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Theater, Hörspiel, Film
Zitate

»Rimini Protokoll ist das Heißeste, intelligent Überraschendste, das die internationale Theaterszene derzeit zu bieten hat.«

(Der Tagesspiegel)

Person

Helgard Haug (*1969) und Daniel Wetzel (*1969) haben am Giessener Institut für Angewandte Theaterwissenschaft studiert und arbeiten in unterschiedlichen Konstellationen - oft auch mit Stefan Kaegi (*1971) - unter dem Label Rimini Protokoll. Sie gelten als die »Protagonisten und Begründer eines neuen Reality Trends auf den Bühnen« (Theater der Zeit), der die junge Theaterszene geprägt hat. Die Arbeiten finden in der bunten Zone zwischen Realität und Fiktion statt und haben international Aufmerksamkeit erregt. Seit 2000 entwickeln sie auf der Bühne und im Stadtraum ihr Experten-Theater, das nicht Laien, sondern Experten der Wirklichkeit ins Zentrum stellt. Im Zentrum ihrer Arbeit steht die Weiterentwicklung der Möglichkeiten des Theaters, ungewöhnliche Sichtweisen auf unsere Wirklichkeit zu ermöglichen. Den Proben zu den Stücken gehen umfangreiche Recherche-, Casting- und Konzeptionsprozesse voraus, die ca. 2/3 des Arbeitsprozesses ausmachen. Seit 2004 haben Rimini Protokoll im Hebbel am Ufer ein Büro und damit Berlin zur ersten Adresse ihrer internationalen Theaterarbeit gemacht.

SHOOTING BOURBAKI (2003) wurde mit dem NRW-Impulse-Preis ausgezeichnet, DEADLINE (2004) und WALLENSTEIN (2006) wurden zum Berliner Theatertreffen eingeladen. SCHWARZENBERGPLATZ (2005) war für den Österreichischen Theaterpreis »Nestroy« nominiert. MNEMOPARK wurde mit dem Jurypreis beim Berliner »Festival Politik im freien Theater« 2005 ausgezeichnet und KARL MARX: DAS KAPITAL. ERSTER BAND gewann 2007 beim Festival »Stücke07« sowohl den Publikumspreis als auch den Mülheimer Dramatiker Preis 2007, während das gleichnamige Hörspiel den renommierten »Hörspielpreis der Kriegsblinden« erhielt. Im November 2007 wurde Haug, Kaegi und Wetzel der Sonderpreis des Deutschen Theaterpreises »Der Faust« verliehen, und im April 2008 wurde ihre Arbeit mit dem Europäischen Theaterpreis in der Kategorie »Neue Realitäten« gewürdigt.

2011 wurde das Gesamtwerk von Rimini Protokoll mit dem Silbernen Löwe der 41. Theaterbiennale Venedig ausgezeichnet.

Mit der Produktion QUALITÄTSKONTROLLE wurden Helgard Haug und Daniel Wetzel für den Mülheimer Dramatikerpreis nominiert und gewannen den Publikumspreis. Das gleichnamige Hörspiel QUALITÄTSKONTROLLE ODER WARUM DIE DIE RÄUSPER-TASE NICHT DRÜCKE wurde mit dem Deutschen Hörspielpreis 2014 ausgezeichnet.

Zu Beginn der Spielzeit 2015/16 entstand die Produktion ADOLF HITLER: MEIN KAMPF, BAND 1 & 2 mit Uraufführung beim Kunstfest Weimar. Für das Deutsche Schauspielhaus Hamburg haben Helgard Haug und Daniel Wetzel 2016/17 das neue Stück BRAIN PROJECTS entwickelt.

ZEIGENwebsite von Rimini Protokoll

Hier geht es nach Rimini.

Werke
ZEIGENAdolf Hitler: Mein Kampf, Band 1 & 2

Rimini Protokoll nimmt die Spur von Adolf Hitlers Hetzschrift auf und versucht zu ergründen, worauf der Mythos von „Mein Kampf“ eigentlich beruht. Helgard Haug und Daniel Wetzel haben sie die Spur eines Buches aufgenommen, das seine geschichtspolitische Brisanz bis heute nicht verloren hat.

ZEIGENBlack Tie

Im Zentrum der neuen Arbeit von Helgard Haug und Daniel Wetzel steht mit Miriam Yung Min Stein eine junge Frau koreanischer Herkunft, die von einer deutschen Familie adoptiert wurde. Nach drei Stücken, die große Texte zum Gegenstand hatten – Schillers »Wallenstein«, den Ersten Band von Marx’ »Kapital« und den »Breaking News« der Abendnachrichten – gilt das Interesse von Haug/Wetzel nun dem mikroskopischen Blick auf die Schriftsätze eines Lebens.

ZEIGENBrain Projects

Was geschieht, wenn ich „Ich“ sage? Was geschieht dabei im Gehirn? Mit dem Ausgesprochenen haben sich Sprecher und Adressaten darauf verständigt, daß der Sprechende „sich“ meint. “Brain Projects” erarbeitet theatrale Spielanordnungen zur Modellierung des Gehirns. Das Sich-Denken als ein beobachtender und hilflos ahnungsloser Prozess.

Hauptversammlung

Am 8. April 2009 laden Rimini Protokoll zu einer der aufwändigsten Inszenierungen der Spielzeit: Zur Hauptversammlung der Daimler AG im ICC Berlin. Rimini Protokoll haben Aktien gekauft und Aktionäre gesucht, die ihre Einladung abtreten, um möglichst vielen Theaterzuschauern Zugang zu dieser Aufführung zu gewähren.

ZEIGENHerr Dagaçar und die goldene Tektonik des Mülls

Mr. Dağaçar sagt: »Istanbuls Boden ist mit Gold gepflastert« und zieht los um sich ein bißchen davon in den Karren zu kratzen: jede Nacht strömen unzählige junge Männer durch Istanbul und sammeln vom Boden und vor den Geschäften das auf, was anderen zur Last gefallen ist, und verwandeln es immerhin in kleines Geld für sich und die Familien in Ost-Anatolien. Helgard Haug und Daniel Wetzel folgten ihnen auf ihren Routen durch die Stadt und ihrem mikroskopischen Blick auf den Müll, dessen Wert an den Weltmarkt gekoppelt ist - an die Kurse für Kupfer, Stahl, Gold.

ZEIGENHerrmann's Battle

Ein Text, der den Freiheitskampf als Ziel formuliert, dem alles andere und alle anderen untergeordnet werden muß. Helgard Haug und Daniel Wetzel unternehmen nach »Wallenstein«, »Karl Marx: Das Kapital, Erster Band«, »Breaking News« und »Prometheus in Athen« ein weiteres Theater-Abenteuer, bei dem sie die Arbeit mit Experten ihrer eigenen Biografie in Kollisionskurs bringen mit einem Text, dessen Radikalität die Belange des Individuums überrennt, und die große Bewegung durchspielt, die es in ihren Bann ziehen will.

ZEIGENPrometheus in Athen

Im Mai 2010 ging die griechische Krise in eine entscheidende Phase. Die Bedingungen für EU - und IWF-Hilfen waren akzeptiert, doch weiterhin prägten Generalstreiks und aggressive Proteste die Straßen Athens. In Athen wählten Helgard Haug und Daniel Wezel zehn Athener danach aus, mit welchen Figuren aus Aischylos’ ›Der gefesselte Prometheus‹ sie sich identifizieren würden. Diese zehn bestimmten den jeweils nächsten Mitspieler aus der Bevölkerung, bis ein Ensemble aus 103 Athenern zusammengestellt worden war. An einem einzigen Abend, im rund 4000 Zuschauer fassenden Amphitheater Herodion, gaben sie mit ihren Antworten die Stimmung des Landes wieder, zwischen Verunsicherung, Stolz und Solidarität.

ZEIGENQualitätskontrolle

»Ich falle – ICH« sind die letzten drei Worte, die in BLACK TIE gesprochen werden, dem Stück, das um das ›schwarze Loch der Identität‹ kreist. Mit QUALITÄTSKONTROLLE wird dieser Text fortgeschrieben, die Schattenjagd fortgesetzt. Das ICH hat sich verändert: »ICH habe nie gefragt WARUM mir das passiert ist. Warum ich vor 20 Jahren zur Feier meines Abiturs mit meinen Eltern aus Stuttgart nach Kreta flog. Warum ich in den Pool der Ferienanlage sprang – kopfüber, auf der Nichtschwimmerseite. Das war die letzte Bewegung, zu der ich meinen Körper antreiben konnte. Seitdem herrscht Funkstille zwischen uns, von den Schultern abwärts. Ich wurde von meinem Vater am Rand des Pools beatmet. Ich wurde gefragt, ob ich überhaupt leben wollte. Ich wollte unbedingt: ich wollte weitermachen. Ich lebe fröhlichen Hauptes.«

ZEIGENQualitätskontrolle oder warum ich die Räusper-Taste nicht drücke

Hörspiel, Westdeutscher Rundfunk, 2014

ZEIGENVùng biên gió’i

Im Frühjahr 2008 brach Rimini Protokoll auf, um sich mit dem Nachbarschaftsverhältnis zwischen Deutschland und Tschechien zu befassen – an der deutsch-tschechischen Grenze fanden sie schließlich tatsächlich etwas, das beide Länder verbinden könnte. Hier hoffen vietnamesische Händler heute auf ihr Glück. Sie kamen aus dem asiatischen Bruderland nach Tschechien und in die DDR als Vertragsarbeiter und Auszubildende zu einer Zeit, als die nun verwaiste Grenzstation noch schwer überwindbar war. Jetzt bilden sie sowohl in Dresden als auch in Prag die stärkste Migrantengruppe.

Waldeinsamskype

Hörspiel

Produktion: Deutschlandfunk, 2009

Ursendung: 3.5.2009

Welcome to you!

Hörspiel nach dem Theaterprojekt BLACK TIE

Produktion: WDR, 2009

Ursendung: 20.10.2009

ZEIGENDer Zauberlehrling

DER ZAUBERLEHRLING nimmt einen Text zum Ausgangspunkt der Suche nach den großen Illusionisten der Gegenwart und ihren magischen Momenten. Wo schlagen die Funken zwischen Goethes Ballade und dem Wehrstrafgesetz, zwischen Weltpolitik, Geschichte, persönlichen Schicksalen und Zauberei?