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theater und medien

Theatertreffen 2017

Die Hälfte aller Einladungen zum diesjährigen Theatertreffen geht an von schaefersphilippen™ vertretene Künstler.

Beschwingt und hoch erfreut gratulieren wir an dieser Stelle den tt-Debütanten Kay Voges und Ulrich Rasche sowie Ersan Mondtag, Thom Luz und Milo Rau, die jeweils zum zweiten Mal nach Berlin reisen!

Thom Luz, 2015 mit seiner Bühnenbearbeitung von Judith Schalanskys ATLAS DER ABGELEGENEN INSELN nach Berlin geladen, ist mit der poetisch betörenden und anrührenden Inszenierung seines eigenen Textes TRAURIGE ZAUBERER mit von der Partie. »Selten Schöneres gesehen« hieß es bei nachtkritik zur Produktion des Staatstheaters Mainz. Thom Luz, Nachwuchsregisseur des Jahres 2014, hat soeben am Theater Basel mit seiner jüngsten Produktion INFERNO Premiere gefeiert.

Ersan Mondtag gehörte bereits 2016 mit seinem Stück TYRANNIS zu den 10 bermerkenswertesten Produktionen des Jahres, wie es beim Theatertreffen heißt. In der Zwischenzeit kürte ihn das Magazin Theater Heute zum Nachwuchskünstler des Jahres in den Kategorien Regie, Bühnen- und Kostümbild. In diesen drei Bereichen glänzte Mondtag auch bei seiner Produktion DIE VERNICHTUNG (Theater Bern) nach einem Stück von Olga Bach, die nun in Berlin gezeigt wird.

Ulrich Rasche ist mit seiner Inszenierung DIE RÄUBER (Residenztheater München) eingeladen, über die Christine Dössel in der SZ schrieb: »Rasches ›Räuber‹-Unternehmung ragt steil und gesamtkunstwerklich kühn aus dem Normalspielbetrieb heraus«. Die nachtkritik staunt: »Kurz: Groß.«

Milo Rau ist nach der 2012er Einladung mit HATE RADIO in diesem Jahr mit seinem Stück FIVE EASY PIECES in Berlin vertreten. Das bereits in über 10 Ländern aufgeführte sowie an zahlreichen Spielorten zensierte Stück, in dem Kinder die Verbrechen des Pädophilen Marc Dutroux nachspielen, regte eine internationale Debatte über die Grenzen der Kunst und die Kraft des Theaters an. Die SZ kommentierte zur Uraufführung: »Gleichzeitig atemberaubend, analytisch klar und grauenvoll. Die Inszenierung ist der seltene Fall eines Theaterabends, der auf angenehme Weise wehtut und dabei etwas leistet, was man früher Katharsis nannte.«

Kay Voges, der in Dortmund seit Beginn seiner dortigen Intendanz an der ästhetischen und medialen Modernisierung des Stadttheaters arbeitet, reist mit der »philosophischen Welt-Installation« (nachtkritik) DIE BORDERLINE PROZESSION an. Die SZ jubelte: »Größenwahnsinnig und grandios, inspirierend und erschlagend zugleich. Als eine Reflexion über eine Theaterästhetik des Internetzeitalters setzt der Abend definitiv einen Standard.«

Die aktuellen Produktionen der Eingeladenen: INFERNO von Thom Luz, Theater Basel // PARADISO von Thom Luz, Mai 2017, Theater Basel // SIEBEN GEGEN THEBEN/ANTIGONE von Ulrich Rasche, Schauspiel Frankfurt // 120 TAGE VON SODOM von Milo Rau, 10.2.2017, Schauspielhaus Zürich // HELL. EIN AUGENBLICK von Kay Voges, 11.2.2017, Theater Dortmund // ANTIGONE von Ersan Mondtag, 17.2.2017, Maxim Gorki Theater, Berlin

3 Einladungen zu »Stücke« nach Mülheim a.d. Ruhr

Mit Anne Lepper, Olga Bach und Milo Rau sind in diesem Jahr gleich drei Autorinnen und Autoren von schaefersphilippen ™ zu den Mülheimer Theatertagen eingeladen. Lepper, bereits 2012 mit ihrem Stück KÄTHE HERMANN mit dabei, hat für das Nationaltheater Mannheim MÄDCHEN IN NOT geschrieben, eine ›bittere, hochaktuelle Diagnose unserer Gesellschaft, die mit Normabweichungen weit schlechter klar kommt, als sie vorgibt: Bilderstark, skurril verzerrt und sprachlich genial reduziert wie im Comic‹ schreibt Cornelia Fiedler zur Begründung. Direkt mit ihrem ersten Stück nach Mülheim, das gilt für die junge Autorin Olga Bach. An der Seite von Ersan Mondtag entstand der Text DIE VERNICHTUNG, eine ›elysische Apokalypse‹ (Jürgen Berger). Bach und Mondtag skizzieren ihre eigene Generation zwischen Körperoptimierung, Drogen und Sex. Die Produktion des Theaters Bern ist ebenfalls zum Berliner Theatertreffen eingeladen. Ein weiterer Debütant - allerdings nur in Mülheim - ist Milo Rau. Durch die überfällige Einladung nach Mülheim wird nun auch auf breiterer Ebene sichtbar, welchen Anteil seine Autorenschaft zum Erfolg seiner Produktionen beiträgt. Christine Wahl schreibt zu EMPIRE folgerichtig: ›Im dritten und letzten Teil seiner »Europa-Trilogie« verdichtet Milo Rau nicht nur individuelle Biografien zu einem übergreifenden Geschichtspanorama und spiegelt die geschickt komponierten Umbruchs-, Flucht-, Vertreibungs- und Exilerzählungen der Bühnenakteure in strukturell vergleichbaren Erfahrungen der Eltern- beziehungsweise Großelterngeneration. Sondern indem die Darsteller zudem abendfüllend mit dem Verhältnis zwischen der eigenen Biografie und ihren jeweiligen Bühnenrollen spielen, reflektieren sie auch über das Medium Theater: über Repräsentation, Authentizität, echte und falsche Tränen und die Grenzen der Darstellbarkeit.‹

GEHEN UND BLEIBEN: Maxi Obexer in Potsdam

Maxi Obexer hat mit wichtigen Stücken wie DAS GEISTERSCHIFF, ILLEGALE HELFER und DIE FLIEGENDEN HOLLÄNDER (noch frei zur UA) in den letzten Jahren immer wieder auf die neuralgischen Punkte der europäischen Flüchtlingspolitik hingewiesen. So entstand zuletzt im Verbund mit anderen Autorinnen und Autoren das Gemeinschaftswerk DAS SCHWEIGEN DER SCHWEIZ am Theater St. Gallen, das aktuell zum Schweizer Theatertreffen 2017 eingeladen wurde. Im Auftrag des Hans-Otto-Theaters Potsdam hat sie das Stück GEHEN UND BLEIBEN entwickelt, das am 17. März 2017 in der Regie von Clemens Bechtel uraufgeführt wird. Das Stück, das von Flucht und Heimat erzählt, basiert auf Erfahrungen von Mitwirkenden. Die Beteiligten - Flüchtlinge und Auswanderer, die aus Syrien, Israel, Mazedonien, Frankreich, Rußland und dem Iran stammen - haben der Autorin ihre persönlichen Geschichten erzählt, und Maxi Obexer hat diese Gespräche in ein Theaterstück verwandelt, das auf vielfache - oft irritierende, heitere und traurige - Weise davon erzählt, was es heißt, die Heimat zu verlassen und in der Fremde neu zu beginnen. Obexers Stücke sind vielfach übersetzt worden, u. a. ins Französische, Englische, Bulgarische, Tschechische und Rumänische. Sie lebt in Berlin und Südtirol und arbeitet derzeit an ihrem zweiten Roman. Ihr Werk ILLEGALE HELFER, vom WDR als Hörspiel produziert und an verschiedenen Theater in Deutschland und Österreich inszeniert, wird im kommenden Herbst in aktualisierter Fassung als Buch beim Berliner Verbrecher Verlag erscheinen.

Sofi Oksanen: Die Sache mit Norma

Mit »Die Sache mit Norma« ist in diesem März der inzwischen vierte Roman der Finnin Sofi Oksanen auf Deutsch erschienen (Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln). Mit magischem Realismus erzählt Oksanen einmal mehr ein dunkles Familiendrama und thematisiert - wie auch in ihrem für das Burgtheater geschriebenen Kurzdrama ICH LIEBE DICH SCHON JETZT - die Ausbeutung von Frauen, sei es durch Leihmutterschaft oder den Verkauf von Haaren. Als Normas Mutter Selbstmord begeht, steht die dreißigjährige Tochter plötzlich alleine da. Die beiden waren ein eingeschworenes Team und sich darin einig, Normas Geheimnis – ihre Haare wachsen unnatürlich schnell – für sich zu behalten. Während Norma herauszufinden versucht, wie die Mutter wirklich starb, kommt sie einem global agierenden Clan rund um Haarverlängerung und Leihmutterschaft auf die Spur. Dieser magische Roman beginnt mit einer Beerdigung: Die 30-jährige Norma Ross hat soeben ihre Mutter Anita verloren. Während Norma auf ihr Taxi wartet, kondoliert ihr ein unbekannter Mann, der sich als Max Lambert, ein alter Freund ihrer Mutter, vorstellt. Doch Lambert ist kein alter Freund, sondern der Inhaber des Frisiersalons, in dem Anita arbeitete. Norma glaubt nicht daran, dass ihre Mutter Selbstmord begangen hat, und sucht in ihrer Wohnung nach Hinweisen auf das, was wirklich geschehen ist. Dabei stößt sie auf verstörende Dokumente. Der Kölner Stadt-Anzeiger erkennt in dem erstmals bei der diesjährigen lit.COLOGNE vorgestellten Roman »eine postmoderne Version von Rapunzel«, im MDR wird dem Buch eine »hochgradige Spannung« attestiert. Es sei zudem »ein leidenschaftliches Plädoyer gegen die Ausbeutung von Frauen.«

In ihrem Roman thematisiert Sofi Oksanen die Ausbeutung von Frauen – sei es durch Leihmutterschaft oder den Verkauf ihrer Haare. Ein eigensinniger Roman mit einer klaren Botschaft.

Neuigkeiten
URBAN PRAYERS nominiert

Das Theater-Projekt NEW HAMBURG, das Björn Bicker, Malte Jelden und Michael Graessner bereits 2014 im Auftrag für das Schauspielhaus Hamburg auf der Veddel realisierten, ist für den Sonderpreis »Kultur öffnet Welten« des Bundes nominiert. »Das Projekt leistet hervorragende Arbeit in einem Stadtteil, in dem Menschen zahlreicher Glaubensrichtungen mit- und nebeneinander leben. Mit dem Projekt in der Immanuelkirche ist ein Ort für Sprachcafés, Theaterstücke und vieles mehr entstanden«, sagt Kultursenator Carsten Brosda. Das Projekt des Deutschen Schauspielhauses, des Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreises Hamburg-Ost und der Immanuelkirche ging aus einem Festival hervor, das mit theatralen, musikalischen und künstlerischen Mitteln Ergebnisse aus einem Jahr Recherche zum Leben auf der Veddel zeigte.

3sat-Preis für Milo Rau

Wir freuen uns neben der Einladung von FIVE EASY PIECES zum Berliner Theatertreffen 2017 über den 3sat-Preis für Milo Rau. In der Begründung der Jury heißt es: »Raus ›Five Easy Pieces‹ feiern, was die Dutrouxs dieser Welt vernichten wollen: kindliche Weisheit, kindlichen Willen, kindlichen Trotz.« Bisherige Preisträger waren unter anderen Herbert Fritsch, Sandra Hüller und Christoph Schlingensief.

Rainer Merkel beim Stückemarkt Berlin

Wir freuen uns über die Einladung von Rainer Merkels Debütstück LAUF UND BRING UNS DEIN NACKTES LEBEN zum Berliner Stückemarkt. Von Rainer Merkel, der 2013 mit dem Erich Fried-Preis ausgezeichnet wurde, erschienen die Romane ›Das Jahr der Wunder‹, für den er den Preis der Jürgen Ponto-Stiftung erhielt, ›Das Gefühl am Morgen‹, ›Lichtjahre entfernt‹, der auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis stand, ›Bo‹ und die Reportagen ›Das Unglück der anderen. Kosovo, Liberia, Afghanistan‹ und ›Go Ebola Go. Eine Reise nach Liberia‹. LAUF UND BRING UNS DEIN NACKTES LEBEN ist Merkels Debüt als Theaterautor. In seinem Stück erzählt er von »Every Day Ghandi«, einer NGO, die versucht, dem afrikanischen Kontinent Gutes zu tun. Wie in einigen großen Stoffen der Weltliteratur bleibt auch in hier die afrikanische Realität ein Außen, eine Fläche, eine fiebrige Projektion europäischer Überhöhung oder dumpfer Panik.

Neue Website von Christian Weise

Hier geht es zur neuen Homepage von Christian Weise (www.christianwei.se)

Nora Abdel-Maksoud erneut bei Radikal Jung

Die Regisseurin und Autorin Nora Abdel-Maksoud ist erneut zum Festival Radikal Jung am Münchner Volkstheater eingeladen. Während sie zuletzt mit der Produktion KINGS (Ballhaus Naunynstraße) nach München reiste, gastiert sie in diesem Jahr mit der aktuellen Produktion THE MAKING OF (Maxim Gorki Theater, Berlin) in München. Wir gratulieren!

»Schweigen der Schweiz« beim Schweizer Theatertreffen

Die Produktion »Das Schweigen der Schweiz« des Theaters St. Gallen, zu der u.a. Maxi Obexer und Andreas Sauter Kurzstücke beigetragen haben, ist zum Schweizer Theatertreffen 2017 eingeladen worden. Im Schweizer Kulturmagazin ›Saiten‹ hieß es zu Sauters Beitrag: »Andreas Sauter hat das einzige Mundartstück des Abends geschrieben. ›Parat oder Nienedmeh isch nüd.‹ Zwei Männer, Beckett-Spätlinge, suchen ein Wiesenstück, um eine unterirdische Reduit-Wohnung zu graben, eine Höhle ›für alle Fälle‹, falls ›sie‹ kommen: Aber wer genau? Wer auch immer kommen mag, parat sein ist alles: ein wunderbar komödiantischer Auftakt.«n Ab dem 29. März zeigt das Neue Theater in Dornach (CH) eine Neuproduktion von Sauters Stück DER MANN IM TURM ODER DAS GEHEIMNIS DER ZEIT. Das Stück wird im Frühjahr in der gesamten Schweiz tournieren. Für das Schweizer Radio haben Bernhard Studlar und Andreas Sauter das interaktive Hörspiel OPERATION DATA SAUGUS REX geschrieben. Die beiden Autoren haben das Hörspiel, das weiterhin hörbar ist, zuletzt beim sonOhr-Festival Bern und im Theater Winkelwiese in Zürich präsentiert; am 3. April wird OPERATION DATA SAUGUS REX am Schauspielhaus Wien zu hören sein. Auf ›Hörspieltipps.com‹ heißt es zu dem interaktiven Hörspiel: »Die Drastigkeit des potentiellen Finales, das Erleben in Echtzeit und die speziell für den eingeschränkten Klangumfangs eines Telefons erstellte Produktion, machen „Operation Data Saugus Rex“ zu einem herausragenden Hörstück des Jahres.«

Klang- und Bildmagier Thom Luz

Als Hausregisseur hat Thom Luz seine Arbeit am Theater Basel mit der Uraufführung INFERNO fortgesetzt. Im Untertitel präzisiert er den Abend zu einer »Jenseitswanderung auf den Spuren von Dantes ›Göttlicher Komödie‹. Die NZZ bezeichnet Thom Luz als »Klang- und Bildmagier« und sieht ein »berückendes Live-Orchester in weissen Smokings, das wie zum Trotz phasenweise aus der Unterhölle hochgefahren werde. Bezwingend und richtig beklemmend wird der Abend im Finale. Wenn die vierte Wand sich mit einer hermetischen Plastikfolie schließt, wenn die Figuren - einsamer nie - im Nebel waten.« Nachtkritik schreibt: »In Thom Luz' Hölle muss man nicht wie bei Dante alle Hoffnung fahren lassen. Alles hüllt er zum Ende in dichten Nebel. Dante umarmt eine schlammbedeckte Gestalt, die ihm dann den Weg nach draußen weist. Lächelnd winken die Verdammten als Schemen durch einen Plastikvorhang dem weiterziehenden Dante zu.« Weiter heißt es: »Luz bietet seine humanistische Melancholie-Hölle zur Meditation über Selbstbilder, Vereinzelung und Kreisformen dar.« Mit seiner ersten Basler Arbeit unter der neuen Intendanz von Andreas Beck, LSD - MEIN SORGENKIND, wurde Thom Luz sowohl zum Heidelberger Stückemarkt als auch zu den Autorentheatertagen nach Berlin eingeladen. Im Frühjahr 2017 folgt, in Fortsetzung von INFERNO, der Anschlußabend PARADISO - und weil das auf Erden nicht zu haben ist, betitelt Luz dies zulgeich als »ewige Bauprobe«.