns Dialoge sitzen und fesseln. Gerade weil sie in schnörkelloser Alltagssprache geschrieben sind. Die schneidet messerscharf, das tut manchmal richtig weh. Stockmann hat in diesem, seinem ersten Stück, schon einen ganz eigenen Ton entwickelt. Sein Stück geht ans Eingemachte, berührt wirklich. Dazu benötigt er kein spektakuläres Thema, keine außergewöhnlichen Charaktere, er findet das Drama im Alltag. Wo hat er nur dieses genaue Beobachten gelernt?«

Rhein-Neckar-Zeitung

»Punktgenau und treffsicher gelingen die knappen Dialoge, die in ihrer – mitunter auch komischen – Feinst-Nuancierung Menschlichkeit aufblitzen als auch in die Abgründe absurder Verlorenheit blicken lassen.«

Mannheimer Morgen

»Nicht mehr ›müssen und sollen‹ will er - wer kann es ihm verdenken? Doch absolute Freiheit ist ein zweischneidiges Schwert, gehen mit ihr doch auch vertraute Sicherheiten flöten. All diese alltäglichen Koordinaten schwingen in Stockmanns Erstlingswerk ohne das Etikett ›sozialkritisch‹ mit. Was wir aber sehen, ist ein raffiniert gebautes Stück prallen Psychorealismus', der auf deutschen Bühnen lange Zeit verpönt war.

In zwei pausenlosen Stunden sehen und hören wir keine fahrigen Textflächen, sondern Figurentheater intimsten Zuschnitts. Lügen am Telefon haben beim Titelhelden System, der sich als Elefant im Porzellanladen menschlicher Zuneigung erweist. Er lügt sich die neue Selbstständigkeit und Freiheit schön und erkennt nicht, daß er längst nicht mehr Herr der fatalen Lage ist.

Die zweite Figur ohne eigenen Namen ist die des Vaters, auch ihm ist die Welt via Demenz-Erkrankung abhandengekommen. Was Ronald Funke hier auf die Bühne bringt, ist großes, anrührendes und nie peinliches Schauspielertheater, das so in Heidelberg lange nicht zu sehen war und tief ins Herz geht.

Überhaupt ein großer Abend für das Ensemble: Monika Wiedemer spielt die verlassene und doch liebende Gattin in allen Facetten zwischen schützender Wut und unvernünftig bangem Hoffen. Aus Freund und Kollege Ulf macht Benjamin Hille eine Typenstudie des gutwilligen Langweilers, Chaos-Bruder Phillip ist bei Bastian Semm ebenfalls in guten Händen. Zusammen teilen diese Schauspieler sich, auch das eine kluge Idee, die Rolle des die Wiedereinstellung verweigernden Chefs. Wie ein multiples Opfer-Tribunal besiegeln sie den Untergang des Mannes, der sie verschlang und sich dabei an der Welt verschluckt.

Daß ausgerechnet ein Chef als ›Deus ex Business‹ ein gerechtes Urteil im Namen aller Beteiligten spricht, ist ein perfider Dreh des Autors, der seine unaufgeregt alltägliche Sprache einer raffinierten Dramaturgie voller Weltabschiedsspiegelungen unterordnet. Auch das ist den langanhaltenden Applaus in Heidelberg wert.

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Esslinger Zeitung

»Dem jungen Autor gelingen in seinem Erstlingswerk starke Porträts. Seine klare, ungekünstelte Sprache lenkt den Blick auf die Krise, die in den Köpfen der Menschen beginnt. Daß Stockmann  schon lange vor der Uraufführung seines Erstlingswerks in der Theaterszene gehyped wurde, liegt auch an seinem klaren Zugriff auf Themen der Zeit. Stockmanns Stücke bestechen nicht durch eine poetische Sprache oder durch Effekte - seine große Stärke ist es, Geschichten zu erzählen, die in der Psyche spielen. Und da sind gerade die Momente der Sprachlosigkeit, des Schweigens, entscheidend. Ohne falsche Schnörkel lässt Regisseur Schnizer den Text spielen, der zu den spannendsten Entdeckungen des Jahres gehört. Ob der Sohn seinen schwerkranken Vater am Ende umbringt, weil er mit dessen Leiden nicht umgehen kann, läßt seine schöne und einfühlsame Inszenierung bewußt offen. Um Schlagzeilen, wie man sie über solche spektakulären Familiendramen immer wieder liest, geht es weder ihm noch dem Autor Stockmann. Es sind die Menschen und ihre zeitlosen Tragödien, die beide interessieren.«

Süddeutsche Zeitung

»Dominique Schnizer, der ohne Schnickschnack vom Blatt weg spielen lässt, tut gut daran, das Stück nicht zu überfrachten. Gegen Ende erlaubt er sich dann allerdings doch einen kurzen, aber aggressiven Konflikt. Plötzlich geht der Sohn auf den Vater los, bevor er ihm doch wieder begütigend auf die Schulter klopft und meint, man müsse einfach mal wieder bis zum "Pupillenstillstand" zusammen trinken. Ob der Vater das überlebt, bleibt offen. Sicher ist dagegen, dass Nis-Momme Stockmann ein Autor ist, den die Theater derzeit zum Fressen gern haben. "Der Mann der die Welt aß" wird in Magdeburg und Basel nachgespielt. Und schon im Januar folgen in Stuttgart und Frankfurt die nächsten Stockmann-Uraufführungen.«

taz

»Das Stück erzählt von einem 35-jährigen Sohn, der es nicht schafft, die Kurve zum Erwachsenwerden zu nehmen. Wie schwer es ihm fällt, Verantwortung zu übernehmen, zeigt sich in all den Ausreden, die er am Handy vorbringt. Weil er sich von allem überfordert fühlt, besteht er nur noch aus Ausweichmanövern. Immer schafft der namenlose Sohn es, sich die Rolle des Beleidigten zu ergattern und die anderen mit ihren Problem stehen zu lassen. Den größten blinden Fleck erzeugt er allerdings im Blick auf sich selbst und die Verleugnung der eigenen Probleme. Bedrohlicher aber noch verengt sich die Welt seines Vaters, der beginnt, Dinge und Orte zu verwechseln, und Zuflucht im Kleiderschrank des Sohnes sucht. Das Herz krampft sich beim Lesen der Sätze zusammen, mit denen der Vater sich für seine Ausfälle vor dem Sohn zu entschuldigen versucht. Es steckt viel Wissen über Feigheit und Ausflüchte in den Szenen, die sich größtenteils am Handy abspielen. Schon diese Kommunikationsform ist ein Zeichen der ständigen Horizontverengung, unter der die Figuren leiden.«

Die Deutsche Bühne

»So ernst das ist, so wenig lamoryant arrangiert es Stockmann. Gerade der kindisch-uneinsichtige Egozentrismus des Protagonisten ermöglicht komödiantische Distanz zum Geschehen - von dessen traurigem Verlauf man sich umso bereitwilliger erschüttern läßt. Sofort vertraut ist einem der Sound der Dialoge, denn die kommen echten Alltagsgesprächen so nahe, wie es Theatertexten selten gelingt. Doch Stockmanns Verknappungen zielen nicht auf Verrätselung, sondern lassen im Gegenteil Geistes- und Gefühlshaltungen der Figuren plastisch werden.«

Deutschlandradio

»Seine Stücke kommen als witzige, schnelle, dabei aber durchaus nicht oberflächliche Bestandsaufnahmen unserer Gesellschaft daher. In ›Der Mann, der die Welt aß‹ verbindet Stockmann zeitrelevante Themen mit einer klaren, unterhaltenden, aber nicht anbiedernden oder gar belehrenden Form.
In der Hauptfigur des Stücks, einem mitte-dreißigjährigen Weltverweigerer, entdeckte die Heidelberger Jury gar Parallelen zu Millers Handlungsreisendem und Tschechows ›Iwanow‹.« 

Aufführungen

Uraufführung

17.12.2009

Theater Heidelberg

Aufführung

13.2.2010

Theater Magdeburg

Schweizer Erstaufführung

29.4.2010

Theater Basel

Aufführung

29.4.2011

Theater Ingolstadt

Aufführung

2. Oktober 2010

Bayerisches Staatstheater, München

Aufführung

25.2.2011

Theater Baden-Baden

Aufführung

Januar 2012

Theater Erlangen

Österreichische Erstaufführung

Februar 2012, Landestheater Niederösterreich, St. Pölten

Aufführung

4.2.2012

Westfälisches Landestheater, Castrop-Rauxel

Aufführung

27.3.2012

Theater Ulm

Dänische Erstaufführung, 

10.1.2013, Odense Stadttheater (DK)

Tschechische Erstaufführung,

1.11.2013, Strasnicke Theater, Prag

Aufführung,

9.1.2014, Theater Aachen

Aufführung,

April 2015, Stadttheater Gießen